Ein graues Plastikmodul für den Atari 2600 erregte 1984 die Republik. Darin gespeichert: ein Programmcode, der einen schmalen blauen Fluss auf den Fernseher zeichnet, der sich langsam durch eine grüne Landschaft dahinzieht. Brücken, Boote, Hubschrauber und Panzer tauchen auf, unten in der Mitte das Flugzeug des Spielers. Schüsse – und die getroffenen Objekte verschwinden in einem kurzen Blitz.

Mehr als ein paar Dutzend Pixel sind es nicht. Und doch löste dieses Spiel eine nachhaltige Debatte aus. „River Raid“ wurde als erstes Videospiel überhaupt auf den Index gesetzt. Hersteller Activision stoppte die Auslieferung bestellter Spiele abrupt und lieferte stattdessen den Actionhit „H.E.R.O.“ Damit begann eine Geschichte, in der Games immer wieder zu Symbolen gesellschaftlicher Ängste wurden.

Als Trainingsmaterial gerühmt

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften argumentierte entsprechend. Im Mittelpunkt standen Grafik und Mechanik. Gewalt werde belohnt, Krieg erscheine als Erfolgserlebnis, das Zerstören bringe Punkte und Auszeichnungen. In den Originalakten tauchen Formulierungen auf, die heute absurd wirken: Krieg werde als Abenteuer dargestellt, männliche Tugenden würden spielerisch eingeübt, aggressive Verhaltensmuster könnten trainiert werden.