„Warum kommt hier so viel über die DDR?“, fragt eine der beiden Jugendlichen, nachdem sie auf Tiktok ein Video über Erich Honecker gesehen hat – nächster Scroll: „Hier ist schon direkt Alice Weidel.“ Drei Minuten hat es gedauert, bis die ersten blauen Herzen in den Kommentaren auftauchten.Für das Radiofeature des Deutschlandfunks fahren die Journalistinnen Diana Köhler und Johanna Tirnthal nach Mecklenburg-Vorpommern. In Umfragen zu den bevorstehenden Landtagswahlen führt hier, wie in Sachsen-Anhalt, die AfD. Unter jungen Menschen erfreut sich die Partei besonderer Beliebtheit – die Altersgruppe, in der sich eine Mehrheit in den sozialen Medien über die Politik und das Weltgeschehen informiert, vor allem auf Tiktok. Umso wichtiger ist die Frage: Welche Videos landen auf den Bildschirmen junger Menschen?Zwei 16-Jährige, Greta und Lena, werden einen Monat lang beim Scrollen begleitet. Sie leben in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern und erstellen sich für das Experiment neue Profile, dokumentieren täglich, welche politischen Inhalte ihnen angezeigt werden.Je mehr die Mädchen scrollen, desto mehr rechte Inhalte spielt der Algorithmus ausZu Beginn ist eine Mischung aus harmlosem Spaß, „Brainrot“ und Tiervideos, berichten die beiden. Doch sehr schnell verändert sich der Algorithmus. Immer öfter tauchen rechte Inhalte beim Scrollen auf. So findet sich zwischen den lustigen Videos schnell eines, in dem mit ruhiger Stimme erklärt wird, weshalb die AfD nicht rechtsradikal sei. Im nächsten Video tanzen drei Jugendliche zu einem viralen Song – im Hintergrund die Reichsflagge.AfD:Deutschland ist krank. Die Medizin? Kultur!Die AfD in Sachsen-Anhalt will dem Land Stolz einflößen – mit weniger Bauhaus und mehr Pflege von Kriegerdenkmälern. Ausgedacht hat sich die Identitätsfolklore Hans-Thomas Tillschneider, ein in Rumänien geborener Islamwissenschaftler.Immer mehr ähnlich aussehende AfD-Videos tauchen auf, erstellt und geteilt von rechten Accounts, aber auch von Bots. Hinzu kommt die Überflutung mit Hashtags wie #AfD, die den Algorithmus gezielt beeinflusst. Die Partei selbst hat das Potenzial der sozialen Medien früh erkannt, setzt besonders auf Tiktok. Politiker wie Maximilian Krah setzen dort bewusst auf emotionalisierende und provokante Videos, um Aufmerksamkeit zu erregen. Der Algorithmus lernt aus den vielen Aufrufen: Das ist wichtig, Menschen interessieren sich dafür. Ganz egal, ob das aus Begeisterung oder Empörung geschieht. Die Videos werden also mehr Menschen ausgespielt. Die Spirale dreht sich weiter.Mit solchen Mechanismen wird entschieden, welche Botschaften an Millionen Jugendliche verbreitet werden. Und damit auch genau an diejenigen, die bald das erste Mal wählen gehen dürfen.„Doomscroll – Wie Tiktok Jugendliche im Wahlkampf beeinflusst“, Deutschlandradio-Audiothek.
„Doomscroll – Wie Tiktok Jugendliche im Wahlkampf beeinflusst“ im Deutschlandfunk
Warum wählen so viele Erstwähler die AfD? Der Deutschlandfunk hat Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern beim Scrollen auf Tiktok begleitet.













