Der Sommer in Berlin neigt sich dem Ende zu. Dafür drehte die Kultur auf, etwa beim Tanz im August, der Deutschen Oper und der Langen Nacht der Museen.
Zur Saisoneröffnung lud die Deutsche Oper zur kostümierten Prozession durch Charlottenburg
Nancy Jesse
A n einem Freitagvormittag schleicht sich beim Blick in den Kalender das Gefühl ein, der Sommer sei wieder einmal zu schnell vorbeigerauscht. Also noch einmal hinaus, dem flüchtigen Rest Wärme hinterher. Doch über dem Prinzenbad liegt Grau wie ein schweres Tuch, und aus dem kalten Wasser ragen nur vereinzelt kraulende Arme.
Am Abend dagegen gerät alles in Bewegung. Arme wirbeln wie Propeller durch die Luft, Schultern schnellen hoch, Luftgitarren werden gespielt, Oberschenkel klatschen im Takt. Im Rahmen von Tanz im August führt die Kompanie En–Knap das von der Bauhaus-Ästhetik inspirierte Stück „Masterwork For Six Dancers“ auf. Mal drehen sich die Tänzer:innen wie Kreisel um die eigene Achse, mal hüpfen sie in schwarzen, sackartigen Ganzkörperkostümen über die Bühne oder trippeln als Dreiecke durch Nebelschwaden. Bunt, akrobatisch und voller Energie ist diese Veranstaltung, die mit meiner Fahrradfahrt in den lauen Abend endet.Am Samstag ziehen Kröten, Ratten und Fledermäuse mit einem Chor, der Stücke aus der Oper „Lucia di Lammermoor“ singt, durch Charlottenburg. Auch ich bin Teil dieser Prozession: Ich trage den beigefarbenen Anzug einer namenlosen Figur aus „L’italiana in Algeri“. Mit dem zugehörigen rot-weiß gestreiften Hut bleibe ich zuverlässig an allem hängen, was niedriger ist als eine Opernbühne. Höhepunkt der Parade ist ein Trompetenkonzert unter freiem Himmel. Eine Kröte und ein Kardinal tanzen dazu Walzer, während ein kleines Mädchen ihren als Pferd verkleideten Vater am Zügel umherführt. Wenn Tiere und Fabelwesen Oper und Trompete lauschen, kann das Theater nicht weit sein. Und genau dorthin zieht die Schar nun zurück.











