Als die Hessische Landesregierung kurz vor den Osterferien verkündete, das vielversprechende Pilotfach „Digitale Welt“ in die Nachmittagsbetreuung zu verlagern und damit zur bloßen Arbeitsgemeinschaft zu schrumpfen, war der Aufschrei groß. Wird da ein hochinteressanter Unterrichtsversuch, der die Medienkompetenz der Schüler stärken sollte, aus Kostengründen eingestampft? Was für ein fatales Signal.Nun geht es doch in die entgegengesetzte und damit richtige Richtung. Die Medienbildung an Hessens Schulen wird nicht abgeschafft, sondern ausgebaut. Ein „Medienführerschein“ soll Viertklässler auf die Risiken der sozialen Medien vorbereiten, bevor sie das erste Smartphone erhalten. Und um die digitalen Kompetenzen der Schüler zu stärken, wird „KI und Digitale Welt“ zum nächsten Schuljahr als verpflichtendes Schulfach in den Jahrgangsstufen fünf und sechs ausgerollt und um die Aspekte der Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherbildung erweitert. Das ist ein Versprechen, dass Hessen seine Schüler für die Zukunft fit machen will.Das Hin und Her bei der digitalen Bildung mögen Spötter als Eiertanz verhöhnen. Schwamm drüber: Hauptsache, das Schulfach kommt. Und es ehrt eine Landesregierung, wenn sie im Lichte anderer finanzieller Rahmenbedingungen die Lage neu bewertet und auch bereit ist, Fehlentscheidungen zu korrigieren.Mehr Deutschunterricht soll die Bildungschancen verbessernAber die digitale Bildung ist nicht der einzige Punkt in einem beeindruckenden Paket. Für Erstklässler wird es eine zusätzliche und damit siebte Deutschstunde im Stundenplan geben. Das ist ebenfalls richtig, denn Bildungsforscher sind sich einig, dass Versäumnisse beim Spracherwerb später kaum noch korrigiert werden können. In den ersten Grundschuljahren müssen die Grundlagen gelegt werden. Eine sichere Beherrschung der deutschen Sprache ist die Voraussetzung für eine gelingende Bildungsbiographie in diesem Land, und zwar in allen Fächern. Insofern passt auch der Name: Das Paket soll die Bildungschancen aller Schüler in Hessen verbessern.Hinzu kommt: Die Matheförderung in der Grundschule wird ausgebaut. Brennpunktschulen erhalten wieder zusätzliche Stellen, wohl eine Antwort auf die lauten Bildungsproteste. Mit den im Bildungschancenpaket gebündelten Maßnahmen tritt der Kultusminister, der zuletzt wegen umstrittener Sparmaßnahmen in die Defensive geraten war, die Flucht nach vorne an. Selbst die notorisch kritischen Lehrergewerkschaften können das anerkennen. Nur die Grünen unkten schon eine Woche vor der Veröffentlichung, das Paket sei eine „Luftnummer“, ohne den Inhalt zu kennen. Das spricht für sich.
Bildungschancenpaket Hessen: Die Richtung stimmt
Zuletzt war das Hessische Kultusministerium wegen umstrittener Sparmaßnahmen in die Defensive geraten. Mit dem Bildungschancenpaket ändert sich das.









