Am Sonntagabend hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dem ARD-Sommerinterview gestellt. Das Wichtigste im Überblick. Die Wahl in Sachsen-Anhalt Natürlich wurde Merz auf die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt angesprochen. Es stehe die Regierungsfähigkeit eines Bundeslandes auf dem Spiel, sagte er. Und stellte dann AfD und Linkspartei rhetorisch auf eine Stufe: „Wir werden alles tun, um zu verhindern, dass Sachsen-Anhalt an die Radikalen fällt. Das gilt sowohl für die AfD als auch für die Linkspartei.“Damit liegt das große Dilemma, vor dem die CDU steht, noch einmal offen zutage: Entweder die AfD holt in Sachsen-Anhalt eine absolute Mehrheit. Oder es kann keine Mehrheit gegen sie ohne die Linkspartei geben. Jede der beiden Möglichkeiten ist für die CDU höchst unangenehm. Dass der Kanzler nun AfD und Linkspartei kurz vor der Wahl unterschiedslos „Radikale“ nennt, dürfte die Lage nach dem Wahltag nicht unbedingt vereinfachen.Der Kanzler deutete auch an, dass in einer politisch schwierigen Lage die derzeitige Regierung womöglich nicht so schnell abtritt wie üblich. „Die CDU ist an der Regierung in Sachsen-Anhalt, und da muss zunächst einmal jemand anders gewählt werden. Das wird man dann nach dem Wahltag entscheiden.“Was nützt uns das schönste Elterngeld, wenn wir unsere Freiheit verlieren und der Frieden in Europa gefährdet ist.Bundeskanzler Friedrich MerzFür den Fall einer absoluten Mehrheit für die AfD prognostizierte Merz, Sachsen-Anhalt werde „erhebliche Probleme“ bekommen. Internationale Investoren würden eher nicht anreisen, um gemeinsam mit einem AfD-Ministerpräsidenten den Spatenstich für eine Investition zu vollziehen. Wehretat und Spardruck Moderator Markus Preiß fragte den Kanzler, ob die gigantischen Summen für Verteidigung und für die Unterstützung der Ukraine den Bürgerinnen und Bürgern eigentlich vermittelbar seien, wenn an anderer Stelle gekürzt werden muss. Merz reagierte bissig: „Was nützt uns das schönste Elterngeld, wenn wir unsere Freiheit verlieren und der Frieden in Europa gefährdet ist.“ Freiheit und Frieden seien die Priorität.Er sagte aber auch, bei der Ertüchtigung der Bundeswehr müsse sehr viel kosteneffizienter gearbeitet werden. Deutschland kooperiere auch deshalb mit der Ukraine, die das vormache. Eine Frau als Bundespräsidentin Wird das nächste Staatsoberhaupt erstmals eine Frau? „Es ist kein Geheimnis, dass ich viele Sympathien dafür habe“, sagte Merz. „Wahr ist trotzdem, dass wir ein Staatsoberhaupt brauchen, das die Gesellschaft zusammenhält.“ Die Frage nach dem Geschlecht sei weniger wichtig als die Persönlichkeit. Die desaströsen Beliebtheitswerte Moderator Preiß legte noch einmal die Zahlen dar: Ein Jahr nach Amtsantritt war Kanzlerin Angela Merkel bei 57 Prozent der Menschen im Land beliebt. Für Olaf Scholz lag dieser Wert bei 36 Prozent, für Merz liegt er nur bei 16 Prozent.„Jemand, der dem Land Veränderungen zumutet, ist natürlich zu Beginn nicht populär“, konterte Merz. „Ich beschäftige mich damit, aber es ist nicht der Maßstab meiner Politik.“ Das heiße Thema Rentenreform In Sachen Rente steht der Koalition womöglich ein sehr turbulenter Herbst bevor. „Die Rentenversicherung ist so nicht mehr zukunftsfähig angesichts der Demographie, und das wissen wir seit Jahren“, sagte Merz im Sommerinterview. Was sich von dieser Überzeugung in ein Reformpaket übersetzen lassen wird, ist politisch hochspannend. Die Drohne und die Reaktion Seit Tagen wird erwartet, dass die Bundesregierung sehr bald Russland öffentlich für den versuchten Anschlag auf den Flughafen Leipzig verantwortlich macht. Der Kanzler hatte bereits bei der Kabinettsklausur in Neuhardenberg in der vergangenen Woche gesagt, man werde bald mit einem Ermittlungsergebnis an die Öffentlichkeit treten.Das bekräftigte er nun und kündigte zudem eine Reaktion an: „Wir sind dabei, die Ermittlungen abzuschließen. Wir haben eine weitgehende Einigkeit in der Bundesregierung, wie wir reagieren, und das werden wir in den nächsten Tagen auch klar zum Ausdruck bringen. Es wird nicht mehr lange dauern.“ Die Reaktion werde in diesen Tagen mit den EU- und NATO-Partnern final abgestimmt. Keine neue Spritbreisbremse „Sie können einen Ölpreis von 100 Dollar in Deutschland nicht wegsubventionieren“, sagte Merz und machte noch einmal klar: Eine Neuauflage der Spritpreisbremse kommt nicht.
Friedrich Merz im ARD-Sommerinterview: Sieben Kanzler-Worte, die im Gedächtnis bleiben
AfD und Linke nannte er gleichermaßen „Radikale“, zum Thema Elterngeld gab es eine bissige Bemerkung. Das sind die wichtigsten Aussagen aus dem ARD-Sommerinterview des Kanzlers.












