In Italien wird es in zwei Jahrzehnten mehr kinderlose Paare als Elternpaare geben. Wie das nationale Statistikamt (ISTAT) jetzt mitteilte, werden 2047 im Landesdurchschnitt mehr Paare ohne eigenen Nachwuchs als Eltern mit gemeinsamen Kindern in Italien leben.Nach den Erhebungen von ISTAT wird die Zahl der Elternpaare von derzeit 7,5 Millionen um gut 22 Prozent auf nur noch 5,8 Millionen im Jahre 2050 zurückgehen, während die Zahl der kinderlosen Paare im gleichen Zeitraum von 5,4 Millionen auf 5,9 Millionen steigen wird.Der Trend zum „leeren Kinderzimmer“ wird sich vom Norden aus über das einstige Land der Bambini ausbreiten. In den wohlhabenderen Regionen Norditaliens wird es schon 2038 mehr kinderlose als Elternpaare geben, in Mittelitalien im Jahre 2044 und im Süden schließlich um 2050.Diese Entwicklung ist Teil des seit Jahren anhaltenden allgemeinen Bevölkerungsrückgangs. Nach der Prognose von ISTAT wird die Einwohnerzahl Italiens von derzeit 58,9 Millionen bis 2050 auf 55 Millionen und bis 2080 auf nur noch 45,8 Millionen zurückgehen. Das entspricht einem Nettoverlust von mehr als 13 Millionen Einwohnern in den kommenden 55 Jahren.Trend sei kaum noch aufzuhaltenDieser Trend könne kaum aufgehalten oder gar umgekehrt werden, weder durch sozial- und familienpolitische Maßnahmen noch durch Zuwanderung, warnt das ISTAT. Die Zahl der Geburten pro Jahr wird nach Schätzungen des ISTAT von derzeit etwa 355.000 auf 335.000 im Jahr 2030 und auf 281.000 im Jahr 2080 zurückgehen. Die Zahl der jährlichen Todesfälle wird in einem viel kürzeren Zeitraum viel stärker ansteigen: von gegenwärtig 652.000 auf 708.000 im Jahr 2030 und auf den mutmaßlichen Höchststand von 869.000 im Jahr 2058. Der Nettoverlust dürfte 2059 mit 570.000 Personen in einem einzigen Kalenderjahr einen Spitzenwert erreichen.Auch das Durchschnittsalter der Italiener wird zunehmen: von jetzt 46,9 Jahren auf mehr als 51 Jahre im Jahr 2050 und auf 52,1 Jahre im Jahr 2080. Der Anteil der Menschen, die älter als 65 Jahre sind, wird von jetzt einem knappen Viertel auf mehr als ein Drittel im Jahre 2050 und auf 36,8 Prozent im Jahr 2080 anwachsen. Im gleichen Zeitraum wird sich der Anteil der Senioren über 85 Jahre von jetzt 4,1 Prozent auf 8,4 Prozent mehr als verdoppeln.Statistisch bekommt eine Frau in Italien derzeit 1,14 Kinder. Damit liegt das einst so kinderreiche Land im EU-Vergleich nur noch knapp vor Spanien und Malta, wo relativ noch weniger Kinder zur Welt kommen. In Deutschland lag die Geburtenrate laut Statistischem Bundesamt 2025 bei 1,32 Kindern pro Frau. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte in ihrer ersten Regierungserklärung nach dem Amtsantritt im Oktober 2022 die Förderung junger Familien und eine Trendumkehr bei der Geburtenrate zur prioritären Aufgabe erklärt. Der Abwärtstrend hat sich in den knapp vier Jahren ihrer Amtszeit jedoch ungebremst fortgesetzt.