BildstreckeDominic Nahr / NZZDas wichtigste Treffen der Fotojournalismus-Branche trauert um seinen Gründer. Jean-François Leroy verstarb kurz vor der 38. Ausgabe von Visa pour l’Image in Perpignan. Sein Festival trotzt seit Jahren der Krise der Medienbranche.01.09.2026, 13.27 Uhr4 LeseminutenDiese Woche beginnt in Perpignan die Profiwoche von Visa pour l’Image. Das Festival findet ohne seinen langjährigen Direktor statt. Jean-François Leroy, der das Treffen vor fast vier Jahrzehnten ins Leben rief, ist am Montagmorgen im Alter von 69 Jahren an Krebs gestorben. Trotz seiner Krankheit arbeitete er an der 38. Ausgabe mit, wie die Generaldirektorin Delphine Lelu gegenüber der französischen Agentur AFP sagte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Visa pour l’Image ist mehr als eine Reihe von Ausstellungen. Für Fotojournalisten, Bildredaktoren und Agenturen ist Perpignan das jährliche Branchentreffen. Im Palais des Congrès präsentieren Fotojournalisten ihr Portfolio. Der Messebetrieb der Agenturen ist kleiner als früher, weil zahlreiche Bildagenturen eingegangen sind. Aber die Gespräche in Cafés sind umso wichtiger. In der Innenstadt sind zahlreiche Reportagen ausgestellt. Es werden Bilder gezeigt, für die es in vielen Magazinen immer weniger Platz gibt.Der damalige französische Kulturminister Frédéric Mitterrand (Mitte) besucht am 2. September 2011 gemeinsam mit dem Festivaldirektor Jean-François Leroy (r.) und dem Bürgermeister Jean-Marc Pujol das internationale Fotojournalismus-Festival Visa pour l’Image im südfranzösischen Perpignan.Clementz Michel / Abaca / ImagoDie Fotografien hängen seit Jahren in einheitlichen Bilderrahmen. Diese oft kritisierte, uniforme Reihung der Sujets betont ein Prinzip: Der Inhalt soll im Vordergrund stehen, nicht die Inszenierung. Die Ästhetik wirkt jedoch manchmal starr.Arbeiten von über 60 Fotografen werden während sechs Abenden auf Grossleinwand präsentiert. Auch Serien des NZZ-Fotografen Dominic Nahr sind angekündigt, darunter Bilder aus den Nuba-Bergen im Sudan und von Minderheiten in Syrien.Ein schwerverletzter Kämpfer der Sudan People’s Liberation Army - Nord (SPLA-N) wird nach internen Kämpfen zwischen rivalisierenden Gruppen medizinisch versorgt. Kauda, Nuba-Berge, Sudan (12. März 2026).Dominic Nahr / NZZDas Festival selbst wird nun zum Gegenstand des Erinnerns. Die Generaldirektorin Delphine Lelu bezeichnet Leroy gegenüber AFP als die «Seele» von Visa und verspricht, dass Perpignan ein Leuchtturm für Fotojournalisten bleiben werde. Ob die Institution ohne ihren Gründer stark bleibt, muss sich erst zeigen. Klar ist, dass freischaffende Fotojournalisten es immer schwerer haben, allein durch Aufträge von Zeitungen und Zeitschriften ein ausreichendes Einkommen zu erzielen.Finden Sie hier ausgewählte Arbeiten, die während des Festivals präsentiert werden.Laurent BallestaLaurent BallestaBlick in 34 Meter Tiefe im Südpass des polynesischen Atolls Fakarava (Unesco-Biosphärenreservat). Graue Riffhaie nutzen die starke Meeresströmung an den Riffkanten aus, um im Gegenstrom ohne Schwimmbewegung Sauerstoff aufzunehmen. Der Archipel beherbergt eine der weltweit grössten und intaktesten Haipopulationen.Philémon BarbierPhilémon Barbier / Hors Format / Le FigaroKämpfer der syrischen Übergangsregierung paradieren am 9. Januar 2026 auf einem gepanzerten Fahrzeug durch Aleppo. Nach schweren Gefechten gegen die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) übernahm die neue Führung die Kontrolle über das strategisch wichtige und mehrheitlich kurdisch bewohnte Stadtviertel Achrafieh. Der Vorstoss löste eine Fluchtbewegung der Zivilbevölkerung aus.Élise BlanchardÉlise BlanchardEin Junge hütet im März 2026 eine Schafherde im Norden Afghanistans. Mehrere aufeinanderfolgende Dürrejahre haben die Weideflächen der Region kollabieren lassen. Da die verarmte Landbevölkerung die Preise für künstliches Futter nicht mehr aufbringen kann, sehen sich viele Nomaden und Kleinbauern zu existenziellen Notverkäufen gezwungen. Afghanistan leidet unter den Folgen der wirtschaftlichen Isolation unter dem Taliban-Regime.Jérôme GenceJérôme Gence / Le Figaro MagazineDer Japaner Akihiko Kondo verlässt 2018 in Tokio seine symbolische Hochzeitszeremonie mit einer Pelzpuppe der virtuellen Sängerin Hatsune Miku. Die nicht rechtskräftige Verbindung lenkte den Blick der Weltöffentlichkeit auf das Phänomen der «Fiktosexualität» – die romantische Beziehung zu fiktiven Figuren.Tyler HicksTyler Hicks / The New York TimesDas Licht des Sonnenaufgangs zeigt eine der wichtigen Nachschubrouten nahe der ostukrainischen Frontstadt Kostjantiniwka. Zum Schutz vor russischen FPV-Kamikazedrohnen (First-Person-View) haben ukrainische Einheiten weiträumig Abfangnetze über die Fahrbahn gespannt. Trotz diesen improvisierten Barrieren gelingt es den tief fliegenden Sprengdrohnen regelmässig, die Netze zu durchbrechen und militärische wie zivile Fahrzeuge zu zerstören. Am 3. Oktober 2025 tötet eine Drohne den Fotojournalisten Antoni Lallican in Kostjantiniwka.Gerd LudwigGerd LudwigDie krebskranke Veronika C. (5) spielt im Nationalen Zentrum für Strahlenmedizin in Kiew. Ihre Mutter wuchs im strahlenbelasteten Tschernihiw auf. Das Bild entstand 2011, 25 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl, im Rahmen von Gerd Ludwigs Langzeitdokumentation über die gesundheitlichen Langzeitfolgen für nachfolgende Generationen.Jean-Luc Moreau DelerisJean-Luc Moreau Deleris / Le Figaro MagazineFreiwillige Helfer verteilen im März 2026 Hilfsgüter im provisorischen Flüchtlingslager Wat Kandol in der kambodschanischen Provinz Banteay Meanchey. Nach den schweren Grenzkämpfen mit Thailand leben noch immer Tausende vertriebene Kleinbauern in Notunterkünften.Mads NissenMads Nissen / Politiken / PanosDer Fotograf Mads Nissen ist der Spur des Kokains nach Kolumbien gefolgt. Seine Bilder zeigen den Drogenkrieg in Südamerika. Männer arbeiten auf einer Plantage in Pueblo Nuevo. In der Gegend gibt es viele Landminen, die meisten davon sind selbstgebastelt. Damit wollen die bewaffneten Gruppen ihre Felder vor Eindringlingen schützen. Es sind also nicht die Bauern, die die Landminen aufstellen – aber oft sind sie es, die darauftreten. Die Region hat stark unter den Kämpfen zwischen der Armee und den Farc gelitten.38. Ausgabe von Visa pour l’Image – Internationales Festival für Fotojournalismus vom 29. August bis 13. September 2026 in Perpignan, Frankreich.Passend zum Artikel