Der andere BlickMerz’ leere Drohungen gegen die Angreifer von Leipzig: Wer Erwartungen weckt, muss sie auch erfüllenEs ist zweifellos richtig, dass der Kanzler sich zum Drohnenangriff am Leipziger Flughafen äussert. Doch er hat sich Zugzwang gesetzt und gefährdet damit Deutschlands Glaubwürdigkeit.26.08.2026, 17.16 Uhr3 LeseminutenDer deutsche Kanzler Friedrich Merz am Mittwoch an der Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg.dts Nachrichtenagentur / ImagoSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Abend», heute von Anna Schiller, Redaktorin der NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der deutsche Kanzler Friedrich Merz reagierte auf die Drohnenvorfälle am Leipziger Flughafen mit Worten, die Entschlossenheit signalisieren sollten. «Die Bundesregierung erlegt Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auf – sie werden dafür bezahlen», sagte er am Rande der Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg. Das klang tatkräftig und resolut.Das Problem ist, dass dieser Tatkraft auch Taten folgen müssen. Merz setzte sich unter Zugzwang. Es ist das übliche Muster: Der Kanzler tritt breitbeinig auf, handelt dann aber nicht entsprechend. So könnte es auch dieses Mal sein.Attacken haben neue Qualität erreichtZweifellos war es richtig, sich zur Sache zu äussern. In Merz’ dreiwöchiger Sommerpause haben die hybriden Nadelstiche gegen Deutschland eine neue Qualität erreicht. Alles deutet auf Russland hin. Der Plan hinter den Drohnen in Leipzig war wohl noch umfassender als zunächst angenommen.In dieser Woche wurde bekannt, dass offenbar noch eine dritte Drohne im Spiel war. Ausserdem haben Behörden ein Waffendepot in einem Wald bei Berlin entdeckt, bei dem die Spur nach Russland führen soll. All das kann ein Kanzler nicht unkommentiert lassen.Dennoch wäre etwas mehr Zurückhaltung angebracht gewesen. Denn Merz hat nur wenige Optionen, um Russland wirklich «bezahlen» zu lassen. Die deutsche Regierung kann sich zwar für die härtesten EU-Sanktionen gegen Russland seit Beginn des Krieges einsetzen, wie die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas vorschlug. Sie könnte sich auch für ein entschiedeneres Vorgehen gegen die russische Schattenflotte starkmachen.Merz hat nur schlechte OptionenBloss werden diese Massnahmen den Preis für den Krieg nicht signifikant in die Höhe treiben, zumal Russland weiterhin gute wirtschaftliche Beziehungen zu Indien und China pflegt. Merz bleibt nur wenig Spielraum.So entsteht ein Missverhältnis zwischen martialischer Rhetorik und konkreten Handlungsoptionen. Putin wird zudem genau beobachten, was Kanzler Merz unter «bezahlen» versteht. Sollte bei ihm der Eindruck entstehen, dass Merz’ Drohung und seine anschliessende Vergeltung auseinanderklaffen, wäre das verhängnisvoll. Es schadete Deutschlands Glaubwürdigkeit.Nun ist Merz für diese vertrackte Lage nicht allein verantwortlich. Dass eine angemessene Reaktion schwierig ist, liegt in der Natur des hybriden Konflikts. Angriffe in der Grauzone bieten dem Angegriffenen nur schlechte Optionen: Antwortet er zu zaghaft, wirkt er schwach; antwortet er mit konventionellen Mitteln, eskaliert der Konflikt.Den Preis für hybride Angriffe hochtreibenEs gibt dafür jedoch auch hausgemachte Gründe. Bis jetzt kann Russland leicht chaotische Zustände auslösen: Es reichen schon ein paar Drohnen mit angeklebtem Sprengstoff oder eine Aufwandsentschädigung für Wegwerfagenten. Hier müsste Merz ansetzen. Er müsste dafür sorgen, dass das Land weniger verwundbar ist, die Drohnenabwehr stärken und die Nachrichtendienstreform zügig voranbringen.Ähnliches gilt für die Bundeswehr. Merz stehen zwar durch die Lockerung der Schuldenbremse für den Wehretat theoretisch unbegrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung. Doch Deutschland hat massiven Aufholbedarf in Bereichen, die im Falle eines offenen Konflikts mit Russland entscheidend wären, etwa bei den Langstreckenwaffen, der Kommunikation und dem Lufttransport. Es wird Jahre brauchen, um diese Lücken zu schliessen und eine glaubhafte Abschreckung zu erreichen.Erst wenn all diese Dinge erledigt sind, steigt der Preis für hybride Angriffe tatsächlich. Wer so wenig Eskalationsdominanz hat, sollte sich deshalb rhetorisch zurückhalten.Merz’ Vorpreschen bei innenpolitischen Themen mag ärgerlich sein – wenn es um Deutschlands Sicherheit geht, ist es geradezu fahrlässig. Wer keinen Knüppel in der Hand hält, sollte keine grossen Töne spucken. Er sollte sich zurücknehmen und sich schnellstens einen besorgen.2 KommentareWinfried Bortscheller vor 12 MinutenMit was will er denn die Drohnen vom Himmel holen. Mit heißer Luft kann's ja nicht sein sonst wäre seine Kanzlerschaft ja megaerfolgreich bei der Drohnenabwehr.Michael Warkus vor 17 Minuten4 Empfehlungen"Wer keinen Knüppel in der Hand hält, sollte keine grossen Töne spucken"