Es ist eine eigentümliche Prozession, die in der Nachmittagssonne durch Berlin-Charlottenburg zieht. Füchse gehen mit Fröschen Hand in Hand. Auch Pferde und Mäuse laufen mit und ein Chor in schwarzen Roben singt »Per te d‘immenso giubilo« aus Donizettis Lucia di Lammermoor. Etwa 600 Menschen sind es; sie ziehen Blicke, Handykameras und die entgeisterte Frage eines Jungen im Kinderwagen auf sich: »Was ist denn das?«

»Das« ist die Oper. Sie ist entwischt. »The opera has escaped.«

Unter diesem Motto steht die Kostümparade der Deutschen Oper – eine von vielen Aktionen, mit der sich das Opernhaus am Eröffnungswochenende der neuen Saison interessant machen und möglichst viel Publikum anlocken möchte: treues altes, noch viel lieber aber natürlich neues.