Diktiert Teheran jetzt die Bedingungen? Iran und Oman nähern sich einem Abkommen über die Strasse von Hormuz anDas iranische Regime will die Meerenge langfristig kontrollieren. Alles kommt nun auf die Position der USA an.06.08.2026, 15.42 Uhr4 LeseminutenFrachter vor der iranischen Küste in der Stadt Bandar Abbas: Womöglich ist bald eine freie Durchfahrt wieder möglich.Majid Asgaripour / Wana via ReutersIran und Oman haben sich auf eine Schifffahrtsroute durch die Strasse von Hormuz geeinigt. Das teilte das iranische Aussenministerium am Mittwoch mit. Noch seien zwar nicht alle Details eines Abkommens über die gemeinsame Verwaltung der Meerenge vereinbart, aber eine Übereinkunft sei «in den letzten Zügen», heisst es aus Teheran. Die Ankündigung ist ein erstes Zeichen, dass vielleicht schon bald wieder mehr Schiffe die Strasse von Hormuz passieren können – unter iranischer Aufsicht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Denn laut Berichten sieht die Übereinkunft vor, dass Schiffe zunächst entlang iranischer Hoheitsgewässer fahren. Beim Verlassen der Strasse von Hormuz sollen Frachter eine Route nahe der omanischen Küste nehmen. Laut dem iranischen Vizeaussenminister Kazem Gharibabadi geht Irans Kontrolle sogar noch weiter: Schiffe, die das maritime Nadelöhr verliessen, durchquerten teilweise auch Irans Hoheitsgewässer.Der Vorschlag wurde laut dem «Wall Street Journal» den USA und weiteren Staaten in der Region vorgelegt. Diese müssten der Übereinkunft noch zustimmen. Auch Irans oberster Führer, Mojtaba Khamenei, hat offenbar noch nicht sein Einverständnis gegeben.Die Einigung kann also immer noch in letzter Minute scheitern. So sagte Irans Aussenamtssprecher Esmaeil Baghaei, die Übereinkunft mit Oman allein würde die sichere Passage von Schiffen durch die Wasserstrasse nicht ermöglichen. Dafür müssten sich auch die USA an die im April vereinbarte Absichtserklärung halten und die Blockade iranischer Häfen aufgeben.Washington will die Meerenge unbedingt wieder öffnen, allerdings ist unklar, ob sich Donald Trump auf die iranische Kontrolle einfahrender Schiffe einlässt. Der amerikanische Präsident sprach am Dienstag von «grossen Fortschritten» in den Verhandlungen und dass eine Einigung bis Donnerstag erzielt werden könnte.Ein symbolischer Sieg für Teheran«Aus der Sicht Irans ist die sich ankündigende Übereinkunft ein grosser Schritt nach vorne», sagt Rouzbeh Parsi, iranischer Historiker an der Universität Lund im Gespräch. «Aber Teheran braucht immer noch ein langfristiges Abkommen mit den USA – inklusive Aufhebung der Sanktionen.»Der iranische Vize-Aussenminister Gharibabadi sagte am Mittwoch, Teheran führe zwar derzeit keine direkten Gespräche mit den USA. Washington müsse aber zu seinen Verpflichtungen zurückkehren – eine Anspielung auf den ursprünglichen 14-Punkte-Plan zwischen Teheran und Washington. Dieser sah unter anderem ein Ende der Seeblockade und eine weitgehende Aufhebung der amerikanischen Sanktionen gegen Iran vor.Während Donald Trump in den vergangenen Tagen immer wieder behauptet hatte, dass Gespräche mit Iran vorangingen, vertrat Teheran den Standpunkt, ausschliesslich mit Oman zu verhandeln. «Wir erkennen keine Rechte anderer Länder an», sagte Gharibabadi über die aus iranischer Sicht strikt bilaterale Vereinbarung mit Oman.Auf einer symbolischen Ebene sei diese Position für Teheran äusserst wichtig, sagt Rouzbeh Parsi. «Es ist eines der Glaubensbekenntnisse der Islamischen Republik seit ihrer Gründung, dass regionale Angelegenheiten von Ländern in der Region bestimmt werden – und dass die USA keinen Platz darin haben.»Iran gibt sich standhaft: Im Zentrum von Teheran fahren Menschen an einem politischen Plakat der Regierung vorbei.Abedin Taherkenareh / EPAWird Iran eine Maut erheben?Laut Medienberichten wird Iran vorerst keine Maut für die Durchfahrt von Schiffen erheben. Die vorübergehende Übereinkunft ist laut Berichten eine Übergangslösung für eine Dauer von 60 Tagen. Währenddessen würden Washington und Teheran an den Verhandlungstisch zurückkehren. Doch behalte Iran die Möglichkeit, künftig möglicherweise «freiwillige» Gebühren für Dienstleistungen in der Strasse von Hormuz zu erheben.In den Golfstaaten, die besonders von dem Wasserweg abhängig sind, herrschte zunächst Erleichterung über einen möglichen Durchbruch. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hatte Iran explizit damit gedroht, die Energieinfrastruktur der Petrostaaten ins Visier zu nehmen, falls der Krieg mit den USA nicht ende. Gleichzeitig sind die arabischen Länder besorgt, was eine stärkere iranische Kontrolle des Persischen Golfs bedeuten könnte.«Oman hat einen phantastischen Job gemacht», sagt Mohammed Baharoon, Direktor der emiratischen Denkfabrik für Aussenpolitik B’huth mit Sitz in Dubai. «Es versucht einen Kompromiss mit den Iranern zu finden, während es gleichzeitig die Grundsätze der freien Schifffahrt wahrt.» Das Abkommen zwischen Oman und Iran sei an die Übereinkunft in der Strasse von Malakka angelehnt, wo Malaysia, Indonesien und Singapur freiwillige Gebühren für Umweltschutz oder Navigation erheben.Der Unterschied zur Strasse von Hormuz wäre allerdings, dass wohl vor allem Iran von möglichen Gebühren profitieren würde und unklar ist, wofür Teheran entschädigt werden sollte – vor Kriegsbeginn waren keine Zahlungen für die Nutzung der Wasserstrasse vonnöten.«Das sind optionale Gebühren – und ist keine Maut», sagt Mohammed Baharoon über die mögliche Einigung zwischen Iran und Oman. Allerdings stellt er klar, dass Iran für die Zahlung von Gebühren auch tatsächliche Dienstleistungen anbieten muss. «Wenn es keine Dienstleistungen gibt, dann wären die Zahlungen nichts anderes als Erpressung.» Eine Priorität für viele Golfstaaten wie auch die Vereinigten Arabischen Emirate sei es, möglichst bald wieder eine uneingeschränkte Durchfahrt durch die Strasse von Hormuz zu gewährleisten, sagt Baharoon.Die USA scheinen an einer Lösung interessiert zu seinSchliesslich hängt alles daran, ob die USA bei der iranisch-omanischen Lösung mitspielen. In den vergangenen Tagen haben sich die Zeichen gemehrt, dass Washington zu Zugeständnissen bereit ist. So entfernte das amerikanische Finanzministerium am Mittwoch eine irakische Fluggesellschaft von seiner Sanktionsliste. In der Vergangenheit hatte Washington der Airline vorgeworfen, mit den iranischen Revolutionswächtern zu kooperieren.Ebenso berichtete der israelische Fernsehsender Kanal 12, dass die amerikanische Luftwaffe Tankflugzeuge vom Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv abgezogen habe. Diese würden für erneute Luftangriffe gegen Iran benötigt werden.Bis zu einer endgültigen Einigung bleibt die Lage am Persischen Golf jedoch angespannt. Am Mittwochabend meldete die von der britischen Marine geführte Organisation für Seehandel UKMTO zwei Explosionen in der Nähe eines Tankers, der die Strasse von Hormuz durchqueren wollte.Passend zum Artikel
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