Iran will Kriegsschiffe in der Strasse von Hormuz verbieten, aber sein Druckmittel verliert an WirkungTeheran hält an seinen Bedingungen zur Öffnung der Meerenge noch immer fest. Doch die Golfstaaten haben einen Weg gefunden, um Erdöl durch die Meerenge zu schleusen: Mit einem teuren Shuttle-Service übernehmen sie die hohen Risiken.28.08.2026, 16.01 Uhr4 LeseminutenBlick auf die omanischen Küstengewässer, in denen derzeit grosse Erdölmengen der arabischen Golfstaaten von einem Schiff aufs andere umgeladen werden.ReutersDie Situation für Katar und Kuwait war bisher besonders prekär. Im Gegensatz zu den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saudiarabien verfügen sie nicht über alternative Exportrouten in Form von Pipelines. Sie müssen ihr Erdöl und ihr Erdgas durch die Strasse von Hormuz auf den Weltmarkt bringen, für die Iran eine Blockade ausgerufen hat. Trotzdem haben die kleinen Golfstaaten nun offenbar einen Weg gefunden, um grosse Mengen ihrer Brennstoffe durch die Meerenge zu bringen. Ihre Exporte auf dem Seeweg hätten 70 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Katar und Kuwait folgen dabei dem Beispiel der Emirate: Ihre staatlichen Energiekonzerne schleusen das Erdöl mithilfe der eigenen Flotte oder zu hohen Kosten geleaster Schiffe durch die Strasse von Hormuz. Die Tanker passieren die Meerenge dabei nachts und mit ausgeschaltetem Transponder, mit dem sich gewöhnlich der Ort, die Geschwindigkeit und die Identität jedes Schiffes verfolgen lässt. Zudem können sich die Schiffe in einem Korridor entlang der omanischen Küste auf den Schutz des amerikanischen Militärs verlassen.Exporte auf zwei Drittel des VorkriegsniveausIm Golf von Oman verladen die Shuttle-Schiffe ihre Ladung auf See dann auf die Tanker der Abnehmer. Dann kehren sie mit ausgeschaltetem Transponder zurück, um eine weitere Ladung abzuholen. So lässt sich die Gefahr, von einer iranischen Drohne oder Rakete getroffen zu werden, auf eine relativ kleine Flotte von Schiffen konzentrieren. Zugleich werde das verbleibende Risiko von privaten Schifffahrtsgesellschaften auf die staatlichen Erdölproduzenten am Golf übertragen, berichtet CNN.Auch die Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass die Erdölexporte aus dem Persischen Golf wieder zwei Drittel des Vorkriegsniveaus erreicht hätten. Die Erdölpreise haben sich in der Folge zwischen 80 und 90 Dollar pro Fass eingependelt. Bis im Mai lagen die Preise teilweise noch deutlich über 100 Dollar.Der Kommandant der amerikanischen Truppen im Nahen Osten, Brad Cooper, verkündete zudem am Freitag: «Wir haben die internationalen Schifffahrtswege in der Meerenge erfolgreich von Minen geräumt, die vor Monaten von den iranischen Revolutionswächtern gelegt wurden.» Der Seeweg sei «offen» für die Schifffahrt. In den vergangenen Monaten habe sein Militär rund 1500 Schiffe durch die Strasse von Hormuz gelotst, die rund 750 Millionen Fass Erdöl auf den Weltmarkt gebracht hätten. Aufgrund der amerikanischen Seeblockade habe Iran gleichzeitig keinerlei Erdöl aus seinen Häfen verschiffen können, sagte Cooper.Der amerikanische Präsident Donald Trump betonte bereits am Dienstag, dass «alle Minen aus den internationalen Gewässern der Strasse von Hormuz» geräumt seien. Doch der stellvertretende iranische Aussenminister Kazem Gharibabadi bezeichnete dies am Mittwoch als reine «Propaganda». Die Meerenge sei immer noch geschlossen und werde erst geöffnet, nachdem Teherans Bedingungen erfüllt worden seien.Laut Gharibabadi hat sich Iran mit Oman temporär auf eine gemeinsame Regulierung der Meerenge geeinigt. So könnten Schiffe nur durch iranisches Küstengewässer in den Persischen Golf gelangen. Verlassen müssten sie ihn durch iranische und omanische Hoheitsgewässer. Die Durchfahrt für Kriegsschiffe soll zudem verboten sein.Teheran möchte verhindern, dass die USA ihre militärische Infrastruktur im Persischen Golf nach dem Krieg wieder aufrüsten können. Die Angst ist gross, dass es in Zukunft zu einem neuen amerikanischen Angriff kommen könnte. Deshalb möchte Iran die Durchfahrt für Kriegsschiffe künftig ausschliessen. Doch ob das Regime in Teheran diese und andere Forderungen noch durchsetzen kann, muss sich zeigen. Je mehr es den arabischen Golfstaaten gelingt, ihr Erdöl durch die Strasse von Hormuz zu exportieren, desto wertloser wird die Meerenge als Druckmittel für Iran.Situation bleibt unberechenbarTrump scheint deshalb wieder daran zu glauben, dass die Zeit in diesem Konflikt für ihn läuft. Er sei «nicht in Eile», um sich mit Teheran auf ein Abkommen zu einigen, sagte er am Mittwoch gegenüber dem katarischen Fernsehsender al-Jazeera. «Wir sind dabei, haushoch zu gewinnen.»Ganz so sicher sollte sich der amerikanische Präsident allerdings nicht fühlen. Die arabischen Golfstaaten haben zwar einen Weg gefunden, um ihr Erdöl unter beträchtlichen Risiken zu exportieren. Sporadisch werden Schiffe in der Meerenge von Hormuz jedoch noch immer von Geschossen getroffen. Und Iran dürfte derzeit nach Wegen suchen, um diese Trefferquote wieder zu erhöhen.Teheran droht nun zudem damit, Schiffe zu konfiszieren oder mit Geldstrafen zu belegen, die sich am Shuttle-Service der Golfstaaten beteiligen oder ihn in Anspruch nehmen. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass der katarische Regierungschef Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani am Donnerstag nach Teheran reiste, um sich für eine Deeskalation einzusetzen.Zwar sind die Erdölpreise derzeit stabil. Aber sie sind immer noch rund 30 Prozent höher als vor einem Jahr. Und sie könnten noch höher sein, hätten die USA und andere Staaten nicht signifikante Mengen ihrer strategischen Erdölreserven auf den Weltmarkt geworfen. Bereits die amerikanische Regierung unter Joe Biden hatte diese Reserven angezapft, um die Folgen des Ukraine-Kriegs zu dämpfen. Nun sind die Erdölreserven in den USA so tief wie seit 1982 nicht mehr. Die Exporte aus dem Persischen Golf haben sich zwar etwas erholt. Aber sie bleiben unberechenbar und sind noch lange nicht auf Vorkriegsniveau. Das dürfte es erschweren, die weltweiten Reserven für die Bewältigung künftiger Krisen wieder aufzufüllen.Passend zum Artikel