Als offensiver Mittelfeldspieler ist Ralf Kettemann über die Dritte Liga bei den Stuttgarter Kickers oder dem VfR Aalen nicht hinausgekommen. Wollte er womöglich auch nicht, weil er früh andere Ambitionen hatte. Da war zum einen eine Verletzungshistorie, die ihm signalisierte, „dass mein Körper offenbar keine Lust auf Profifußball hatte“. Zudem wollte der damals 24 Jahre alte Kettemann auch vorankommen in seinem Lehramtsstudium mit den Fächern Englisch und Sport.Außerdem fand der Schwabe aus Crailsheim im Hohenloher Land mehr und mehr Gefallen daran, als Trainer Einfluss auf das Spiel mit den unendlichen Möglichkeiten nehmen zu können. Er machte als Spielertrainer beim TSV Ilshofen, einem Bezirksligaverein nahe Crailsheim, seine ersten praktischen Erfahrungen. Dazu erwarb er seine ersten Trainerscheine.Kettemann spürte bei seinen Do-it-yourself-Erfahrungen rasch, dass der Fußballlehrerberuf seine eigentliche Bestimmung sein könnte. Ihm gelangen erste Erfolge mit seiner Mannschaft, die er in die Landesliga und in die Oberliga führte. Sein Studium gab er auf, als er spürte, dass er in seinem neuen Beruf Karriere machen könnte.Als Assistenztrainer der zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim erweiterte er sein Know-how wie danach als A-Jugendtrainer beim Zweitligaklub Karlsruher SC zwischen 2021 und 2025. Und dann war sie da, die Gelegenheit, im Profifußball als mittlerweile mit der Pro Lizenz ausgestatteter Cheftrainer erste Spuren zu hinterlassen. Der jederzeit freundliche, aber auch zielstrebige Kettemann war den Scouts des SC Paderborn ob seiner exzellenten Arbeit aufgefallen und unterschrieb im vorigen Sommer dann einen Vertrag beim ostwestfälischen Zweitligaklub.Ein knappes Jahr später kann der Außenseiter SCP als Zweitligadritter an diesem Donnerstag (20.30 Uhr und im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga-Relegation, bei Sat.1 und Sky) beim favorisierten Drittletzten der Bundesliga, dem VfL Wolfsburg, und am Pfingstmontag beim Rückspiel in Paderborn nach 2014 und 2019 zum dritten Mal in die Bundesliga aufsteigen. Die Zutaten des Trainers, die den Paderbornern mit ihrem intensiven Fußball schon in der Zweitligasaison sehr gutgetan haben, sind dabei klar erkennbar.Der dritte Paderborner Aufstiegstrainer?Was Kettemann neben allen fachlichen Qualitäten beherrscht, ist ein sehr angenehmer Umgang mit seinen Profis, die er in all seine Überlegungen und Entscheidungen kooperativ einbezieht. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland hat dieser Fußballlehrer ohne Imponiergehabe einmal gesagt, dass sich „das Thema Hierarchie“ im Fußball „verändert“ habe. „Es wird flacher“, hob Kettemann hervor, der Wert darauf legt, dass sich seine Spieler „abgeholt fühlen“, denn: „Ich kann fachlich noch so gut sein, wie ich will, es muss von Mensch zu Mensch funktionieren.“Seine Autorität hat dabei, ablesbar auch am Erfolg der Paderborner Mannschaft, nicht gelitten. Zumal er klarstellt: „Am Ende bin es aber ich, der das letzte Wort hat.“ Bei einer der jüngsten Zweitligamannschaften kommt dieser etwas andere Coach mit seinem Auftreten im Alltag und rund um die Spiele bestens an, zumal er sein Trainerhandwerk von der Pike auf gelernt hat. Einer beachtlichen Karriere des Ralf Kettemann steht fürs Erste nichts im Weg. Daran würde auch eine verlorene Relegation nichts ändern.Sollte es aber anders kommen, hat dieser Fußballtrainer mit einer verheißungsvollen Perspektive auch schon gesagt: „Wenn der Fußball mich nicht mehr haben will, ist das okay. Ich traue mir zu, unabhängig davon glücklich zu sein.“ Schöner für ihn wäre es indes, wenn er am Ende dieser Saison sein Glück kaum fassen könnte. Dann nämlich wäre er nach André Breitenreiter und Steffen Baumgart der dritte Trainer, der den SC Paderborn in die Bundesliga geführt hätte.
SC Paderborn mit Trainer Ralf Kettemann in Bundesliga-Relegation
Durch flache Hierarchien und einen kooperativen Führungsstil führt Ralf Kettemann den SC Paderborn in die Bundesliga-Relegation. Auch weil sein persönliches Glück nicht allein vom Fußball abhängt.














