Auswärts in Berlin, auswärts in Karlsruhe: Fabian Reese dürfte schon mit Beginn der Woche gewusst haben, was er zu erwarten hat. Dass der Montagabend mit dem VfL Wolfsburg im Stadion am Wurfplatz, nur wenige Meter von seiner ehemaligen Heimstätte entfernt, erst der Aperitivo sein würde, hatte er nicht auf dem Radar.In der ersten Runde des DFB-Pokals musste sich Reese von den Berliner Fans einiges anhören. Wer weiß, welche Schmähungen er hätte ertragen müssen, wenn sein Fehlschuss im Elfmeterschießen gegen Regionalligist VSG Altglienicke ursächlich für ein frühes Aus im Wettbewerb gewesen wäre. So blieb zumindest die sportliche Genugtuung eines Sieges, als es am späten Montagabend auf die Rückreise nach Wolfsburg ging.

Fabian Reese in Karlsruhe kein gern gesehener Gast

Aber: Nur fünf Tage später folgte auf den Aperitivo von Berlin die Vorspeise in Karlsruhe. Im zweiten Gastspiel der Woche war Reese kein gern gesehener Gast. Wie schon im Pokal bekam der 28-Jährige auch im Punktspiel in der 2. Bundesliga deutlich zu hören, was viele Fans von seinem Wechsel zum VfL halten. Den KSC und Hertha BSC verbindet eine der längsten und engsten Fanfreundschaften im deutschen Fußball – kein Wunder also, dass er sich während der gesamten Partie mit Schmähgesängen auseinandersetzen musste.Sportlich behielt Reese mit dem 5:2-Sieg des VfL ein zweites Mal die Oberhand. Dass diese Woche allerdings nicht spurlos an ihm vorbeigegangenen war, erzählte er nach dem Schlusspfiff am TV-Mikrofon ungewöhnlich offen. „Wenn ich ganz ehrlich sein darf“, begann er und sprach anschließend darüber, was die Pfiffe mit ihm machen. „Ich bin zwar nicht mehr ein blutjunger Fußballer, aber 28 Jahre alt. Ich glaube, jeder sollte sich mal hinterfragen, wenn man von 30.000, 40.000 Menschen als 28-jähriger Junge ausgepfiffen wird.“Er wolle damit kein Mitleid erzeugen, betonte Reese, aber dennoch sagen, „was das mit einem macht. Mir tut es weh, mich verletzt es. Ich nehme das auch mit nach Hause.“