Ein Täter gefasst, sein Motiv weiterhin unklar – und das «Sicherheitsgefühl leidet», wie der Stadtpräsident von Aarau sagtAm zweiten Tag nach der Schiesserei auf dem Schachen-Areal gibt es weiterhin keine definitive Gewissheit. Die Stadt prüft, wie sich Anlässe der kommenden Tage besser schützen lassen.31.08.2026, 17.12 Uhr4 LeseminutenDie Pferderennbahn in Aarau war auch am Montag abgesperrt.Michael Buholzer / EPAFast einen Tag lang war der 43-jährige Mann auf der Flucht. Die Polizei geht davon aus, dass er sich in der Nacht auf Sonntag südlich der Pferderennbahn im Aarauer Schachenquartier aufstellte, wo vor wenigen Minuten der «Aarauer Rave» geendet hatte, ein Festival mit elektronischer Musik. Der Mann tötete eine 22-jährige Frau, dabei verwendete er mutmasslich zwei Waffen. Fünf weitere Personen wurden verletzt. Danach flüchtete der Täter.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Er war bis 2012 der Kommandant der Aargauer Kantonspolizei und arbeitet heute als Anwalt in Zürich. Gewisse Ermittlungsansätze bräuchten schlicht mehr Zeit, sagt er: Kameras müssen ausgewertet und Zeugen befragt werden. Auch nach mehreren Tagen können solche Auswertungen noch relevante Informationen liefern – etwa Aufnahmen von Verkehrskameras auf Strassen in der Nähe des Tatorts um den Zeitpunkt der Tat.Reinhardt sagt: «Es braucht minutiöse Tatortarbeit.» Im Schachen fand die Polizei laut Medienberichten Hülsen zweier Kaliber, das grössere Kaliber soll etwa beim sowjetischen Sturmgewehr AK-74 und dessen Nachbauten zum Einsatz kommen. Auch DNA-Spuren sind sichergestellt worden. Daraus lassen sich mitunter weitere Schlüsse ziehen.Wenig Kommunikation, viel SpekulationUnter den internationalen Medienleuten, die am Montag im Aarauer Schachenquartier eingetroffen sind, breitet sich dennoch Unverständnis aus über die sparsame Kommunikation der Kantonspolizei zum Fahndungserfolg. Aus Italien sind mehrere Journalisten angereist, die zu dem Todesopfer recherchieren, das aus Italien stammt, und zu den Hintergründen der Tat.Der italienische Sender Sky etwa macht am Montag eine Schaltung vor dem Stadion der Pferderennbahn, dessen Eingang noch immer von Polizisten bewacht wurde. Ab und zu lassen sie Polizeiwagen passieren oder einen Lastwagen des kantonalen Katastrophen-Einsatzelements des Kantons Aargau. Die Liste involvierter Behörden, Stellen, Organisationen ist lang. Auch das Fedpol, das Bundesamt für Polizei, ist im Einsatz. Es hat zwei sogenannte Verbindungsoffiziere nach Aarau geschickt, wo sie die «Koordination zwischen den beteiligten Behörden» sicherstellen sollen, wie es auf Anfrage heisst. Längst wirken auch die internationalen Polizeien mit, was bei geflüchteten Tätern in der Schweiz courant normal ist.Dass die Polizei am Montag zwar per Medienmitteilung einen Fahndungserfolg vermeldet, aber weitergehende Fragen unbeantwortet lässt, erklärt sich ein Insider der polizeilichen Kommunikation so: Der Beschuldigte bekomme nun einen Anwalt, er werde einvernommen und toxikologisch untersucht. Wahrscheinlich würden die Behörden abwarten, bis die Staatsanwaltschaft einen Haftantrag gestellt habe. Wer nachfragt, stösst vielerorts auf Schweigen. Neben der Kantonspolizei verzichtet auch die nationale Polizeikommandantenkonferenz am Montag darauf, Fragen zu beantworten.Je weniger Informationen vorliegen, desto eher spekulieren die Medien. Der «Blick» etwa titelt: «Was die Waffe über den Täter verraten könnte». Im Artikel werden Verbindungen zur italienischen Mafia hergestellt. Der italienische «Corriere della Sera» schreibt zeitweise, es seien zwei Täter beteiligt gewesen. Gerüchte und Theorien bleiben Stadtgespräch in Aarau.Mit der Schiesserei befasst sich am Montagnachmittag auch der Aarauer Stadtrat in seiner Sitzung. Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP) sagt, eine derartige Schiesserei an einer Party habe es in Aarau noch nie gegeben. Er selbst war in der Sonntagnacht durch die Schusssalven geweckt worden und vermutete dahinter ein Feuerwerk. «Das Sicherheitsgefühl leidet», sagt er. «Wir müssen überlegen, wie wir kommende Events schützen können.»Zumal im Aargau aktuell Festsaison ist, wie immer im Spätsommer. Am kommenden Samstag soll in Aarau die Pride stattfinden, am Sonntag auf der Pferderennbahn im Schachenquartier, wo die Schüsse fielen, ein Renntag des «Aarauturf». Stadtpräsident Hilfiker will prüfen, wie sich die Sicherheitsdispositive ausbauen lassen.Bereits in den vergangenen Jahren sei die Polizeipräsenz in seiner Stadt aber stark erhöht worden, bei Grossevents würden Zufahrtswege systematisch gesperrt, um Anschläge per Auto zu verhindern. Die Möglichkeiten seien beschränkt. «Im offenen Gelände ist hundertprozentige Sicherheit kaum möglich», sagt Hilfiker.Ein starker Fokus liege auf der Pride vom Samstag, sagt Stadtpräsident Hilfiker. Der Anlass ist nicht erst seit den tragischen Ereignissen vom Sonntag exponiert, sondern schon seit dem Anschlag auf den Christopher-Street-Day in Berlin, wie der Verein Pride Aargau schreibt. Sicherheit sei ein «zentrales Thema», Anpassungen am Sicherheitskonzept würden aus taktischen Gründen nicht bekanntgegeben. Der Event soll aber wie geplant stattfinden: «nicht aus Trotz, sondern aus Liebe».Damit die Ruhe in Aarau zurückkehre, sei Gewissheit wichtig, sagt der Stadtpräsident am Montagvormittag. «Ein schneller Fahndungserfolg würde das Sicherheitsempfinden verbessern.» Als die Polizei am Mittag mitteilt, einen Tatverdächtigen festgenommen zu haben, bleibt nicht nur dessen Motiv weiterhin offen, sondern auch der Raum für Spekulationen.Passend zum Artikel
Ein Täter gefasst, sein Motiv weiterhin unklar - in Aarau leidet Sicherheitsgefühl
Am zweiten Tag nach der Schiesserei auf dem Schachen-Areal gibt es weiterhin keine definitive Gewissheit. Die Stadt prüft, wie sich Anlässe der kommenden Tage besser schützen lassen.













