Es darf gelacht werden, auch in den arbeitsintensiven Wochen vor der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga. Dafür sorgt schon Ralf Kettemann, der 40 Jahre alte Trainer des SC Paderborn. Der Klassennovize aus der württembergischen Stadt Crailsheim gehört zu den Menschen, die auch unter dem Druck, positive Ergebnisse abliefern zu müssen, im Zweifel heiter bleiben. Eine Eigenschaft, die bei seinen Spielern und den Kollegen auf der Leitungsebene bestens ankommt.„Ralf ist sehr nahbar und im besten Sinne auf Augenhöhe mit den Spielern“, sagt Sebastian Lange, der Geschäftsführer Sport des ostwestfälischen Aufsteigers, der nach den einjährigen Stippvisiten in den Spielzeiten 2014/15 und 2019/20 endlich länger in der höchsten nationalen Fußballklasse bleiben will. Bei einem solch schwierigen Unternehmen, dem so mancher Experte das prompte Scheitern verheißt, sind Tugenden wie Nervenstärke, Zusammenhalt und Optimismus dringend vonnöten, soll das Klassenziel Ende Mai 2027 erreicht werden.Kettemann, der nie in der Bundesliga gespielt hat und vor seinem Engagement in Ostwestfalen fünf Jahre lang die A-Jugend des Zweitligavereins Karlsruher SC trainierte, ist ein Optimist. Mit Blick auf den Saisonstart an diesem Samstag beim 1. FSV Mainz 05 (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) sagt er: „Unsere Chance, in der Bundesliga zu bleiben, liegt genau darin, dass es uns niemand zutraut, wir aber doch. Das ist für mich das Allerwichtigste. Es geht nur über das Kollektiv. Unser Zusammenhalt muss auch in dieser Saison unser Faustpfand sein.“Gemeinsam stark zu sein, das wird dem Aufsteiger mit dem kleinsten Budget der ersten Liga an allen 34 Spieltagen abverlangt. „In einer angenehmen Atmosphäre kann man sein Potential maximal entfalten. Wir müssen viel über die Entwicklung kommen. Das ist mein Job“, sagt Kettemann, der als Trainer einer jungen Mannschaft mit erkennbaren Entwicklungsmöglichkeiten der beste Spielerversteher sein muss: „Ich begegne den Spielern auf Augenhöhe, nehme sie mit und lasse sie mitgestalten. Das ist meine Überzeugung auf dem Weg, das Maximum aus uns allen herauszuholen.“Gabriel Vidović ist Paderborns erster MillioneneinkaufNur wenn alle gemeinsam den Weg nach vorn einschlagen und dabei spüren, dass sie von Woche zu Woche besser in der Bundesliga ankommen, kann das Klassenziel erreicht werden. Die infrastrukturellen Voraussetzungen dafür sind in Paderborn mit einem Kader gegeben, der schon in der vorigen Saison stark genug war, den Bundesliga-Sechzehnten VfL Wolfsburg in der zweiteiligen Relegation besiegen zu können. Spieler wie der 22 Jahre alte Innenverteidiger Jonah Sticker, der 21 Jahre alte US-amerikanische Mittelfeldspieler Santiago Castañeda oder auch der erst 22 Jahre alte deutsch-italienische Mittelstürmer Stefano Marino sind auf einem guten Weg, auch in der Bundesliga von sich reden zu machen.Dazu kommen neue Profis wie Torhüter Nahuel Noll, ausgeliehen von der TSG Hoffenheim, der Spielgestalter Laurin Ulrich, ausgeliehen vom VfB Stuttgart, oder der aus Hoffenheim ausgeliehene Außenstürmer Deniz Zeitler, dessen Tempo und Direktheit Kettemann beim Testspielsieg über den Klassenkonkurrenten 1. FC Köln auf Anhieb begeisterten. „Deniz ist ein Torjäger mit enormer Geschwindigkeit“, lautete der erste Eindruck des Trainers.Zu all den Talenten des in der Zweiten Bundesliga seit Jahren im oberen Tabellendrittel heimisch gewesenen SCP ist nun auch der erste Millioneneinkauf des Klubs gekommen: Die Paderborner haben gegen ein Entgelt von drei Millionen Euro den 22 Jahre alten, vielfältig einsetzbaren Offensivspieler Gabriel Vidović verpflichtet, der zuletzt mit Dinamo Zagreb die 26. kroatische Meisterschaft feierte. Er ist beim FC Bayern München ausgebildet worden und kam dort auf acht Einsätze für die Profis. Vidović ist dazu auserkoren, den Paderborner Sturm und Drang anzuführen und mit Toren und kreativen Auftritten voranzugehen.Sebastian Lange, der Geschäftsführer Sport beim Bundesliga-Rückkehrer, hat den Deal mit Vidović geduldig eingefädelt und abgeschlossen. Er genießt das Privileg, bei seinem Heimatverein „arbeiten zu dürfen“. Der in sich ruhende 38 Jahre alte Ostwestfale personifiziert das entspannte, freundliche Betriebsklima in dem Verein, für den er früher spielte. „Nur wenn du dich wohlfühlst“, sagt Lange, „bist du leistungsfähig. Uns zeichnet immer aus, dass wir über die Gruppe und den Zusammenhalt kommen, weil wir ein familiärer Verein sind.“Der junge Kader bedeutet Chance und Risiko gleichermaßenDer Paderborner Sportchef hebt hervor, „dass wir zu achtzig bis neunzig Prozent Spieler haben, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen“. Was beim Blick auf die neue Saison gleichermaßen Chance und Risiko bedeuten kann. Lange sieht vor allem die Chance, wenn er sagt: „Es ist etwas anderes, wenn ich die Gier habe, in die Bundesliga zu kommen, als wenn ich das schon sieben, acht Jahre gemacht habe. Das prägt die Einstellung und Arbeitsleistung.“Sein Auftrag auf dem Weg des Klubs zurück in die Bundesliga war auch, die Abgänge von wichtigen Stammspielern wie Mika Baur (Celtic Glasgow), Filip Bilbija (Derby County), Calvin Brackelmann (FC Augsburg) oder Torwart Dennis Seimen (zurück zum VfB Stuttgart) so gut wie möglich zu kompensieren. Er weiß, dass eine Reihe von schweren Prüfungen auf den Bundesliga-Rückkehrer warten, blickt aber auch vorfreudig auf die Mannschaften, „mit denen wir das Spiel offenhalten können. Da wollen wir zeigen, dass wir auf der gleichen Höhe oder besser sind.“Auch wenn Lange bedächtiger als der impulsive Kettemann argumentiert, beschreibt er das Ziel der bevorstehenden Abenteuerreise doch voller Zuversicht. „Leidenschaftlich, intensiv, mutig und selbstbewusst soll unser Fußball sein. Wir wollen darauf hinarbeiten, dass wir mehr in das Spiel investieren als der Gegner. Und ich bin optimistisch, dass wir unseren Fußball durchsetzen können. Wir sind stark im Kollektiv, haben aber auch viel individuelle Klasse in der Mannschaft und wollen Geschichte schreiben.“
Wie Ralf Kettemann den SC Paderborn in der Bundesliga halten will
Der SC Paderborn kehrt mit einer jungen Mannschaft und kleinem Budget in die Bundesliga zurück. Trainer Kettemann setzt darauf, dass der Außenseiter seine Chance in der unterschätzten Stärke des Kollektivs findet.










