Drei Wochen vor Beginn des Oktoberfests gibt es eine neue Sexismus-Debatte um das größte Volksfest der Welt. Wie die Münchner Boulevardzeitung tz zuerst berichtete, hat das Traditionsfahrgeschäft Teufelsrad vier Frauenfiguren aus Pappmaché umgestaltet, die bislang über dem Eingang hingen. Ihnen wurde züchtigere Kleidung angelegt: Sie tragen nun Radlerhosen unter den Röcken, hochgeschlossene Oberteile, Schuhe.Die Anregung dazu kam von der im Rathaus angesiedelten Gleichstellungsstelle für Frauen sowie der Fachstelle für Demokratie; beide Einrichtungen beraten das für das Oktoberfest zuständige Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW). „Ein Prosit der Prüderie“ überschrieb die Stadtratsfraktion der CSU ihre Medienmitteilung zu dem Vorgang. Sie kritisierte, „dass die Stadtverwaltung ohne vorherige politische Abstimmung in eine jahrzehntealte historische Darstellung eingegriffen hat“. Fraktionschef Manuel Pretzl moniert: „Wer 80 Jahre alte Figuren am Teufelsrad plötzlich zum Problem erklärt, weil nackte Füße zu sehen sind oder eine Figur keine Radlerhose trägt, hat jedes Maß verloren.“Und hier ein Foto von 2025: Die Dekolletés der Frauenfiguren lassen noch deutlich tiefer blicken, auch bedeckt nur eine Blumengirlande den Oberkörper einer Figur.Foto: Stephan RumpfIn einer mit dem RAW und der Fachstelle für Demokratie abgestimmten Antwort auf eine SZ-Anfrage erklärt die Gleichstellungsstelle ihren Vorschlag zur Änderung der Figuren mit den zunehmenden Beschwerden von Frauen über das sogenannte Upskirting, das strafbare Fotografieren oder Filmen unter den Rock. Das geschehe vor allem auf dem Teufelsrad: „Die bisherige Darstellung der Figuren am Teufelsrad spielte mit dem Hochfliegen von Röcken und dem frei werdenden Blick auf den Intimbereich“, heißt es. Zudem bediene „die Darstellung einer schwarzen Frau als einzige Figur ohne Schuhe (...) ein rassistisches Stereotyp“.Insbesondere Mädchen und Frauen sollten sich auf der Wiesn wohlfühlenWiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne) räumt ein: „Ich persönlich hätte diese Umgestaltung nicht angestoßen.“ Dennoch halte sie es für gut, dass die Figuren angepasst wurden. Sie brächten die Lebensfreude und Vielfalt, die das Teufelsrad ausmachen, „weiterhin sehr gut zum Ausdruck“. Auch die SPD-Fraktion betonte, Maßnahmen zu unterstützen, „die dazu beitragen, dass sich alle auf der Wiesn wohl und sicher fühlen – und das gilt insbesondere für Mädchen und Frauen“.Berger und auch die SPD hoben dabei die Kooperationsbereitschaft der Teufelsrad-Betreiberin Elisabeth Polaczy ausdrücklich hervor. „Gerade beim Thema Upskirting hat sie in der Vergangenheit immer wieder reagiert und sich dafür eingesetzt, dass solche Vorfälle nicht mehr vorkommen“, sagte Berger.InstagramDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Instagram angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Instagram angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Elisabeth Polaczy selbst hält die öffentliche Aufregung im Übrigen für übertrieben. „Wir haben die Figuren anders angemalt, sag ich jetzt mal, und damit hat sich die Sache auch“, sagte sie der SZ. Die Stadt habe sie aufgefordert zu reagieren, sie sei dem nachgekommen – damit ist für sie der Fall erledigt.Für die Politik scheint das freilich nicht so zu sein. „Bei Fragen, die das Erscheinungsbild, die Tradition und das kulturelle Selbstverständnis der Wiesn betreffen, darf die Verwaltung nicht eigenmächtig Fakten schaffen“, sagt CSU-Fraktionschef Pretzl. Er fordert bessere Absprachen: „Solche Entscheidungen gehören frühzeitig in einen Interfraktionellen Arbeitskreis.“„Das trägt eher zu weiterer Polarisierung bei“Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) kündigte bereits an, nach der diesjährigen Wiesn „nochmal den Dialog mit der Gleichstellungsstelle zu suchen“. Er verstehe, dass sich gesellschaftliche Maßstäbe verändern, dennoch warb er um Augenmaß: „Solche Debatten können schnell den Eindruck erwecken, Politik und Verwaltung beschäftigten sich mit Dingen, für die viele Menschen wenig Verständnis haben. Das trägt eher zu weiterer Polarisierung bei, als dass es gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert.“Eine längere Debatte über Sexismus und Rassismus auf der Wiesn wegen diverser Abbildungen auf Ständen und Fahrgeschäften hatte es bereits 2023 gegeben. Unter anderem war es um ein Bild gegangen, auf dem ein schwarzer Mann den Dirndlrock einer weißen Frau anhebt und unter diesen schaut. Letztlich einigten sich die Wiesn-Verantwortlichen der Stadt auch damals mit den Betreibern darauf, dass diese die monierten Bilder übermalen lassen.
Oktoberfest München: Sexismus-Debatte um Teufelsrad-Figuren
Radlerhosen und hochgeschnittene Dirndlblusen: Die Stadt lässt vier Pappmaché-Figuren am Teufelsrad züchtigere Kleidung anlegen. Geht hier jedes Maß verloren?







