Es ist eine ungewöhnliche Aktion für einen Pfarrer. Andreas Domke, evangelischer Pfarrer im oberhavelländischen Zehdenick, hat für September zu einem „Predigtstreik“ aufgerufen. Vier Sonntage lang wird es in seiner Stadtkirche keine Predigt von ihm geben.

„Auslöser für meine Aktion ist die zunehmende Militarisierung der Sprache und des Denkens“, sagt der 58-Jährige. Immer stärker prägten Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit, Feindschaft, Gewalt und Abschreckung die Debatten. Er nennt seine Aktion einen Weckruf, eine konstruktive Provokation.

Eigentlich, so erklärt er, gehe es bei seinem Aufruf nicht um einen Streik, sondern um ein „Schweigen für den Frieden“. Mit dem Wort „Predigtstreik“ wolle er Schwung in die Aktion bringen, Aufmerksamkeit erzeugen.

Domke will die Menschen seiner Gemeinde dazu bringen, über die Friedensbotschaft in der Bibel nachzudenken. „Dort heißt es: ‚Du sollst deine Feinde lieben‘, und dazu muss sich jeder irgendwie verhalten. Jeder muss sich die Frage stellen: Kann ich das, schaffe ich das?“, sagt der Pfarrer.

Für Domke ist sein Schweigen an den vier Sonntagen in der Kirche ein zutiefst demokratischer Akt. Damit gebe er den Menschen seiner Gemeinde den Raum, zu reden – auch über ihre Ängste.