Der Sultan von Hormuz? Warum Oman jetzt mit Iran über die Zukunft der Meerenge berätAmerikanische Gesandte wollen in Doha mit den Iranern verhandeln. Doch Teheran diskutiert lieber mit Oman über eine gemeinsame «Verwaltung» der Strasse von Hormuz. Was verspricht sich das Sultanat davon?01.07.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenWird er bald gemeinsam mit Iran die Strasse von Hormuz kontrollieren? Der Sultan von Oman, Haitham bin Tarik, bei einem Besuch in Frankreich.Michael Baucher / ImagoIran wählt seine Verhandlungspartner dieser Tage sorgfältig aus. Eigentlich sollten Vertreter Teherans am Dienstag in Katar auf den amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff und Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner treffen, die nach Doha gereist sind. So hatten es die USA zunächst mitgeteilt. Zwar weilt eine iranische Delegation ebenfalls in Doha. Doch sprechen die Iraner nur mit den katarischen Vermittlern. Kushner und Witkoff tauschen sich ebenfalls mit den Katarern über die brüchige Waffenruhe am Persischen Golf aus.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Während Teheran die USA also abblitzen lässt, sucht die Islamische Republik das Gespräch mit Oman. Am Montag verhandelten iranische Gesandte in der Hauptstadt Maskat mit dem Sultanat über eine gemeinsame «Verwaltung» der Strasse von Hormuz. Teheran versteht unter dieser Verwaltung offenbar ein System, unter dem Schiffe für die Passage der Meerenge eine Gebühr entrichten müssen.Zwar hatte das Land im Südosten der arabischen Halbinsel unter der Führung von Sultan Haitham bin Tarik in der Vergangenheit ausgeschlossen, gemeinsam mit Iran ein Mautsystem in der Wasserstrasse zu etablieren. Doch gleichzeitig will der Sultan Iran nicht vor den Kopf stossen. Dafür nimmt Oman sogar den Zorn der anderen Golfaraber in Kauf – und den der USA.Warum verbrüdert sich Oman mit Iran?Oman unterhielt immer schon enge Beziehungen zu Iran, verstand sich dabei allerdings als neutral. So vermittelte Oman auch zwischen den USA und Iran, bevor der Krieg am 28. Februar ausbrach. «Die omanische Aussenpolitik im 20. Jahrhundert hatte immer auf dem Grundsatz beruht, dass Iran eine geopolitische Naturgewalt ist, die man einbinden statt ihr die Stirn bieten sollte», sagt Ryan Bohl von der geopolitischen Beratungsfirma Rane im Gespräch.Ausserdem geht die Angst in Maskat um. Sollte der Sultan die Iraner verärgern oder der Krieg wieder ausbrechen, wäre sein Land eines der Leidtragenden. Ein iranischer Angriff auf ein Schiff in omanischen Hoheitsgewässern war vor wenigen Tagen der Auslöser des neuerlichen Schlagabtauschs in der Strasse von Hormuz gewesen.Oman ist auch wegen seiner geografischen Lage auf ein gutes Verhältnis mit Iran angewiesen. Oman teilt eine Grenze mit dem Bürgerkriegsland Jemen. Sollten dereinst die mit Iran verbündeten Huthi das gesamte Territorium Jemens kontrollieren, ist Maskat auf Koordination mit Teheran angewiesen, um die jemenitischen Stammeskrieger im Zaum zu halten.Iran verfügt über einige Druckmittel gegenüber Oman. Maskat hingegen kann allein in den Gesprächen über die Strasse von Hormuz womöglich noch etwas für sich herausschlagen. Daher hat Oman laut Ryan Bohl eingewilligt, die Verhandlungen über die gemeinsame Verwaltung zu führen.Der Golf-Experte geht davon aus, dass der Sultan und seine Entourage vor allem eine Hinhaltetaktik gegenüber den Iranern verfolgen: «Oman wird versuchen, die Gespräche in die Länge zu ziehen, um die Schifffahrt wieder zu normalisieren», sagt Bohl. «Denn ein Mautsystem nach iranischer Vorstellung würde auch den omanischen Interessen zuwiderlaufen.»Ein Mann in der omanischen Hauptstadt Maskat blickt auf Frachter: Bisher hatte Oman eine neutrale Rolle eingenommen. Schlägt es sich jetzt wegen der Krise in der Strasse von Hormuz auf die Seite Teherans?Elke Scholiers / GettyWelche Chance hat ein Mautsystem in Hormuz?Zwar werde in Maskat auch die Sicht vertreten, dass eine mögliche gemeinsame Verwaltung der Strasse von Hormuz finanzielle Vorteile bringe, sagt Yasmine Farouk. Die Projektdirektorin für die Golfstaaten der International Crisis Group meint aber, dass das Sultanat grundsätzlich an einem Ausgleich interessiert sei: «Oman hat in den vergangenen Wochen gemeinsam mit der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation der Uno versucht, einen Kompromiss zu finden, der Iran zufriedenstellt und den die internationale Gemeinschaft akzeptieren kann.»Sollte ein von Iran kontrolliertes Mautsystem etabliert werden, dürfte sich dies auch negativ auf Oman auswirken. Reedereien würden langfristig auf andere Exportwege ausweichen, etwa über das Rote Meer. Den eigenen Ambitionen Omans, ein Handelsknotenpunkt zwischen der Arabischen Halbinsel und Südasien zu werden, wäre das abträglich.Zudem drohen weitere Risiken. Ende Mai hatte Donald Trump angekündigt, Oman «in die Luft zu sprengen», falls sich das Sultanat nicht «gut verhalte». Diese Drohung sprach der amerikanische Präsident vor dem Hintergrund der engeren Koordination zwischen Maskat und Teheran aus. Zwar hält Yasmine Farouk einen amerikanischen Militärschlag gegen Oman für unwahrscheinlich. «Allerdings können Sanktionen oder andere Zwangsmassnahmen dieser amerikanischen Regierung gegen Oman nicht ausgeschlossen werden.»Tanker und Frachtschiffe ankern vor Maskat: Mit den Verhandlungen um die Meerenge von Hormuz wagt Oman einen diplomatischen Drahtseilakt.Elke Scholiers / GettyWie blicken die Golfstaaten auf Omans Avancen?Nicht nur die USA sind argwöhnisch. Auch die restlichen Golfstaaten schauen kritisch auf die mögliche gemeinsame Verwaltung der Strasse von Hormuz. Schon zu Beginn des Kriegs hatte das Sultanat den Zorn der Nachbarstaaten auf sich gezogen, als Omans Aussenminister Badr al-Busaidi im «Economist» die iranischen Angriffe auf den Golf als «unvermeidlich» bezeichnet hatte.Vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben sich seit Kriegsbeginn als antiiranischer Falke unter den Golfstaaten hervorgetan. «Die Vereinigten Arabischen Emirate haben fast jede Hoffnung aufgegeben, dass eine Einigung mit Iran erzielt werden kann», sagt die ehemalige Botschafterin Najla al-Kassimi im Gespräch. Kassimi hatte in der Vergangenheit die VAE in mehreren europäischen Ländern vertreten.Auch wenn die Emirate den Verhandlungen zwischen Oman und dem Iran eine geringe Chance einräumten, zögen die VAE eine klare Grenze: Laut Kassimi sind die Emirate der Ansicht, dass Gebühren für die Verwaltung der Strasse von Hormuz ausschliesslich nach internationalem Recht festgelegt werden dürfen. Eine Maut ist gemäss dem Uno-Seerechtsübereinkommen von 1982 in der Meerenge nicht zulässig.Andere Staaten wie Katar und Saudiarabien setzen verstärkt auf diplomatisches Engagement mit Iran und dürften über den zusätzlichen Gesprächskanal in Maskat nicht gänzlich unglücklich sein. So besuchte Katars Ministerpräsident Mohammed Al Thani vergangene Woche Oman, um mit dem Sultan über die Strasse von Hormuz zu beraten.Oman setzt darauf, dass alle beteiligten Staaten ein baldiges Ende des Chaos rund um die Meerenge bevorzugen – und schliesslich die Vermittlertätigkeit des Sultanats honorieren. Doch bisher beharrt Iran darauf, den maritimen Knotenpunkt dauerhaft zu kontrollieren, während die USA und die Golfaraber dies vehement ablehnen. Der Weg zu einer Verhandlungslösung dürfte ein weiter sein – Oman beschreitet diesen auf einem diplomatischen Drahtseil.Passend zum Artikel