Hessen will die Deutsch- und Mathematikkenntnisse der Grundschüler verbessern und investiert in ein umfangreiches „Bildungschancenpaket“ 50 Millionen Euro zusätzlich. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen damit 680 Lehrerstellen dauerhaft finanziert werden. Das haben Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), Wirtschaftsminister Kaweeh Mansoori (SPD) und Kultusminister Armin Schwarz (CDU) am Montag in Wiesbaden angekündigt.„Hessen kürzt nicht bei der Bildung. Im Gegenteil“, sagte Rhein und verwies auf das Aufstiegsversprechen durch Bildung. Das Bildungschancenpaket stehe unter dem Dreiklang „erfolgreich lernen, unsere Welt verstehen, alle Kinder mitnehmen“, sagte Schwarz.Um die Grundlagen zu stärken, soll es in der ersten Klasse eine zusätzliche Deutschstunde geben. Damit kommt Hessen auf sieben Stunden Deutsch in der Woche. In den Klassenstufen drei und vier wird eine zusätzliche Lesezeit nach dem Vorbild des sogenannten Lesebandes etabliert. Das bedeutet, dass Schüler in einem Tandem aus einem starken Schüler (Trainer) und einem schwächeren Schüler (Sportler) gemeinsam laut lesen. Ein Pilotprojekt an hundert Startchancenschulen in Hessen beginnt von der zweiten Jahrgangsstufe im zweiten Schulhalbjahr 2026/27 an, von 2028/29 an sollen alle Grundschulen eingebunden sein.Digitale Tools zum SelbstlernenSchrittweise will Hessen außerdem ein digitales Deutsch-Lernsystem mit maßgeschneiderten Aufgaben aufbauen, das im Schuljahr 2027/28 beginnen soll. Es ist zur individuellen Deutsch-Förderung in der Sekundarstufe gedacht.Da Hessen beim Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) Berlin zu den Ländern mit den schwächsten Mathematikergebnissen bei Neuntklässlern zählte, versucht das Land die Grundlagen auch in diesem Fach zusätzlich zu fördern. Kinder ohne die notwendigen Grundlagen für einen Einstieg in den Mathematikunterricht in der ersten und zweiten Klasse sollen in Kleingruppen eine zusätzliche Förderstunde bekommen. In den Jahrgangsstufen eins, zwei und fünf ist überdies ein Vertiefungstraining für grundlegende Basiskompetenzen in den Grundrechenarten geplant (dreimal 15 Minuten in der Woche).In den Jahrgangsstufen fünf und sechs soll es darüber hinaus ein ergänzendes Angebot für Schüler geben, deren Basiskompetenzen gestärkt werden müssen. Die digitale Plattform „bettermarks“ soll mit einer Landeslizenz von nun an allen Schulen von Klasse drei bis 13 zugänglich gemacht werden. Das System kann beim Üben neuer Unterrichtsinhalte helfen, bietet aber auch Übung und Vertiefung über Hausaufgaben an. Schüler erhalten unmittelbare Rückmeldungen und können in ihrem eigenen Tempo arbeiten. In Fortbildungen sollen Mathematiklehrer künftig ihre Lehrkompetenz stärken können.Das Leistungsprinzip nicht aus den Augen verlierenVor allem Schulen in Brennpunktgebieten sollen künftig mehr Lehrer zugewiesen bekommen. In zwei Schritten in den Schuljahren 2027/28 und 2028/29 sollen jeweils hundert Stellen zusätzlich für diese Schulen ermöglicht werden. Damit würde sich die Zahl der Stellen, die gezielt nach Sozialindex verteilt werden, auf 550 erhöhen.Um den Umgang mit dem Internet zu stärken, will das Land vom Schuljahr 2027/28 an einen Medienführerschein für die vierte Klasse und Medienbildungen in den Klassen fünf und sechs als verpflichtendes Schulfach einführen. Darauf aufbauend wird das Pflichtangebot „KI und digitale Welt“ für die Jahrgangsstufen sieben und zehn mit einem Fokus auf Informatik erweitert.Um nicht nur die untere Leistungsgruppe zu stärken, will das Land den Talente-Campus auf alle 15 Schulamtsbezirke in allen Begabungsbereichen ausrollen. Die besten Absolventen der Bildungsgänge Hauptschule, Realschule und Gymnasium sollen künftig jährlich für ihre Leistungen geehrt werden, bei denen auch ehrenamtliches Engagement berücksichtigt wird. Um den Wettbewerbsgedanken im Sport zu stärken, soll der Landesfinaltag um einen Tag mit Outdoor-Sport erweitert werden.
„KI und digitale Welt“ wird in Hessen zum Pflichtfach
Hessen stockt seinen Bildungsetat mit einem „Bildungschancenpaket“ auf. Zusätzliche Lehrer und Förderstunden sollen helfen – vor allem an Brennpunktschulen.








