Schmähungen, Kampfansagen und völkische Parolen: Vertreter der AfD sind beim Bundeskongress der Nachwuchsorganisation „Generation Deutschland“ in Magdeburg für extreme Aussagen zum Staat, den politischen Gegnern und Migranten gefeiert worden. So forderte der GD-Vorsitzende Jean-Pascal Hohm, die Rückführung von zugewanderten Menschen aus Deutschland.„Millionen sind gegen unseren Willen, gegen Recht und Gesetz, gegen jede Vernunft in dieses Land gekommen“, sagte der 29-Jährige aus Ludwigsfelde in Brandenburg vor rund 300 Delegierten und fügte hinzu: „Millionen müssen dieses Land wieder verlassen.“Die Generation Deutschland (GD) war im vergangenen November gegründet worden – als Nachfolgerin der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA). Diese war einige Monate zuvor aufgelöst worden, nachdem sie vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden war. Auch die GD ist im Fokus der Behörden.Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar.Jean-Pascal Hohm, Vorsitzender der AfD-JugendorganisationHohm führte eine völkisch geprägte Begründung für seine Forderung nach massenhafter Remigration an: „Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar“, sagte er. Hier dürfe es „kein Resignieren, kein Akzeptieren, kein Arrangieren“ geben. Die AfD sei „Ausdruck des Lebenswillens unseres Volkes“.Der AfD-Europaabgeordnete René Aust sagte, nötig sei nicht nur „Remigration, sondern europaweite Remigration“. Europa müsse zu einer „Festung Europa“ ausgebaut werden, sagte er. „Niemand soll unseren Kontinent betreten, von dem wir nicht wollen, dass er unseren Kontinent betritt.“Eine Woche vor der Wahl in Sachsen-Anhalt hatte zuvor der AfD-Landesvorsitzende Martin Reichardt den Bundeskongress für eine Kampfansage an linksgerichtete Kräfte im Land genutzt. „Am 6. September holen wir uns unser Deutschland zurück“, sagte Reichardt mit Blick auf die Wahl.Die AfD, die in dem ostdeutschen Bundesland vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, hofft am Sonntag kommender Woche erstmals auf eine absolute Mehrheit der Mandate, um ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen zu können. Er wird am Nachmittag in Magdeburg erwartet.Einer aktuellen Umfrage zufolge würde die Partei, die mit 40 Prozent weiter klar vorn liegt, dies aber verpassen. Koalitionen mit der AfD schließen die anderen Parteien aus. Denkbar ist eine von der Linken geduldete Minderheitsregierung aus CDU, SPD und Grünen.Die Zeit dieser verkommenen linken Zustände in Deutschland geht zu EndeMartin Reichardt, Landeschef der AfD in Sachsen-AnhaltReichardt polterte weiter: „Die Zeit dieser verkommenen linken Zustände in Deutschland geht zu Ende. Wir werden der verlotterten Linken das Sorgerecht für Deutschland entziehen.“Reichardts Rede war mit Schmähungen durchsetzt, die von den rund 300 Delegierten des Bundeskongresses der AfD-Nachwuchsorganisation „Generation Deutschland“ mit großem Jubel quittiert wurden. Reichardt bezeichnete den Staat in Deutschland als „stinkenden, faulen Assi, der sein Geld fürs Nichtstun von der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt, um regelmäßig mit seinen Freunden vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu saufen und die Internationale zu lallen“. Martin Reichardt, Vorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, spricht in Magdeburg zu den Mitgliedern der „Generation Deutschland“. © dpa/Klaus-Dietmar Gabbert Der AfD-Politiker warf „linken Kräften“ zudem die Zerstörung der deutschen Sprache vor. „Unsere Muttersprache ist längst keine liebevolle, treusorgende Frau mehr“, sagte der Bundestagsabgeordnete Reichardt. „Muttersprache ist heute ein aufgedunsenes, intersektional-feministisches Flittchen: Ihre Haare sind zerzaust, und der rote Lippenstift ist verschmiert.“ Auch diese Äußerung löste unter den Delegierten Jubel aus.Zuvor hatte Florian Ruß, Bundesvorstandsmitglied der Generation Deutschland, die Delegierten in seiner Eröffnungsansprache mit den Worten begrüßt: „Willkommen im Osten, willkommen in Preußen.“ Es sei „kein Zufall“, dass der Bundeskongress in Magdeburg stattfinde, sagte Ruß. „Generation Deutschland“ der AfD im Fokus der Behörden „In einer Woche wird hier Geschichte geschrieben.“ Die AfD werde in Sachsen-Anhalt nach der Wahl erstmals Regierungsverantwortung übernehmen. „Nächste Woche wird die Ideologie der Beliebigkeit an den Wällen dieser Stadt zerschellen“, sagte Ruß.Die Sicherheitsbehörden haben auch die neue Nachwuchsorganisation GD im Blick. Das BfV geht nach eigenen Angaben von einer „programmatischen und personellen Kontinuität“ zwischen der aufgelösten JA und der neuen Organisation aus.Der Verfassungsschutz hatte auch die AfD-Mutterpartei auf Bundesebene im Mai vergangenen Jahres zur gesichert rechtsextremistischen Bestrebung hochgestuft. Weil die AfD dagegen klagte, lässt die Behörde die neue Einstufung bis zu einer juristischen Klärung vorerst ruhen. Sie wird deshalb vorerst weiter als rechtsextremistischer Verdachtsfall behandelt.Gegendemonstrationen hielten sich bis vor Beginn der Veranstaltung in Grenzen. Ein Sprecher des Polizeireviers Magdeburg sagte, bei Veranstaltungen gegen den Bundeskongress, gegen die AfD und gegen Rassismus direkt vor dem Tagungsort sowie andernorts in Magdeburg seien bis zum frühen Vormittag rund 250 Personen gezählt worden. Die Polizei gehe von steigenden Zahlen aus.In der Nähe des Theaters versammelten sich zunächst wenige Menschen rund um den mit starken Lautsprechern ausgerüsteten Bus „Adenauer SRP+“ der Gruppe „Zentrum für Politische Schönheit“. Damit hatte die Organisation vor einem Jahr das ARD-„Sommerinterview“ mit Weidel in Berlin vom anderen Spreeufer aus so beschallt, dass kaum noch etwas zu verstehen war. Nach Angaben eines Polizisten vor Ort wurde für den Bus dieses Mal eine Maximallautstärke verfügt. (AFP, dpa, lem)
„Millionen müssen unser Land wieder verlassen“: Chef der AfD-Jugend fordert Remigration – Schmähungen gegen linke Kräfte
Die Nachfolgerin der Jugendorganisation der Ultrarechten trifft sich in Magdeburg. Der Chef äußert sich völkisch. Und der AfD-Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt gibt sich vor der Wahl siegesgewiss.











