Uwe Hünemeier aus Rietberg im Kreis Gütersloh steht jetzt schon zum dritten Mal im Goldenen Buch der Nachbarstadt Paderborn. Das hat der 40-Jährige sogar dem Bundeskanzler Friedrich Merz voraus, der sich Ende Juli erstmals in den Ehrenwälzer der ostwestfälischen 155 000-Einwohner-Stadt eingetragen hat. Hünemeier war an allen drei Bundesliga-Aufstiegen des SC Paderborn beteiligt: 2014 und 2019 als Abwehrspieler und jüngst im Mai als Co-Trainer.„1. Fußball-Bundesliga, wir sind wieder da!“, steht mit Datum vom 25. Mai 2026 im Goldenen Buch. Es folgen auf vier Doppelseiten die Unterschriften aller Spieler. Es war das dritte Mal, dass ein ausgelassener SCP-Tross im Rathaus aufschlug. Paderborn feierte den ersten Aufstieg 2014 unter dem Trainer André Breitenreiter, den zweiten 2019 unter Steffen Baumgart, den dritten nun unter Ralf Kettemann.Aufsteiger SV Elversberg:Der 59. Klub der Bundesliga ist ein Chihuahua13 000 Einwohner, im Stadion mehr Steh- als Sitzplätze, der Kader so teuer wie bei Gegnern einzelne Spieler: Die SV Elversberg aus dem Saarland startet mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen in ihr Erstliga-Abenteuer.Im Telefonat mit der SZ witzelt Hünemeier, er würde sich nächstes Jahr gerne zum vierten Mal ins Goldene Buch eintragen, dann aus dem Anlass, dass man erstmals den Klassenerhalt geschafft hätte. Das ist bislang nie gelungen. Diesmal sieht er bessere Chancen. „Der SCP ist in den letzten zwölf Jahren ein besserer Verein geworden, hat eine absolut positive Entwicklung genommen“, sagt Hünemeier: „Wir sind gewachsen, haben eine große Nähe und kurze Wege. Alle arbeiten hier mit ganz viel Herz.“ Dass es dem Klub finanziell und strukturell besser geht als beim ersten Aufstieg vor zwölf Jahren, erhöht die Chancen. „Hier wurde etwas geschaffen, wir haben jetzt noch bessere Möglichkeiten. Wir rechnen uns Chancen aus und wollen Geschichte schreiben“, sagt Hünemeier.Emotionale Unterschiede hat er bei den drei Aufstiegen ausgemacht. „2014 war das gar nicht richtig greifbar – das Wunder von Paderborn“, sagt er, „2019 habe ich es dann viel mehr wahrnehmen und genießen können, auch weil ich schon älter war.“ Und jüngst im Mai? „Da war es wieder auf eine andere Art, auch in der Rolle als Co-Trainer, etwas sehr Besonderes. Es war eine sensationelle Saison mit einem unfassbar emotionalen Ende und dem Aufstieg.“Hünemeier spürt „eine Riesen-Euphorie in der ganzen Stadt“Am 25. Mai gewann Paderborn als Zweitliga-Dritter das Relegationsrückspiel mit 2:1 in der Verlängerung gegen den Bundesliga-Drittletzten VfL Wolfsburg. Eigentlich kein Wunder mehr, denn Hünemeier ist absoluter Aufstiegsexperte. Außer den drei Malen mit Paderborn ist er auch 2017 mit Brighton in die englische Premier League aufgestiegen. Wenn man ihn also fragt, welchen Faktor es für einen Aufstieg benötige, dann sagt er: „Viele Menschen, die groß denken, daran glauben und eine starke Identität besitzen.“ Genau das präge die Paderborner.Erfolgreiches Trainergespann: Paderborns Chefcoach Ralf Kettemann (rechts) und sein Assistent Uwe Hünemeier (links).Wolfgang Zink/ImagoDas dritte Bundesliga-Abenteuer beginnt am kommenden Samstag in Mainz. Das Heimdebüt ist eine Woche später gegen Freiburg. Hünemeier spürt „eine Rieseneuphorie in der ganzen Stadt“. Ungewöhnlich mutet an, dass den Klub trotz des Aufstiegs relevante Spieler verlassen haben. Spielmacher Mika Baur wechselte zu Celtic Glasgow, Torjäger Filip Bilbija zu Derby County in die zweite englische Liga, Innenverteidiger Calvin Brackelmann zum Bundesligisten FC Augsburg, und der ausgeliehene Torwart Dennis Seimen musste an den VfB Stuttgart zurückgegeben werden. Alle hatten maßgeblichen Anteil am Aufstieg.Diese Weggänge kompensieren sollen Gabriel Vidovic von Dinamo Zagreb, Marvin Pieringer vom 1. FC Heidenheim, Oliver Batista Meier und Jano ter Horst vom Zweitliga-Absteiger Preußen Münster. Dazu die Leihgaben Deniz Zeitler von der TSG Hoffenheim und Laurin Ulrich vom VfB Stuttgart sowie der ebenfalls ausgeliehene Torwart Nahuel Noll aus Hoffenheim. In den Stürmern Steffen Tigges und Sven Michel haben nur zwei Spieler relevante Bundesliga-Erfahrung. Sechs weitere Spieler kommen auf einzelne Einsätze. Aber so haben sie es in Paderborn schon immer gehalten: mit unbekannten Namen und Leihspielern. „Das ist der Paderborner Weg“, sagt Sportchef Sebastian Lange.Dass Paderborn neben Elversberg von allen Experten als Abstiegsfavorit genannt wird, überrascht Lange nicht. „Es geht für uns vielmehr darum, dass Spieler sich hier zu tollen Spielern entwickeln“, erklärt er. Der SCP sei als Verein diesmal weiter als beim ersten und zweiten Aufstieg vor zwölf und sieben Jahren. Trotzdem erwartet niemand in Paderborn, dass der Klub nun dauerhaft in der Bundesliga spielt. Bürgermeister Stefan-Oliver Strate sieht schon allein durch den Aufstieg einen Imagegewinn für die Stadt: „2027, im Jahr des 1250-jährigen Bestehens der Stadt, wird Paderborn durch unsere Fußballer auch bundesweit in den Blickpunkt rücken.“