Hinter einem missglückten Attentat auf den faschistischen Duce vor genau 100 Jahren steht die bizarre Lebensgeschichte einer irischen Aktivistin.

J etzt, am 31. August, wäre sie 150 Jahre alt geworden. Die Dublinerin Violet Gibson ist aber vor 70 Jahren in einem psychiatrischen Krankenhaus in England gestorben. In diese Klinik war sie eingewiesen worden, nachdem sie vor 100 Jahren in Rom auf den italienischen Faschistenführer Benito Mussolini geschossen, aber nur seine Nase getroffen hatte.

Ihr Vater war der irische Anwalt Edward Gibson, ein protestantischer Unionist, der 1885 zum Lordkanzler von Irland ernannt wurde. Während der 1890er und 1900er Jahre wurde Violet Gibson in den Klatschspalten der Zeitungen genau beobachtet. Sie war dazu erzogen worden, „kaum mehr als eine Zierde“ zu sein, aber sie hatte andere Pläne.

1902 konvertierte sie zum Katholizismus und Sozialismus – beides zum Verdruss ihres Vaters, vor dem sie nach London floh. Sie verbrachte ihre Zeit im Künstlerviertel Chelsea. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs engagierte sie sich in der von Sylvia Pankhurst angeführten Antikriegsbewegung und reiste nach Paris, um für einschlägige Organisationen zu arbeiten.

Dann kam in Rom der 7. April 1926: Am Tag des Attentats mischte sich Gibson am Palazzo dei Conservatori, den Mussolini nach einer Rede auf einem Chirurgenkongress betrat, unter die Menge und schoss dem Duce aus nächster Nähe ins Gesicht. Eine Kopfbewegung in letzter Sekunde rettete Mussolini das Leben, die Kugel streifte lediglich seine Nase. Gibson versuchte einen zweiten Schuss, doch die Kugel blieb in der Kammer stecken.