Der andere BlickNach der Attacke in Leipzig schliesst die deutsche Regierung zwei russische Einrichtungen. Sie zeigt damit Entschlossenheit, ohne die Schraube zu überdrehen. Eine Äusserung von Kanzler Friedrich Merz hinterlässt aber einen Nachgeschmack.02.09.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenSpezialkräfte der Bundespolizei entschärfen die Sprengladung der Drohne am Leipziger Flughafen.EHL Media / ImagoSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Jonas Hermann, Redaktor NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Souveränität heisst manchmal auch, es nicht zu tun: Wer beleidigt wird, sollte besser nicht zurückbeleidigen, wer provoziert wird, sollte nicht überreagieren – allein schon, um sich nicht auf das Niveau des Beleidigers und des Provokateurs hinabzulassen. In diesem Sinne hat die deutsche Regierung richtig reagiert, als sie am Dienstagabend ihre Reaktion auf den Anschlag bekanntgab, der Anfang August dem Flughafen in Leipzig galt. Verantwortlich dafür ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Russland. Eine mit Sprengstoff bestückte Drohne sollte dort offenbar ein ukrainisches Frachtflugzeug treffen.Als Reaktion darauf wird Deutschland das Russische Haus schliessen. Es liegt mitten in Berlin und ist offiziell eine Kultureinrichtung. Tatsächlich nutzen es mit einiger Wahrscheinlichkeit die russischen Geheimdienste. Zudem muss Russland auch sein Generalkonsulat in Bonn aufgeben. Gegen die russische Schattenflotte will Deutschland ebenfalls härter vorgehen. Russland umgeht mit den Schrottschiffen dieser Flotte westliche Sanktionen. Deutschland hat noch Luft nach oben, um dieses unselige Schauspiel so weit wie möglich zu unterbinden.Merz’ Aussage war weniger klugDie Regierung zieht also Grenzen, überzieht aber nicht. Das ist klug. Etwas weniger klug war die Aussage von Kanzler Friedrich Merz vor einer Woche: «Sie werden dafür bezahlen», posaunte er in Richtung der Auftraggeber des Anschlags von Leipzig. Merz klang wie der Held in einem Actionfilm, seine markigen Worte passen aber nicht so recht zur besonnenen Reaktion, die er am Dienstagabend von seinem Innen- und seinem Aussenminister verkünden liess.Die russischen Aktionen gegen Europa haben eines gemein: Sie lassen sich in aller Regel nicht zweifelsfrei Russland zuordnen – Hackerangriffe, Paketbomben, Drohnen, die Flughäfen lahmlegen, systematische Desinformation: All das tangiert Deutschlands Souveränität und die seiner Nachbarstaaten. All das kann Russland aber auch immer abstreiten, was selbstverständlich zum Kalkül gehört. Die deutsche Regierung machte am Dienstag dennoch Russland für den gescheiterten Anschlag auf den Flughafen Leipzig verantwortlich.Auch das ist aus zwei Gründen richtig: Erstens sind Politiker keine Richter, die im Zweifelsfall immer für den Angeklagten entscheiden müssen. Zweitens lässt die Gesamtschau der vielen hybriden Aktionen gegen die Unterstützer der Ukraine keinen anderen Schluss zu, als dass Russland dahintersteckt.AfD und BSW im Irrtum vereintDer Handlungsspielraum der Deutschen ist begrenzt, weil ihre Geheimdienste weniger können und viel weniger dürfen als zum Beispiel die amerikanischen. Auch die Fähigkeiten der Bundeswehr sind überschaubar. So ist zum Beispiel die Drohnenabwehr in Deutschland eine junge Disziplin.Es gibt aber auch politische Gründe, die die Optionen der Regierung beschränken. AfD und BSW stellen die Realität auf den Kopf: Politiker dieser Parteien behaupten, Deutschland fahre einen aggressiven Kurs gegen Russland. In dieser sehr eigenen Realität sind letztlich die Nato-Staaten schuld am Krieg in der Ukraine. Russlands Feldzug wird damit – mehr oder minder – zum Akt der Selbstverteidigung umgedeutet. Seine Kriegsverbrechen wandeln sich in diesem Weltbild zum notwendigen Übel, das der Westen ohne Not provoziert habe.Nur so ist es zu erklären, dass der AfD-Chef Tino Chrupalla über den russischen Machthaber Wladimir Putin allen Ernstes sagte: «Mir hat er nichts getan.» Deutschland als Aggressor, Merz als Kriegstreiber, so tönt es nicht nur vom rechten, sondern auch vom ganz linken Rand. Eine Überreaktion auf die Attacke von Leipzig hätte den Russland-Apologeten nur unnötig Nahrung gegeben.83 Kommentaremichael moller 04.09.2026Herr Boehm, ich wundere mich schon sehr, wie ein promovierter Mathematiker und Philosoph ein derart naives Bild über Russland unter Putin haben kann.
Attacke in Leipzig: Deutschland reagiert klug auf Russlands Aggression
Nach der Attacke in Leipzig schliesst die deutsche Regierung zwei russische Einrichtungen. Sie zeigt damit Entschlossenheit, ohne die Schraube zu überdrehen. Eine Äusserung von Kanzler Friedrich Merz hinterlässt aber einen Nachgeschmack.












