Die EU wird wenig Rücksicht auf Interessen von kleinen Mitgliedern wie Island nehmen, glaubt der linke Politiker Mímir Kristjánsson.

Ja oder Nein – es ist unmöglich vorherzusagen, wofür sich die Is­län­de­r*in­nen entscheiden werden

Marco Di Marco/ap/dpa

taz: Herr Kristjánsson, Sie sind linker Parlamentarier in Norwegen und warnen die Isländer vor EU-Beitrittsverhandlungen. Warum?

Mímir Kristjánsson: Ich bin zur Hälfte Isländer und bin besorgt, was mit Island geschieht, wenn es der EU beitreten sollte. Und ich fürchte, dass Norwegen dann unter Druck gesetzt werden würde, dasselbe zu tun. Die Zahlen für Island zeigen, dass dort die große Mehrheit der linken Wähler mit Ja stimmen will, teilweise wohl als Reflex gegen die EU-skeptischen Rechtspopulisten. Und das halte ich für einen Trugschluss. Die EU bedeutet mehr Marktorientierung, mehr Geldmacht und weniger demokratische Kontrolle über das Kapital. Ich finde es richtig, als Sozialist in Island auch linke Argumente gegen die EU zu formulieren. In Norwegen waren die immer sehr dominant.taz: Sie nennen die EU in einem Artikel in Islands größter Zeitung Morgunblaðið „eine Maschine, die Macht und Reichtum von der Allgemeinheit an bürokratische und ökonomische Eliten überträgt“. Können Sie der Union gar nichts Positives abgewinnen?