Hessens Schüler sollen künftig besser persönlich gefördert werden und in der Grundschule mehr lesen. Das hat Kultusminister Armin Schwarz (CDU) am Freitag angekündigt, als er Zahlen und Fakten für das am Montag beginnende Schuljahr 2026/2027 präsentierte. Insgesamt 67.000 Lehrer werden 809.000 Schüler unterrichten, von denen 58.400 eingeschult werden. Dafür gibt die Landesregierung die Rekordsumme von 6,2 Milliarden Euro aus. Im neuen Schuljahr gilt für Erstklässler erstmals der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Schwarz erwartet, dass jedem Schulanfänger ein Ganztagsplatz zur Verfügung gestellt werden kann, sofern seine Eltern das möchten.Schwarz kündigte die Einführung eines Pilotprojektes an, das neue pädagogische Methoden auf ihre Alltagstauglichkeit testen soll. Dazu sollen 60 Schulen von diesem Schuljahr an öfter Daten zu schulischen Leistungen erheben. Die gewonnenen Informationen sollen Lehrern ermöglichen, ihren Unterricht individuell auf die Ansprüche der Schüler auszurichten. Die teilnehmenden Schulen sollen in der dritten, vierten, fünften, achten und neunten Klasse einmal im Jahr überprüfen, wie gut ihre Schüler im Fach Mathematik sind. Bisher war das nur in der dritten und achten Klasse der Fall. Im vergangenen Schuljahr hätten 30 Schulen dieses Vorgehen getestet, und die Resonanz sei gut gewesen, so der Minister.Für die Auswertung und den weiteren Unterricht erhalten die Pilotschulen digitale Förder- und Diagnosehilfsmittel wie das Lernsystem „Mathe sicher können – Online-Check“. Zudem kündigte Schwarz an, den Einsatz des Onlinelernsystems Bettermarks im Matheunterricht auszuweiten.Jeden Tag 20 bis 25 Minuten lesenGrundschüler der dritten und vierten Klasse sollen vom zweiten Schulhalbjahr an jeden Tag zu einer festen Zeit 20 bis 25 Minuten lesen. Die Erprobung beginnt in 100 Grundschulen, die selbst festlegen dürfen, wann die Lesezeit in den Schulalltag integriert wird. Es soll dabei nicht nur im Deutschunterricht gelesen werden, und die Lehrer erhalten besondere Bücher für das Projekt. Ziel ist, die Lesefertigkeit und -motivation der Kinder zu verbessern.Nach Einschätzung von Schwarz sind Hessens Schulen auf den Ganztag in der ersten Klasse gut vorbereitet. Seiner Auskunft nach arbeiten 96 Prozent aller Schulen im Ganztagsprogramm des Landes, und 97 Prozent aller Grundschulen gehören einem der Ganztagsprofile an. Das Land stellt für die Ganztagsangebote 5750 Lehrkräfte zur Verfügung, was laut Schwarz einem Finanzvolumen von rund 300 Millionen Euro entspricht.Der Minister kündigte zudem an, dass das bereits erprobte Pilotprojekt „Digitale Welt“ von diesem Schuljahr an für alle Schulen als Angebot zugänglich gemacht und in den Ganztag überführt wird. In Zusammenarbeit mit der Frankfurter Universität sei eine Unterrichtsplattform entwickelt worden, die die Schulen bei dem Projekt unterstütze.Suche nach neuen Lehrern läuft „auf Hochtouren“„Wir kümmern uns um Ihre Kinder“, versprach der Kultusminister und verwies auf die 67.000 Lehrer, die an Hessens Schulen unterrichten. Die Landesregierung habe die Bildungsinvestitionen um 370 Millionen Euro auf die erwähnten 6,2 Milliarden Euro erhöht. Zudem laufe die Personalgewinnung „auf Hochtouren“. Laut Schwarz beginnen 1200 neu ausgebildete Lehrer jetzt den Schuldienst, und 3850 befinden sich derzeit im Referendariat. Durch die Einstellung von Pensionären, Verlängerung der Dienstzeit und eine Aufstockung der Teilzeit sei es gelungen, weitere 820 Stellen zu besetzen. Es gibt aber auch rund 6000 Schüler mehr als im Vorjahr. Da weniger Flüchtlingskinder in Intensivklassen zur Deutschförderung unterrichtet würden, könnten Lehrer in anderen Klassen eingesetzt werden, führte Schwarz auf Nachfrage aus.40.950 Lehrerstellen sind in Hessen für den regulären Unterricht vorgesehen, und 15.750 Stellen sind für Förderprojekte eingeplant. Davon unter anderem 3400 Stellen für die Deutschförderung, 3050 Lehrer sollen pädagogische Unterstützung leisten und weitere 1140 die sozialpädagogische Begleitung ermöglichen. Weitere 350 Stellen werden nach einem Sozialindex eingesetzt.Kritik äußerte die Opposition. Moritz Promny, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, monierte die Entscheidung, das Projekt „Digitale Welt“ aus dem regulären Unterricht in den Ganztag zu verschieben. „Digitale Kompetenzen sind keine freiwillige Zusatzqualifikation, sondern gehören für alle Schüler verbindlich in den Stundenplan“, sagte Promny. Die Liberalen fordern ein Unterrichtsfach, das digitale Fähigkeiten wie Medienkompetenz, Künstliche Intelligenz (KI) und Informatikgrundlagen vermittelt.Diese Forderung erhebt auch die AfD, die sich für einen verpflichtenden Informatikunterricht von Klasse 5 an ausspricht. Als Lehrer und Quereinsteiger könnten IT-Fachkräfte eingesetzt werden, die durch die KI arbeitslos geworden seien, schlägt der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Heiko Scholz, vor.„Einfach nur enttäuschend“ sind die Ankündigungen des Kultusministers aus Sicht von Daniel May, bildungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Er stört sich unter anderem daran, dass das angekündigte Bildungspaket noch auf sich warten lasse und es offenbar auch noch keinen Plan gebe, wie man die Chancen des Digitalpakts 2.0 nutzen wolle.
Neues Schuljahr in Hessen: Mehr Mathearbeiten, feste Lesezeit und ein Rekordetat für die Schulen
Hessen will Kinder vom neuen Schuljahr an noch individueller fördern und ihre Lesekompetenz stärken. Auch für besseren Mathematikunterricht gibt es einen Plan. Die Opposition vermisst die digitale Bildung.










