Markus Krösche ist nicht der Erste, der Fußballprofis für seinen Arbeitgeber auf den letzten Drücker verpflichtet und dabei werthaltige Treffer landet. Oder im Gegenzug unter Zeitdruck zu anderen Klubs abgibt, oftmals gewinnbringend. Aber Frankfurts Sportvorstand ist mit Sicherheit einer, der zusammen mit seinen Mitarbeitern die letzten Stunden einer Transferperiode zu nutzen weiß. Der im Wettlauf mit der Zeit den Überblick bewahren kann, Nervenstärke zeigt und auch Verhandlungsgeschick beweist. Der zum Wohl der Eintracht das Pokern auf verschiedenen Schauplätzen gleichzeitig beherrscht.Zwei Beispiele von bemerkenswerter Güteklasse im Fußball-Big-Business: Anfang September 2023 ging es am Deadline Day kurz vor Mitternacht um Minuten und Sekunden. Schließlich wechselte Stürmerstar Randal Kolo Muani im furiosen Transferfinale doch noch zu Paris Saint-Germain – für geschätzt 95 Millionen Euro. Ein Paukenschlag. Und Ende Januar 2025 war es dann auf der Transferzielgeraden der Torjäger Omar Marmoush, dessen Kommen Manchester City über 70 Millionen Euro wert war. Beides waren die ganz großen Geschäfte für die Eintracht. Krösche hatte unter Höchstspannung auf internationalem Parkett weit beachtete Coups vollzogen.Krösches Personalplanungen werfen Fragen aufDiesmal steht Frankfurts Sportvorstand von vornherein unter besonderer Beobachtung. Denn seine Reputation hat nach Jahren nennenswerter Erfolge nicht unerheblich in den vergangenen Monaten gelitten. Ein wesentlicher Grund war die falsche Entscheidung von Krösche, in der Vorsaison den dann der Aufgabe nicht gewachsenen Albert Riera zum Cheftrainer zu machen.Dessen Nachfolger Adi Hütter konnte wiederum mit der Zusammenstellung des neuen Kaders nicht zufrieden sein; wichtige Verstärkungen ließen in der Saisonvorbereitung womöglich auch entgegen der Absprache der beiden Führungskräfte auf sich warten. Krösches zögerliche Personalplanungen waren schwer nachzuvollziehen, warfen Fragen auf.So nahm die Kritik an ihm in den zurückliegenden Wochen stetig zu, sein einst herausragendes Standing nahm weiteren Schaden. Mittlerweile deutet manches darauf hin, dass die Zusammenarbeit zwischen Klub und Sportvorstand wahrscheinlich nicht mehr von allzu langer Dauer sein wird. Dafür mehren sich die Dissonanzen zu sehr. Es könnte Krösches letzte Transferperiode unter seiner Anleitung in Frankfurt gewesen sein.Ist es die letzte Transferperiode des Sportvorstands in Frankfurt?Am Dienstag um 20 Uhr geht die Wechselfrist in diesem Sommer zu Ende. Handlungsbedarf gibt es zuhauf: Auf der Zugangsseite hat im Transferendspurt die Verpflichtung eines Stürmers höchste Priorität. Der Wunschkandidat ist Arnaud Kalimuendo, ein Altbekannter am Main. Der 24 Jahre alte Franzose bestritt in der Runde 2025/26 die zweite Saisonhälfte für die Eintracht und war im Sommer zu Nottingham Forest zurückgekehrt.Neuzugang Lilian Brassier (rechts) will jetzt Frankfurts Gegner vom Torerfolg abhalten.ReutersHütters Wunschspieler für die Innenverteidigung haben die Frankfurter unterdessen am Montagabend fix gemacht. Wie seit einiger Zeit erwartet, soll der 26 Jahre alte französische Abwehrspieler Lilian Brassier der Mannschaft die dringend nötige Qualität zuführen. Der ehemalige U-19- und U-20-Nationalspieler kommt von Stade Rennes und erhält bei der Eintracht einen bis zum 1. Juli 2031 gültigen Vertrag. „Mit Lilian Brassier konnten wir einen physisch starken und schnellen Verteidiger verpflichten, der Zweikämpfe mit großer Intensität führt und gleichzeitig über eine hohe Dynamik verfügt“, lobt Krösche dessen Fähigkeiten in einer Vereinsmitteilung.Lilian Brassier könnte gegen Augsburg in der Startelf stehenDer 1,86 Meter große Brassier, den sein neuer Trainer auch auf der linken Abwehrseite einsetzen könnte, blickt in Frankreichs höchster Spielklasse (Ligue 1) auf bisher 161 absolvierte Begegnungen zurück, in denen ihm sechs Tore und drei Vorlagen gelangen. Brassiers Anlagen lassen sich die Frankfurter wohl rund neun Millionen Euro Ablöse kosten. Gut möglich, dass ihn Hütter schon im ersten Saisonheimspiel an diesem Sonntag (17.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) gegen Augsburg in die Startelf beordert.Im Frankfurter Aufgebot zu finden sein wird dann wohl nicht mehr Hugo Larsson. Beim 22 Jahre alten Schweden, der sich im Sommer 2023 der Eintracht mit einem Vertrag bis zum 1. Juli 2029 angeschlossen hatte, deutet sich ein vorzeitiger Weggang in die Premier League zum FC Fulham an. Der Mittelfeldspieler soll schon auf dem Weg zum Medizincheck sein. Als Ablösesumme für Larsson ist ein Betrag in Höhe von insgesamt etwa 20 Millionen Euro im Gespräch.Als weitere Verkaufskandidaten galten Farès Chaïbi und Jean-Mattéo Bahoya. Zwei Profis, bei denen sich die Lage offenbar als kompliziert erwies. Der französische Flügelflitzer Bahoya schien mit Hull City schon einen neuen Arbeitgeber auf der Insel gefunden zu haben. Am Dienstag hieß es dann, dass ein Wechsel doch nicht zustande käme. Genaues ließ sich auch bei Chaïbi nicht in Erfahrung bringen.Feststeht augenscheinlich die Zukunft von Ritsu Dōan: Der Japaner bleibt in Frankfurt. Einem Arbeitsplatzwechsel nach Saudi-Arabien zu Al-Ittihad soll der 28-Jährige letztlich nicht zugestimmt haben. Adi Hütter wird dessen Entscheidung freuen, er hält große Stücke auf den Offensivspieler. Al-Ittihad hatte geschätzt bis zu 20 Millionen Euro für Dōan geboten. Auf diese Finanzspritze müssen die Frankfurter jetzt verzichten.An diesem Mittwoch kommt in Frankfurt der Aufsichtsrat zu einer turnusmäßigen Sitzung zusammen. Gegenüber dem Gremium wird Markus Krösche den Ablauf der Transferperiode aus seiner Sicht einordnen. Das ist im Nachgang der Geschehnisse ein normaler Vorgang. Außergewöhnlich könnten aber die Konsequenzen aus der nicht spannungsfreien Zusammenarbeit der zurückliegenden Monate sein. Dann, wenn sich beide Seiten zum Beispiel in absehbarer Zeit im beiderseitigen Einvernehmen ohne Misstöne trennen würden. Aus heutiger Sicht ist das ein denkbares Szenario.