Ihr Großvater, der verstorbene König Harald V., war auch ihr Patenonkel. Auch der dänische König Frederik X., Kronprinzessin Victoria von Schweden, der spanische König Felipe VI., ihre Tante, Prinzessin Märtha Louise von Norwegen, und ihre Großmutter mütterlicherseits, Marit Tjessem, sind ihre Paten. Das zeigt schon, welchen Stellenwert die erstgeborene Tochter von König Haakon VIII. seit ihrer Geburt in der Königsfamilie hatte: Ingrid Alexandra wird einmal Königin von Norwegen sein – als Monarchin, nicht als Frau oder Witwe eines Königs.Das hat es seit mehr als 600 Jahren nicht mehr gegeben. Und eigentlich hat es das noch nie in Norwegen gegeben, seit Harald Hårfagre um das Jahr 870 erster König Norwegens wurde. Frauen waren bis zum Jahr 1990 nicht erbberechtigt. So saßen zwar Frauen als Regentinnen immer wieder auf dem Thron, zuletzt Margarethe I. von 1380 bis 1412. Aber auch nur in Vertretung für ihren Mann und ihren Sohn, die beide früh starben.Seit ihrem 18. Geburtstag ist sie offiziell dabeiDie 22 Jahre alte Ingrid Alexandra steht an erster Stelle der norwegischen Thronfolge, vor ihrem knapp zwei Jahre jüngeren Bruder, Prinz Sverre Magnus, weil 1990 die Verfassung geändert wurde. Seither haben Männer keinen Vorrang mehr vor Frauen. Und das nicht rückwirkend wie in Schweden, wo die 1977 geborene Kronprinzessin Victoria als Ältere nachträglich im Jahr 1980 vor ihren Bruder Carl Philip auf Platz eins in der Thronfolge aufrückte.Wie schon ihr Vater Haakon, der zwei Jahre jünger ist als seine Schwester Märtha Louise, nimmt Ingrid Alexandra seit ihrem 18. Geburtstag an den Sitzungen des Staatsrats teil, den offiziellen Treffen des Monarchen mit dem Ministerpräsidenten und seinen Ministern. Seither hat sie auch ein eigenes Büro im Königlichen Schloss in Oslo. Zur Vorbereitung ihrer ersten Staatsratssitzung am 21. Januar 2022 hatte sie einen Tag zuvor alle drei Staatsgewalten Norwegens besucht: das Storting, Norwegens Parlament; den obersten Gerichtshof; und den Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre.Sie gewann die Junioren-Meisterschaft im SurfenIngrid Alexandra war nach Harald V. und Königin Sonja das beliebteste Mitglied des Königshauses. Sie gilt als unkompliziert und modern, ist überaus sportlich, fährt Ski und surft, im Oktober 2020 gewann sie sogar die nationale Junioren-Meisterschaft für Frauen am Strand Borestranden in Jæren. Das Wichtigste für sie aber sei es, sich in den nächsten Jahren auf die Bildung zu konzentrieren, heißt es auf der Website des Königshauses.Nach dem Schulabschluss im Jahr 2023 folgte für sie zunächst eine fünfzehnmonatige Zeit beim Militär, die sie bei einem Ingenieurbataillon der Brigade Nord absolvierte. Vor einem Jahr begann sie ein Bachelorstudium in Sozialwissenschaften an der Universität in Sydney. Schon ihr Vater hatte im Ausland studiert, Politikwissenschaften an der Universität von Berkeley in Kalifornien. Auch sie sollte fern der Heimat quasi anonym eine unbeschwerte Zeit verbringen. Doch es gab schnell Kritik, weil das Studium in Australien so teuer war und über die Apanage der Eltern aus Steuergeldern finanziert wurde.Letzte Ehre für den verstorbenen König: Die Familie trägt den Sarg mit König Harald V. vom Roten Salon in die Palastkapelle des Schlosses in Oslo. An der Spitze gehen König Haakon VIII. und Kronprinzessin Ingrid Alexandra, dahinter Prinz Sverre Magnus und Haakons Schwester Märtha Louise, gefolgt von Emma Tallulah Behn (verdeckt) und dahinter Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby sowie vorne Märtha Louises andere Töchter Maud Angelica Behn und Leah Isadora Behn. Im Türrahmen ist noch die Königinwitwe, Königin Sonja, zu erkennen.AFPIhr Studium brach sie dann aber vorzeitig wegen ihrer Mutter ab: Mette-Marits Zustand hatte sich im Frühjahr immer weiter verschlechtert. Die neue Königin war unheilbar an Lungenfibrose erkrankt, im Juli bekam sie eine Lunge transplantiert. Mette-Marit muss sich weiterhin schonen, sie nahm am Wochenende auch nicht am Gedenkgottesdienst der Königsfamilie für Harald V. teil, und sie wird auch künftig viele offizielle Termine nicht wahrnehmen können und absagen müssen. Daher wird Ingrid Alexandra wohl noch öfter an der Seite ihres Vaters zu sehen sein – und auch Bruder Sverre Magnus wird wohl eine größere Rolle für König und Kronprinzessin spielen müssen.Die Kronprinzessin wird ihr Studium im Herbst an der Universität Oslo fortsetzen, ohne Kameras im Hörsaal und ohne permanente Begleitung durch die Medien, wie das Königshaus vorab schon einmal klarstellte. Als Harald V. 1991 den Thron bestieg, war er 53 Jahre alt, nur wenige Monate älter, als sein Sohn es heute ist. Harald allerdings war schon vor 20 Jahren immer wieder über Wochen und Monate so schwer erkrankt, dass sein Sohn Haakon ihn als Regent vertreten musste.Sollte Haakon nun krank werden, wäre Ingrid Alexandra automatisch Regentin und seine offizielle Vertreterin. Damit aber rechnet derzeit niemand, auch wenn sich zwischenzeitlich eine Mehrheit der Norweger wünschte, dass die Tochter gleich den Thron übernehmen sollte. Haakons Frau Mette-Marit ist wegen ihrer unheilvollen Verbindung zum amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein überaus unbeliebt. Insofern gilt die Kronprinzessin als Hoffnungsträgerin, um viele ihrer Landsleute mit der Monarchie, die nur noch rund 60 Prozent positiv sehen, wieder auszusöhnen.
Norwegens Königsfamilie: Warum Ingrid Alexandra als Hoffnungsträgerin gilt
Wie ihr Vater König Haakon VIII. übernahm Ingrid Alexandra schon früh offizielle Aufgaben fürs Königshaus. Die Kronprinzessin soll einmal Monarchin werden – als erste Frau überhaupt in Norwegens Geschichte.










