Gleich nach dem Schlusspfiff, als das 0:0 amtlich war, wurde irgendwie doch nach einem Sieger gesucht. Im Relegationsduell zwischen Erstligist VfL Wolfsburg und Zweitligist SC Paderborn geht es gerade auch darum, wer nach außen deutlich dokumentiert: Wir wollen das unbedingt schaffen!Als sich Ralf Kettemann in kurzer Hose und nickend auf den Weg machte, seinen Spielern zu einem Teilerfolg zu gratulieren, signalisierte seine Körpersprache Zufriedenheit und Stolz. „Ich habe eine brutale Leidenschaft der Jungs gesehen. Die Haltung zum Spiel war top“, sagte der Cheftrainer jener Paderborner Mannschaft, die ganz offenbar auch viel Lust auf das Rückspiel am Pfingstmontag (Anpfiff 20.30 Uhr) hat. Die große Chance, den VfL Wolfsburg aus Deutschlands bester Fußballliga zu verdrängen, ist zum Greifen nah.Die ungeklärte Wolfsburger FrageAls die Trainer und Spieler beider Vereine in die Analyse des torlosen Kräftemessens gingen, hörten sich viele ihrer Aussagen wie das berühmte Pfeifen im dunklen Wald an. Niemand mochte sich eine Blöße geben. Natürlich hat keiner der Protagonisten Angst vor dem Scheitern, sondern wird von purer Leidenschaft und Zuversicht getragen.So versuchte auch Wolfsburgs Spielgestalter Christian Eriksen den aus Sicht des VfL eher misslungenen Abend vorteilhaft zu erklären. „Wir hatten das Spiel fest im Griff. Am Montag müssen wir das Tor treffen. Und das werden wir auch schaffen“, meinte der Däne. Eriksen ist im internationalen Fußball sehr erfahren und nimmt als Wolfsburger Wortführer den Druck von seinem Team. Andererseits steht auch er vor der ungeklärten Frage: Wie wird sich eine Partie, die ein echtes Endspiel ist, in diesem kleinen Stadion in der Paderborner Straße 89 anfühlen?Hecking verzichtet auf direkte KritikDas Remis am Donnerstag in der mit 27.800 Zuschauern ausverkauften Volkswagen Arena hatte sich so angefühlt, als ob der Favorit wirklich wollte, aber nicht so richtig konnte und nicht alles riskieren mochte. Das millionenschwere Ensemble des VfL Wolfsburg hatte die Partie dominiert. Etwas Zählbares wollte jedoch nicht gelingen. „Ich wusste, dass es ein zähes Spiel wird. Aber aus unserem Ballbesitz müssen wir mehr kreieren“, merkte Wolfsburgs Cheftrainer Dieter Hecking an, ohne sein Team direkt zu kritisieren.Zumindest die von ihm eingewechselten Spieler bekamen Denksportaufgaben. Der Kroate Lovro Majer, der Algerier Mohamed Amoura und der Däne Jesper Lindstrøm waren eingewechselt worden, um die Offensive zu beleben. Keiner dieser hochkarätigen Profis sah sich in der Lage, in der Schlussphase wichtige Impulse zu setzen. „Klar wünscht man sich da mehr. Das tut mir ein bisschen weh. Aber das sind auch nur Menschen“, meinte Hecking.Druck ist für den VfL nichts NeuesIm Untergeschoss seines Stadions, in dem nach Spielende die Interviews mit den Spielern und Verantwortlichen geführt werden, hat sich der VfL Wolfsburg zu einer heldenhaften Dekoration entschieden. Auf einer grün gestrichenen Wand sorgt eine riesige Fotocollage dafür, dass ehemalige Größen wie Torjäger Grafite, Torhüter Diego Benaglio und Frauenfußball-Ikone Alexandra Popp jubelnd Pokale in die Höhe recken.Für einen herben Kontrast dazu sorgte Yannick Gerhardt. Der Mittelfeldspieler war mit einer bandagierten Wade und hängendem Kopf an der Wolfsburger Ahnengalerie vorbeigeschlichen. „Wir sind weiterhin zuversichtlich. Wir hatten im letzten Saisonspiel auf St. Pauli ein solches Druckerlebnis schon einmal“, versicherte der angeschlagene Gerhardt. „Wenn es darauf ankommt, sind wir da. Am Ende müssen wir einfach nur ruhig bleiben.“Noch mehr Zuversicht verbreitete mit Dennis Seimen einer der besten Spieler des ersten Relegationsduells. Als der Torhüter des SC Paderborn und sein Team das Wolfsburger Stadion verlassen wollten, wurden sie von den mitgereisten Fans frenetisch gefeiert. „Die rufen meinen Namen. Das geht mir ans Herz“, sagte der Schlussmann, der im Grunde nur gewinnen kann.Entweder kehrt Seimen nach der Saison 2025/26 erst einmal zu Erstligist VfB Stuttgart zurück, der ihn ins Ostwestfälische ausgeliehen hat. Oder er bleibt jenem aufstrebenden Verein erhalten, der SC Paderborn 07 heißt und dem am Montag im finalen Duell mit dem VfL Wolfsburg bundesweit Sympathien sicher sein dürften.
Bunesliga-Relegation: Der SC Paderborn ist bereit für mehr
Für den SC Paderborn fühlt sich das 0:0 in Wolfsburg an wie ein Sieg. Im Relegations-Rückspiel liegt die Chance beim Zweitligateam – und der maximale Druck beim VfL Wolfsburg.











