Merz will Täter «bezahlen lassen» – Leipzig wird zum Testfall für Deutschlands Umgang mit russischer SabotageNoch hat Berlin Russland nicht offiziell für den Drohnen-Anschlag am Flughafen Leipzig verantwortlich gemacht. Doch die deutsche Regierung bereitet bereits ein Massnahmenpaket vor.Armin Arbeiter, Berlin31.08.2026, 12.41 Uhr3 LeseminutenDer deutsche Kanzler Friedrich Merz am Sonntag im ARD-Sommerinterview.Bernd Elmenthaler / ImagoDer deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine turbulente Woche vor sich: Am Montagabend wird er sich in den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt einschalten. Kommenden Sonntag wird dort gewählt, die Rechtspartei könnte die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag erreichen. Umfragen sehen sie derzeit bei 42 Prozent. Am Sonntag wollte Merz sich beim ARD-Sommerinterview kämpferisch zeigen und warnte unter anderem vor einer AfD-geführten Regierung in dem Bundesland.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zugleich steht in Berlin eine Entscheidung an, die weit über den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt hinausreicht: In den kommenden Tagen will die Bundesregierung ihre Antwort auf den Drohnen-Anschlag am Flughafen Leipzig bekanntgeben.Berlin bereitet Sanktionen vorAm 4. August entdeckten Mitarbeiter im Sicherheitsbereich des Flughafens eine mit professionellem Sprengstoff und einem Zünder präparierte Drohne. Weitere Fluggeräte wurden später gefunden. Die deutsche Bundesanwaltschaft wertet den Vorgang als schwerwiegenden Angriff auf Deutschlands Transport- und Logistikinfrastruktur.Man sei dabei, die Untersuchungen abzuschliessen, sagte Merz in der ARD. Innerhalb der Bundesregierung gebe es eine weitgehende Einigung über die Reaktion. Diese werde noch mit EU- und Nato-Partnern abgestimmt.Offiziell hat Berlin bislang nicht erklärt, wer hinter dem Anschlagsversuch vom 4. August steckt. Laut Berichten von «Welt am Sonntag» und «Politico» will die deutsche Regierung Moskau für den Anschlagsversuch verantwortlich machen und bereitet ein umfangreiches Massnahmenpaket gegen Russland vor . Merz hatte den Urhebern des Angriffs bereits Konsequenzen angedroht. Sie würden «dafür bezahlen».Medien berichten, dass Deutschland nicht nur nationale Massnahmen plant, sondern sich auch für zusätzliche EU-Sanktionen einsetzen wolle. Welche deutschen Schritte konkret beschlossen sind, ist noch offen.Schattenflotte mögliches ZielZu den klassischen diplomatischen Reaktionsmöglichkeiten gehören die Einbestellung des russischen Botschafters sowie die Ausweisung russischer Diplomaten. Meist unter dem Vorwurf, dass sie Mitarbeiter russischer Geheimdienste unter diplomatischer Deckung sind. Ob solche Schritte Teil des Pakets sind, ist bislang allerdings nicht bekannt. Aus Regierungskreisen hiess es zuletzt, bei einem Fall dieser Tragweite sei es mit der Ausweisung von ein oder zwei Diplomaten nicht getan.Das wohl naheliegendste Instrument sind zusätzliche Sanktionen. Die EU verfügt seit 2024 über einen eigenen Sanktionsrahmen gegen destabilisierende russische Aktivitäten. Er erlaubt Kontensperren, Einreiseverbote und Sanktionen gegen Personen oder Organisationen, die mit Sabotage und Angriffen auf kritische Infrastruktur in Verbindung gebracht werden.Parallel dazu arbeitet Brüssel an weiteren Russland-Sanktionen. Als mögliches Ziel gilt Russlands sogenannte Schattenflotte. Zahlreiche Tanker sind bereits mit Hafen- und Dienstleistungsverboten belegt.Deutschland könnte Artikel 4 aktivierenAuch zusätzliche Waffenlieferungen an die Ukraine werden laut den Berichten diskutiert. Um welche Waffen es sich dabei handelt und in welchen Mengen sie geliefert werden sollen, ist nicht bekannt. Der Gedanke dahinter: Die Sprengstoffdrohne wurde in der Nähe ukrainischer Antonow-Frachtmaschinen entdeckt, die auch militärische Güter transportieren. Man könne Russland damit zeigen, dass ein Angriff auf ein Unterstützerland der Ukraine nur stärkere Hilfen für Kiew zur Folge hat, sagen Beobachter.Daneben gibt es Forderungen nach weiteren Massnahmen. Sicherheitsexperten plädieren für Beratungen nach Artikel 4 des Nato-Vertrags. Dieser wurde etwa nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und Spannungen an der Nato-Ostflanke genutzt.Artikel 4 ermöglicht jedem Mitgliedstaat, Beratungen mit seinen Nato-Bündnispartnern zu verlangen, wenn er seine territoriale Unversehrtheit, politische Unabhängigkeit oder Sicherheit bedroht sieht. Anders als Artikel 5 löst er keine Beistandspflicht aus, sondern dient dazu, eine Bedrohung gemeinsam zu bewerten und politische oder militärische Reaktionen abzustimmen.Passend zum Artikel