Seit Tagen verdichten sich die Anzeichen, dass die Bundesregierung Russland offiziell für den mutmaßlichen Sprengstoff-Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich machen wird. Die Drohne sollte Ermittlungen zufolge ein ukrainisches Frachtflugzeug vom Typ Antonow An-124 treffen, das auch für Rüstungstransporte genutzt wird.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die Erwartungen selbst geschürt. Bei der Kabinettsklausur in Neuhardenberg drohte er den Urhebern hybrider Angriffe unmissverständlich. Die Bundesregierung erlege ihnen „einen Preis“ auf, sie würden „dafür bezahlen“. Im ARD-Sommerinterview blieb er zwar vage, was die Urheberschaft der Leipziger Drohne angeht, kündigte aber an: „Es wird nicht mehr lange dauern“ und es werde eine Reaktion aus Deutschland geben, abgestimmt mit europäischen und Nato-Partnern.

Was Deutschland konkret plant

Die mögliche Ankündigung fügt sich in ein ohnehin konfrontatives Klima zwischen Europa und Russland ein. Erst kürzlich hatte die Bundesregierung angekündigt, dem BND neue Befugnisse zu verschaffen, die eine offensivere Ausrichtung gegen russische Ziele erlauben sollen. Auch die Taurus-Frage wird in Berlin-Mitte wieder häufiger diskutiert. Gleichzeitig kursieren hierzulande und in anderen europäischen Hauptstädten immer wieder Warnungen vor Sabotageakten, Cyberangriffen und hybriden Bedrohungsszenarien, denen sich die Nato zunehmend konkret zu stellen versucht – mit verstärkten Truppenverlegungen an die Ostflanke und Planspielen für den Ernstfall.