Wer folgt auf Dolly Parton? Diese Stimmen werden machen HoffnungNach dem Tod der grossen Country-Musikerin fragen wir uns: Wer wird in Zukunft so tröstende Songs wie «Jolene» oder «I Will Always Love You» für uns schreiben?30.08.2026, 05.29 Uhr4 LeseminutenSie geben Anlass zur Hoffnung für die Country-Musik: Ella Langley, Brittney Spencer, Kacey Musgraves, Sierra Ferrell und Megan Moroney.Illustration NZZaS mit Material von Imago und KeystoneDolly Parton war alles: Musikerin, Schauspielerin, Menschenfreundin, Perückensammlerin, Unternehmerin, Dragqueen, High-Heels-Trägerin, Actionfigur, Kochbuchautorin, Vergnügungsparkbetreiberin, Selbstironikerin, Queer-Fürsprecherin, «Black Lives Matter»-Aktivistin, Brückenbauerin, Silikonbusenwunder und lebende Legende. Vor allem aber war sie eine der grössten Country-Sängerinnen und Songschreiberinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Name fällt in einem Atemzug mit Hank Williams, Patsy Cline, Johnny Cash oder Willie Nelson.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Dienstag ist Dolly Parton im Alter von 80 Jahren gestorben, die Nachrufe türmten sich bis zur Himmelspforte, über der in pinkfarbener Neonschrift «I Will Always Love You» steht. Noch scheitert die Ernennung einer Thronfolge an der Vorstellungskraft. Was nicht heisst, dass es ohne Dolly schlecht um weibliche Stimmen in der Country-Musik bestellt ist. Diese jungen Frauen schreiben Songs, die wie bunter Strass an kecken Western-Hemden funkeln.Ella Langley: Die EklektischeSie ist der neue Star, der aus der Prärie kam: Ella Langley, aufgewachsen in Alabama, früh nach Nashville gezogen, wie viele andere, die das Versprechen einer grossen Karriere ins Epizentrum der Country-Musik lockte, unter ihnen auch Dolly Parton. In Langleys Sound stecken die Vergangenheit und die Zukunft der Country-Musik. Stiefel und Cowboyhut dürfen nicht fehlen, klar, gleichzeitig klingen ihre Songs emanzipiert genug, um sich von den Konventionen der mächtigen Country-Radio-Stationen nicht einschüchtern zu lassen und Grenzen zu überschreiten.«Choosin’ Texas» zum Beispiel, Langleys grösster Hit, liegt näher beim melancholischen Country-Pop der Siebziger als beim Honkytonk oder Western Swing. Man hört, dass Langley mit Willie Nelson, Stevie Nicks und Patsy Cline gross geworden ist, und natürlich mit Parton. Was sie mit ihr teilt, ist ihr Talent als brillante Songwriterin und Geschichtenerzählerin. Ihre dunkle Stimme klingt weniger kehlig, als es das Genre verlangt, was auch Hörerinnen anspricht, die mit Country nichts an der Hutkrempe haben. ★Megan Moroney: Die KunstfigurWenn es gegenwärtig eine junge Country-Musikerin gibt, die als Dolly Partons jüngeres Ich durchgehen könnte, dann ist es Megan Moroney. Bei ihr gehören Plastik, Hotpants, weisse Cowboystiefel und platinblondes Haar vor blutendem Western-Himmel zur Grundausstattung. Authentizität spielt keine Rolle, sondern der schöne Schein und das ewige Versprechen, dass morgen ein besserer Tag anbricht. Das war schon immer die Essenz von Country.Aber man täte Moroney grosses Unrecht, sie als Nashville-Barbie zu verunglimpfen. Sie besitzt die Marketing-Instinkte Dolly Partons, aber auch deren Witz und Selbstironie. Bevor ihr mit «Tennessee Orange» 2022 der Durchbruch gelang, studierte sie Musikmanagement an der University of Georgia. Sie erfand für sich den Begriff «Emo-Cowgirl»: Wie Taylor Swift übersetzt sie emotionale Unmittelbarkeit wie Trauer und Verlust, Herzschmerz und Selbstbehauptung in eine Selfie-taugliche Honkytonk-Ästhetik, die von ihrer Generation gefeiert wird. ★Brittney Spencer: Die KämpferinGospel und Blues gehören mit dem Appalachen-Folk zu den tragenden Säulen der Country-Musik. Als Afroamerikanerin, die in der Kirche von Baltimore mit dem Singen angefangen hatte, trägt Brittney Spencer einen Teil dieses Erbes. Früh zog sie nach Nashville, doch ihre Karriere hob nicht ab. Sie arbeitete als Backgroundsängerin für Lucinda Williams und Beyoncé (auf deren Album «Cowboy Carter» sie zu hören ist), bis 2024 ihr Solo-Debüt «My Stupid Life» erschien. «Do it like Dolly would do», singt sie in «Bigger Than The Song» und stellt ihr Vorbild in eine Reihe mit Aretha Franklin, Janet Jackson und Reba McEntire.Natürlich steckt in dieser so widerspenstigen wie originellen Künstlerin, die R&B, Country und Rock mit einem Achselzucken vermischt, eine ganze Menge Dolly Parton. Auch Parton musste sich erst von ihrer zugewiesenen Rolle als brave Duettpartnerin ihres berühmten Gatten Porter Wagoner losreissen, damit ihr 1973 mit «Jolene» der Befreiungsschlag gelang. Vor zwei Jahren klopfte ein alter Mann an die Tür von Spencers Backstage-Garderobe. Er gab sich als Fan ihrer Songs zu erkennen und lud sie ins Vorprogramm seiner Tournee ein: Sein Name war Bob Dylan. ★Sierra Ferrell: Die RustikaleSierra Ferrell ist in prekären Verhältnissen in einem Trailerpark in West Virginia gross geworden. Die Erfahrung der Armut verbindet sie mit Dolly Parton, die sich mit ihren Eltern und zwölf Geschwistern eine einfache Holzhütte in den Smoky Mountains teilte. Musikalisch kehrte Parton immer wieder in diese Zeit zurück, etwa auf ihrer Bluegrass-Trilogie, die sie Ende der neunziger Jahre aufnahm. Diese frühe Form der Country-Musik prägte auch Ferrells Kindheit. Zu ihren ersten Instrumenten, die sie spielte, gehören Fiddle und Banjo. Doch anders als Dolly Parton ist Sierra Ferrel dem Nashville-Glitter ferngeblieben, auch wenn sie ihn gerne ironisch überhöht. Spencer ist eine Erforscherin der amerikanischen Musikgeschichte. An ihrem Old-Time-Country haftet eine grosse Liebe für die Tradition, die sie in berückend schönen Songs in die Gegenwart holt. ★Kacey Musgraves: Die ErzählerinWer aus Golden in Texas stammt, dem kann man Anfängerglück vorhalten, steckt in diesem Namen doch ein grosses Versprechen. Kacey Musgraves hat es flüstern gehört, zog erst nach Austin, dann nach Nashville, spielte in leeren Klubs und lauten Bars, niemand interessierte sich für sie – bis sie 2012 mit «Merry Go ’Round» einen Song schrieb, in dem sie nicht der Star sein wollte, der sie (noch) nicht war, sondern von ihrem alten Leben in der Kleinstadt erzählte. Es ging um Alkohol, Tabletten, Scheidungen und häusliche Gewalt. Um Langeweile, Enttäuschungen und leere Versprechen – und plötzlich hörte man ihr zu. Heute gehört Musgraves mit ihrem goldenen Country-Pop zu den grossen Stimmen ihres Genres, die, wie Ella Langley, sehr elegant um das Epizentrum Nashville kreisen – und sich doch immer wieder seinem Sog entziehen. Just like Dolly did it! ★Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Von Ella Langley bis Kacey Musgraves: Wer tritt in Dolly Partons Fussstapfen?
Nach dem Tod der grossen Country-Musikerin fragen wir uns: Wer wird in Zukunft so tröstende Songs wie «Jolene» oder «I Will Always Love You» für uns schreiben?











