In Sachsen-Anhalt wird in wenigen Tagen gewählt, die Wahlkampfmaschinerie läuft auf höchster Stufe, und bekanntlich geht es dabei nicht zimperlich zu. Im Interview plädiert der Magdeburger Domprediger Jörg Uhle-Wettler, Pfarrer in neunter Generation und seit zehn Jahren in der ältesten gotischen Kathedrale Deutschlands aktiv, für ein wenig verbale Abrüstung - aus guten Gründen.
Herr Uhle-Wettler, welche politische Stimmung nehmen Sie derzeit in ihrer Stadt, in ihrem Bundesland wahr?
Die Stimmung ist sehr aufgeheizt und so eine Mischung aus Angst, Panikmache und Ruhe vor dem Sturm. Es wird gar nicht mehr gehört, was jemand sagt, sondern wer etwas sagt. Und was mich aus theologischer Sicht am meisten ärgert, ist, dass überall mit Angst gearbeitet wird - im Prinzip auch schon seit Jahren. Wir haben im Magdeburger Dom eine Tetzel-Truhe stehen: Die steht für die Angst, die man den Leuten vor dem Fegefeuer machte. Ich empfinde es als unerträglich, dass nur noch Ängste geschürt werden. Ich habe etwas von Daniele Ganser, dem Schweizer Friedensforscher, gelernt: Er sagt, man muss nicht jede Angst mitmachen. Außerdem hat die Angst einen Bruder: den Mut. In diesen Tagen ist das M umgekippt in ein W.











