Heftige Regenfälle haben am Samstag im Nationalpark im amerikanischen Gliedstaat Arizona eine Sturzflut ausgelöst. Die Wassermassen zerstörten mehrere Fussgängerbrücken und schnitten einige Gebiete von der Aussenwelt ab.31.08.2026, 10.48 Uhr4 LeseminutenAktualisiertDer Bright Angel Creek in der Nähe der Phantom Ranger Station im Grand Canyon nach der Sturzflut infolge von Unwettern am Samstag.Parth Desai / APParth Desai wanderte am Samstag mit Kollegen und einem Parkranger durch den Grand Canyon Nationalpark im amerikanischen Gliedstaat Arizona. Am Nachmittag waren sie in einer engen Passage im Bright Angel Canyon, als plötzlich heftiger Regen einsetzte. «Wir sahen, wie der Fluss über die Ufer trat, Wasserfälle aus dem Nichts entstanden und überall Felsbrocken, Schlamm und Erdrutsche waren», sagte Desai der «Associated Press».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Etwas später war die Gruppe auf dem Weg zur Phantom Ranch, einer Lodge am Fusse des Grand Canyons. Plötzlich habe ein Kollege «Hoch, hoch, hoch, hoch!» gerufen. Hinter ihnen raste eine rund einen Meter hohe Schuttwand auf die Wanderer zu. Die Gruppe flüchtete in ein höher gelegenes Kakteenfeld und entkam dort der Sturzflut, wie Desai erzählte. Am späten Samstagabend erreichten die Wanderer die Phantom Ranch. Ein Helikopter brachte sie anschliessend in Sicherheit.Andere Besucher des Parks hatten weniger Glück. Am Montag galten noch rund 15 Wanderer als vermisst. Am Sonntag fanden Einsatzkräfte zudem die Leiche eines 46-jährigen Mannes nahe dem Wildwasserabschnitt Crystal Rapids am Colorado River. Die Behörden gehen davon aus, dass die Überschwemmung den Mann das Leben kostete.Im Sommer drohen oft SturzflutenDer Grand Canyon birgt im Sommer wegen der Regenzeit besondere Gefahren. Aus klaren Tagen können innerhalb kurzer Zeit schwere Gewitter und heftige Regenfälle werden. Dann drohen Sturzfluten. Der ausgetrocknete Wüstenboden kann den Starkregen kaum aufnehmen. Das Wasser sammelt sich deshalb in den engen Seitenschluchten und schiesst als Schlamm- und Geröllwalze in die Tiefe.Auch am Samstag zogen mehrere Gewitter über das Gebiet rund um den Grand Canyon National Park. Lokale Wetterstationen registrierten innerhalb von 24 Stunden 25 Millimeter Regen. Wie der National Park Service mitteilte, lösten die Niederschläge im Bereich der Phantom Ranch und des beliebten Seitental Bright Angel Canyon eine Sturzflut aus.Wanderer harrten zwischen Misthaufen ausEin weiterer Wanderer berichtete der «New York Times», wie er am Samstag die ersten Anzeichen der Gefahr wahrnahm. Gegen 11 Uhr hörte Daniel Evans ein Grollen, das sich wie ein Güterzug angehört habe. Kurz darauf bemerkte er, dass sich der Bright Angel Creek in einen reissenden Strom aus Baumstämmen und Geröll verwandelt hatte.Gegen 13 Uhr seien schwarze Wolken über den Canyonwänden aufgezogen. Kurz darauf habe heftiger Regen eingesetzt. Weil der Wolkenbruch anhielt, hätten die Ranger die Evakuierung des Campingplatzes angeordnet.Evans hatte gerade noch Zeit, sein Zelt und seinen Rucksack zu packen. Dann flüchtete er zu einem Maultiergehege. Dort harrten etwa 30 Wanderer, Parkmitarbeiter und Bauarbeiter aus. Sie standen zwischen Misthaufen und beobachteten, wie der Fluss weiter stieg. «Einige Wanderer hatten in der Flut ihre Handys, Rucksäcke, Zelte und sogar Schuhe verloren», sagte Evans der «New York Times». Drei oder vier Stunden wartete die Gruppe, bis Rettungskräfte sie per Helikopter aus dem Gebiet brachten.Park bittet um Mithilfe bei der Suche nach den VermisstenAm Sonntag suchten Einsatzkräfte mit Helikoptern entlang des North Kaibab Trail und des Colorado River nach den Vermissten. Sie flogen das Gebiet von der Mündung des Bright Angel Creek bis zu den Deer Creek Narrows ab. Dabei fanden sie keine weiteren Personen, wie Joelle Baird, die Sprecherin des Nationalparks, der «New York Times» sagte.Zugleich bat der National Park Service die Öffentlichkeit um Mithilfe. Die Behörden suchten nach Menschen, die etwas über Wanderer oder Rucksacktouristen wussten, die sich am Samstag im Bright Angel Canyon oder im Gebiet der Phantom Ranch aufgehalten hatten. Der Aufruf richtete sich auch an Personen mit einer Reservation für einen Campingplatz in dem betroffenen Gebiet. Gesucht wurde nach Menschen, die entweder im Hinterland des inneren Canyons wanderten oder vermutlich eine Tageswanderung im Gebiet North Kaibab und Phantom Ranch unternommen hatten, sagte Baird der «New York Times».In den sozialen Netzwerken zeigten Bilder und ein Video das Ausmass der Zerstörung rund um die Phantom Ranch. Schlamm bedeckte grosse Teile des Gebiets. Fast alle Fussgängerbrücken über den Bright Angel Creek wurden zerstört, teilte der National Park Service mit. Die betroffenen Gebiete sind damit von der Aussenwelt abgeschnitten.Flut beschädigt teures SanierungsprojektDie Flut beschädigte zudem die Wasserleitungen. Damit steht im Park derzeit nur begrenzt Trinkwasser zur Verfügung. Touristen dürfen deshalb vorerst nicht mehr in den dortigen Lodges und Hotels übernachten. Die ganzjährigen Bewohner des Campingplatzes sollen Wasser sparen. «Diese Massnahmen sind entscheidend für die Sicherheit und Nachhaltigkeit der Wasserressourcen», heisst es in einer Erklärung des Parks.Die Schäden treffen den Park in einer schwierigen Phase. Seit 2023 saniert der National Park Service die Wasserleitung und modernisiert das dazugehörige Versorgungssystem. Die Arbeiten kosten über 200 Millionen Dollar. Der National Park Service bezeichnet das Projekt als wichtige Investition, damit der Park die Bedürfnisse von Anwohnern und Besuchern langfristig decken kann. Die Fertigstellung war für das kommende Jahr geplant. Nun wird es möglicherweise zu Verzögerungen kommen.Bis Sonntagmorgen hatten Einsatzkräfte 62 Personen von der Phantom Ranch und dem unteren North Kaibab Trail gerettet. Weitere Evakuierungen sind geplant. Für Montag warnte der National Park Service jedoch erneut vor Gewittern und Starkregen. Damit drohen weitere Sturzfluten.Passend zum Artikel