Vor der Saison hatte die aktive Fanszene eindringlich darum gebeten: Keine Pfiffe gegen unsere Spieler, vor allem nicht gegen die jüngeren – die Anhänger des oft so lauten Vereins wollen sich in Geduld üben. Diese Geduld wurde am Sonntag auf die Probe gestellt, und so genervt auch viele gewesen sein mögen nach einem 1:1 (1:0) gegen den Regionalliga-Tabellenletzten TSV Landsberg: Kein Spieler wurde ausgepfiffen.Beim stimmungsvollen DFB-Pokal-Auftritt gegen Holstein Kiel (0:2) und der bundesweiten Aufmerksamkeit für den „Verein in Freiheit“ hatten die Löwen noch einmal ihre eigene Aura genossen. Aber schon unter der Woche rief Trainer Alper Kayabunar den Liga-Alltag aus. „Die haben nicht zu verlieren gegen uns“, sagte er über den Gegner. Dieser Satz ist nichts anderes als die kleine Variante von: Wir sind klarer Favorit. Und er wird in den kommenden Wochen weiter zu hören sein, zum Beispiel am kommenden Dienstag im Verbandspokal gegen den TSV Buchbach. Es ging am Sonntag also auch um die Frage, wie viel von dem Zauber übrig ist, der dem Saisonanfang innewohnte. Die Antwort: auf den Rängen eine Menge, auf dem Platz nicht viel.TSV 1860:Die Löwen spüren sich wieder – auch in MemmingenIm dritten Regionalliga-Spiel fährt der TSV 1860 den ersten Sieg ein. Spielerisch verströmt das Team beim 3:0 in Memmingen allerdings noch nicht die Leichtigkeit, die die Fans überkommen hat.„Das Spiel letzte Woche hat vielleicht ein bisschen geblendet“, sagte Kapitän Dennis Dressel. Jetzt habe man „mehr den Ball, der Gegner steht tief, das ist schwer durchzukommen, das ist jetzt ganz was anderes“. Außerdem sei er „gefühlt auch noch in der fünften Vorbereitungswoche“, was bedeutet, dass die Harmonie in den Abläufen noch fehle.Natürlich ist so etwas wie „Alltag“ auch Ansichtssache. Denn für den gesamten Rest der Regionalliga Bayern ist der TSV 1860 München natürlich ein Glücksfall. Neun Tage zuvor hatte der TSV Landsberg 0:0 zu Hause gegen Eichstätt gespielt, vor 623 Zuschauern. Diesmal pilgerten 650 Fans vom Lech an die Isar. Sie sahen zwar einen lange Zeit dominanten Gastgeber, dem aber auch nur ein Tor per Strafstoß von Michael Eberwein gelang (15.), herausgeholt von Florian Niederlechner. „Wir wollten heute unbedingt gewinnen daheim“, sagte Trainer Alper Kayabunar, dem noch ein Heimspielsieg als Cheftrainer fehlt. Aber man habe nicht die klare Kontrolle gehabt, kein Tempo ins Spiel bekommen und auch „viele technische Mängel“ gezeigt. Trotz allem schien das 2:0 nur eine Frage der Zeit zu sein.Zwei gute Gelegenheiten hatte Landsberg schon in Halbzeit eins. Gleich nach der Pause dann die große Löwen-Ernüchterung: Ünal Tosun, ein alter Kayabunar-Kumpel aus gemeinsamen Türkgücü-Zeiten, holte gegen Dennis Dressel einen zweifelhaften Elfmeter heraus. „Ich dachte, er pfeift Gelb für Schwalbe“, sagte Dressel. Den Strafstoß verwandelte Furkan Kircicek, ebenfalls Ex-Türkgücü-Spieler, sicher (53.). Gleich danach verpasste der oft nervös agierende Lance Fiedler die erneute Führung, auch Emre Erdogan scheiterte (58.). Es folgten weitere Großchancen, aber eben auch für Landsberg, die Ungeduld wuchs, entlud sich aber nur in harmlosen Flüchen nach Schlusspfiff.Am BR-Mikrofon sagte Sechzigs Geschäftsführer Manfred Paula: „Es wird eine maßgebliche Woche, was den Gesamtverein, auch die Spielbetriebs-GmbH und was das komplette Konstrukt betrifft.“ Dabei meinte er auch die formale Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die alte Spielbetriebsgesellschaft (KGaA), die ab dem 1. September erwartet wird. Am selben Tag schließt das Transferfenster, doch Paula hielt sich bedeckt. „Wir sind mit unseren Planungen eigentlich durch“, doch die Frage, wie gewichtig das „eigentlich“ noch ist, blieb offen. Trainer Kayabunar ging davon aus, dass der Kader am Mittwoch genauso aussehen werde wie am Sonntag.