Songs für alle Zeiten: Die sechs grössten Lieder von Dolly PartonArmut, Schmerz und Liebe: Die Country-Ikone mit den blonden Perücken und der hellen Sopranstimme ist verstummt. In ihren Liedern und ihrer Geschichte erkennen sich Millionen. Was erzählen sie?25.08.2026, 22.25 Uhr4 LeseminutenDolly Parton in einer Aufnahme von 2023.GettyDie Country-Legende Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren in Nashville gestorben. Geboren am 19. Januar 1946 als eines von zwölf Kindern einer armen Familie in Tennessee, schrieb sie schon als Kind ihre ersten Lieder und wurde mit 13 Jahren Mitglied der Country-Radioshow «Grand Ole Opry».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In einer über sechs Jahrzehnte währenden Karriere schrieb sie geschätzt 3000 Songs, darunter mehrere Welthits. Eine Auswahl.«My Tennessee Mountain Home»ael. «My Tennessee Mountain Home» ist Dolly Partons Hommage an ihre Kindheit in den Smoky Mountains. Der Song beschreibt das einfache Leben, das Parton als eines von zwölf Kindern in Locust Ridge, Tennessee, kannte: auf der Veranda sitzen, Geschwistern beim Spielen mit Maikäfern zusehen, Glühwürmchen jagen, den Grillen zuhören.Parton schreibt das Lied selbst und veröffentlicht es 1972 als Single, ein Jahr später wird es zum Titeltrack ihres Konzeptalbums von 1973. Die ganze Platte ist eine musikalische Autobiografie. Das Cover des Albums zeigt die tatsächliche Blockhütte, in der Dolly Parton aufgewachsen ist. Parton kauft das Haus später zurück und restauriert es. Der Song wird später zur Titelmelodie ihres Freizeitparks Dollywood.«Jolene»inn. Sie fleht, sie bettelt und ist doch so voller Wucht. «Jolene, Jolene», singt Dolly Parton – zum ersten Mal im Jahr 1973 – «nimm mir den Mann nicht weg» (don't take my man). Sie trifft damit letztlich die Furcht eines jeden, ersetzbar zu sein. «Jolene» ist diese Schönheit, mit «kastanienbraunem Haar», mit «elfenbeinfarbener Haut», mit «smaragdgrünen Augen». Sie könnte praktisch jeden haben. Aber den Mann, um den Dolly da bangt, den soll sie lassen, ihr lassen.Eine typische Eifersuchtsgeschichte? Nein.Die Country-Sängerin verdammt «Jolene» nicht, sie zeichnet sie als jemand Bewundernswerten. Es ist keine Aggression, es ist schlicht ihre eigene Verlustangst, die sie thematisiert. Es ist ihre Beklemmung und damit genau das, womit Dolly Parton über Jahre hinweg vielen aus dem Herzen spricht. Oder eben aus dem Bauch, weil der Schmerz beim Verlassenwerden dort sitzt.«Here you Come Again»ael. «Here You Come Again, just when I've begun to get myself together»: Dolly Partons erster grosser Pop-Crossover-Hit von 1977 handelt von einer Frau, die gerade erst über eine vergangene Beziehung hinwegkommt, als ihr charmanter, selbstbewusster Ex-Partner auftaucht.Dolly Parton hat ihn, anders als fast alle ihre Hits, nicht selbst geschrieben. Er stammt vom Songwriter-Ehepaar Barry Mann und Cynthia Weil. Die berühmte Anfangszeile «Here You Come Again» entsteht durch ein Missgeschick: Cynthia Weil hat versehentlich einen Teil der ursprünglichen Textzeile gelöscht und muss improvisieren. Ihrem Mann gefällt ihre neue Version besser als das Original.Der Song markiert den Beginn von Dolly Partons weltweitem Mainstream-Erfolg. Zu jener Zeit ist Parton bereits ein etablierter Country-Star. Sie hat aber Angst, mit einem zu «glatten» Pop-Song ihr Stammpublikum zu verlieren. Um ihre Country-Wurzeln besser herauszuhören, baut sie eine Steel-Gitarre ein. Der Song erreicht Platz 1 der Country-Charts und Platz 3 der Pop-Charts.«9 to 5»mij. Zuerst dieser harte Piano-Beat, dann setzt die Trompete ein – und Dollys Stimme. Die Sängerin stolpert aus dem Bett und schenkt sich einen hochprozentigen «cup of ambition» ein. Sie macht sich bereit für «9 to 5», den Job, den täglichen Wahnsinn, die Enttäuschungen und kleinen Triumphe. «Out on the street, the traffic starts jumping», singt sie, und im Video eilen Geschäftsfrauen im Takt des Metronoms durch die grosse Stadt. Dolly sitzt mit ihrer Band in der Scheune, mehr Country aber doch all business: rote Bluse, blaue Jeans. Und diese unglaublichen Haare.«9 to 5» ist auch Titelsong für den gleichnamigen Hollywood-Blockbuster. 100 Millionen Dollar spielt die Geschichte über drei Frauen ein, die ihren Chef entführen, weil er Lügen über sie verbreitet. Parton hat immer eine klare Message. Aber sie lässt sich nie politisch vereinnahmen. Dolly ist Programm genug. Deshalb lieben sie die Amerikaner so.«Islands In The Stream» mit Kenny Rogersinn. Nein, nein, es ist nicht «Ghetto Supastar», nicht der Ohrwurm des amerikanischen Rappers «Pras» Michel. Es sind auch nicht die «Bee Gees», die mit «Islands In The Stream» 1997 nochmals gross herauskommen. Es sind Dolly Parton und ihr Country-Kollege Kenny Rogers, die sich 1983 mit dem Song fröhlich durch Country-Klubs bewegen, damit auf Hallenbühnen stehen und im Fernsehen auftreten.Besingt Dolly Parton in «Jolene» noch die verletzliche Seite einer Liebe, ist «Island In The Stream» eine Art Hymne an eine bedingungslose Verbundenheit. Die beiden feiern die Intimität zwischen zwei Menschen, nichts sollen ihnen die Widrigkeiten der Welt anhaben.Eigentlich will Rogers den Song in einem Studio in Nashville allein aufnehmen, findet ihn aber steif und langweilig. Zufall oder nicht, aber Parton ist da gerade auch in der Stadt und kommt wie gerufen. Das Lied im Duett wird ein Hit. Nicht nur von ihnen beiden.Geschrieben haben es tatsächlich die «Bee Gees» – und es sich damit 14 Jahre nach Dollys und Kennys Siegeszug zurückgeholt.«I Will Always Love You»mij. Die wunderschöne Version von Whitney Houston kennen alle. Manche von uns sehen die Sängerin noch in den Armen von Bodyguard Kevin Costner. Aber wirklich auf geht das Herz erst, wenn Dolly die traurige Liebesballade singt. Sie handelt von Trennung und vom Aufbruch in eine neue Etappe: «I'm not what you need», singt sie und trennt sich 1974 von ihrem Förderer und Manager Porter Wagoner. Dolly nimmt ihre Karriere selbst in die Hand, setzt sich als Frau im harten Country-Business durch. Und sie zahlt einen Preis dafür. Doch Dolly hegt keinen Groll. «I wish you joy and happiness», singt sie. Dollys Stimme bricht fast vor Traurigkeit, Whitney Houston ruft die Worte mutig in die Nacht. Nun sind beide Stimmen verstummt.Passend zum Artikel