Es hat in Frankfurt mittlerweile Tradition, dass alle fünf Jahre die hauptamtliche Stadtregierung in weiten Teilen umgekrempelt wird. Das betrifft nicht nur die Personen, die wegen wechselnder politischer Mehrheit ausgetauscht werden. Auch Ämter und Zuständigkeiten werden immer wieder zwischen den verschiedenen Dezernaten hin- und hergeschoben.Nach der Wahl von vier neuen Dezernenten und der 14 ehrenamtlichen Mitglieder am Donnerstagabend im Stadtparlament hat sich der oft als Stadtregierung bezeichnete Magistrat grundlegend gewandelt. Die FDP stellt keine Hauptamtlichen mehr, die Grünen mussten zwei Posten aufgeben. Dafür ist die CDU nach fünf Jahren Pause wieder mit in der Verantwortung.Neben Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) gibt es zunächst weiterhin elf hauptamtliche Dezernenten – es ist ein Zwölferrat, der die Geschicke der Stadt leitet. Erst in zwei Jahren, wenn die Amtszeiten von Kulturdezernentin Ina Hartwig und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (beide SPD) auslaufen, wird eine der beiden Stellen nicht wieder besetzt. Die Aufgaben der betroffenen SPD-Dezernentin gehen dann an die Grünen. So ist es im Vertrag der Bündnispartner von CDU, Grünen, SPD und Volt vereinbart. Die endgültige Entscheidung darüber, wer welche Aufgaben übernimmt, trifft aber der Oberbürgermeister.Diversitätsdezernat nicht mehr eigenständigDie wichtigste organisatorische Änderung ist die Auflösung des bisher eigenständigen Dezernats für Diversität, Antidiskriminierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt, das von Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) geleitet wurde. Sie wurde abgewählt, ihre Aufgaben übernimmt zusätzlich ihre Parteikollegin und Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez. Die Zahl der Dezernate bleibt dennoch gleich, da das bisher dem Bildungsdezernat zugeordnete Baudezernat wieder eigenständig wird. Der Frauenanteil im hauptamtlichen Magistrat sinkt von 66 Prozent auf 50 Prozent.Seit diesem Freitag setzt sich der hauptamtliche Magistrat aus diesen zwölf Personen zusammen:Oberbürgermeister Mike Josef (SPD)Mike JosefEmil EichingerDer Diplom-Politologe ist zwar erst 43 Jahre alt, gehört mittlerweile aber zu den erfahrensten Politikern im Magistrat. 2016 wurde er erstmals in den Magistrat gewählt, übernahm damals das Amt des Planungsdezernenten. Seit 2023 ist er Oberbürgermeister und damit Vorsitzender des Magistrats. Anders als seine Vorgänger hat er sich darüber hinaus eine fachliche Zuständigkeit gesichert. Seiner persönlichen Neigung entsprechend kümmert er sich um den Sport. Zusätzlich übernimmt der Vater zweier Kinder künftig die bisher im Wirtschaftsdezernat angesiedelte Verantwortung für das Stadtmarketing. Josef wurde in Syrien geboren. Als Teil der christlichen Minderheit verließ seine Familie 1987 das Land. Nach Frankfurt kam Josef zum Studium.Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent Nils Kößler (CDU)Nils KößlerJanek StempelDer Terminkalander des neuen Wirtschaftsdezernenten ist bereits gut gefüllt. Am Dienstag besucht Nils Kößler die Berger Tierschau, bei der Landwirte ihre Produkte präsentieren, wenige Tage später macht er sich bei der Veranstaltung „Open Viertel“ mit der Situation im Bahnhofsviertel vertraut. Beobachter waren überrascht, dass der 48 Jahre alte CDU-Kreisvorsitzende nicht neuer Stadtkämmerer geworden ist, sondern sich für das weniger einflussreiche Wirtschaftsdezernat entschieden hat. Der Jurist und frühere Richter ist zudem für das städtische Rechtsamt zuständig. Als Bürgermeister ist er Vertreter des Oberbürgermeisters mit zahlreichen Repräsentationsaufgaben. Er wird als ranghöchster CDU-Politiker im Magistrat der Kopf der neuen Koalition sein.Stadtkämmerin Susanne Serke (CDU)Susanne SerkeAaron LeithäuserErstmals übernimmt eine Frau im Magistrat die Verantwortung für die Stadtfinanzen. Die fachlichen Voraussetzungen dafür bringt Susanne Serke mit: Die Bankkauffrau und Betriebswirtin, die in wenigen Tagen 47 Jahre alt wird, war mehr als zwei Jahrzehnte in einem Frankfurter Kreditinstitut tätig. Bekanntheit erlangt hat sie vor allem als Ortsvorsteherin im Frankfurter Westen. Dieses Amt übte sie zehn Jahre lang bis zum vergangenen Mai aus. Der Stadtverordnetenversammlung gehörte sie seit 2021 an, dort war sie wohnungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. In den Koalitionsverhandlungen spielte sie neben Parteichef Nils Kößler eine zentrale Rolle. Die Sossenheimerin ist mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Uwe Serke verheiratet.Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD)Marcus GwechenbergerAnjou VartmannMit den Zuständigkeiten für Planen und Wohnen hat Marcus Gwechenberger bereits das für die Stadtentwicklung wichtigste Ressort im Magistrat. Jetzt bekommt der Diplom-Geograph und Professor für Urbane Transformation zusätzlich eine für die Stadtverwaltung bedeutende interne Aufgabe. Er übernimmt das bisher beim Stadtkämmerer angesiedelte Personal- und Organisationsamt. Damit hat er eine einflussreiche Position im Magistrat und nimmt innerhalb der SPD-Dezernenten eine Schlüsselrolle ein. Bevor er 2023 in den Magistrat gewählt wurde, war der in Viernheim geborene Gwechenberger, der vor wenigen Tagen 50 Jahre alt geworden ist, sieben Jahre lang Referent seines Amtsvorgängers, des heutigen Oberbürgermeisters Mike Josef.Digitaldezernentin Eileen O’Sullivan (Volt)Eileen O’SullivanMaximilian von LachnerSie ist seit fünf Jahren hauptamtliche Dezernentin und immer noch die Jüngste im Magistrat. Es war die große Überraschung, dass die 30 Jahre alte Eileen O’Sullivan trotz der Bildung einer neuen Koalition im Amt geblieben ist. Die fünf Mandate ihrer Partei Volt werden nämlich im Stadtparlament nicht für die Mehrheitsbildung gebraucht. Die Grünen bestanden dennoch darauf, dass Volt als Kooperationspartner der Koalition auch künftig eine Rolle spielt. O’Sullivan, als Kind türkisch-irischer Eltern in Bad Soden am Taunus geboren, wird sich somit weiterhin um Digitalisierung, Bürgerbeteiligung und internationale Angelegenheiten kümmern. Zum Ressort der frisch verheirateten Dezernentin gehört auch das Bürgeramt, das unter anderem die Wahlen organisiert.Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD)Ina HartwigAnjou VartmannSie gehört zu den erfahrensten Mitgliedern des hauptamtlichen Magistrats: Seit zehn Jahren ist Ina Hartwig für das Ressort Kultur und Wissenschaft zuständig. In dieser Funktion verantwortet die frühere Journalistin und Literaturkritikerin einen der größten kommunalen Kulturetats in Deutschland. Als sie 2016 erstmals in den Magistrat gewählt wurde, war sie innerhalb der SPD noch weitgehend ein unbeschriebenes Blatt. Das hat sich im Lauf der Jahre geändert. Mittlerweile ist sie neben Kolja Müller Vorsitzende der Frankfurter Sozialdemokraten. Die Amtszeit der 63 Jahre alten Hartwig läuft noch bis 2028. In den nächsten Jahren wird sie entscheidende Weichenstellungen für den Neubau der Städtischen Bühnen vornehmen müssen.Sozialdezernentin Elke Voitl (Die Grünen)Elke VoitlMaximilian von LachnerIn Sachen Verwaltungserfahrung kann ihr im Magistrat niemand das Wasser reichen. Elke Voitl, die schon in ihrem Studium der Sozialarbeit einen Schwerpunkt auf die kommunale Praxis legte, arbeitete vor ihrer Wahl zur hauptamtlichen Stadträtin 2021 an verschiedenen Stellen in der Stadtverwaltung, unter anderem in der Jugendhilfeplanung und in Dezernatsbüros. Im Magistrat ist die 57 Jahre alte Grünen-Politikerin für Soziales und Gesundheit zuständig. Sie hat damit eines der schwierigsten Ressorts, hat sie sich doch unter anderem um die Unterbringung von Flüchtlingen und die Drogenhilfe zu kümmern. Für Zündstoff wird auch in den nächsten Jahren das umstrittene Suchthilfezentrum an der Niddastraße sorgen, zu dem sich die neue Koalition bekannt hat.Ordnungsdezernent Martin-Benedikt Schäfer (CDU)Martin-Benedikt SchäferMarcus KaufholdDer Wechsel von der Opposition auf die Regierungsbank dürfte Martin-Benedikt Schäfer nicht leichtfallen. Der 40 Jahre alte Jurist hat als sicherheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in den vergangenen Jahren regelmäßig mehr Stadtpolizei, Waffenverbotszonen und Videoüberwachung gefordert. Jetzt ist er als Dezernent für Sicherheit, Ordnung und Brandschutz selbst dafür verantwortlich. Die zusätzlichen Kräfte für die Stadtpolizei wird er einstellen können, bei anderen Themen wird er sich auf Kompromisse mit den Koalitionspartnern einlassen müssen. Der Sachsenhäuser, der verheiratet ist und einen Sohn hat, war seit 2021 Stadtverordneter. Zuletzt war er für wenige Wochen als Nachrücker für Michael Boddenberg Landtagsabgeordneter.Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Die Grünen)Tina Zapf-RodríguezMaximilian von LachnerIm zu Ende gehenden Hitzesommer ist deutlich geworden, dass Tina Zapf-Rodríguez eine Aufgabe hat, die besonders viele Menschen bewegt: Die 2024 gewählte Dezernentin muss sich unter anderem um die Klimaanpassung kümmern. Für die Grünen ist ihr Dezernat für Klima, Umwelt und Frauen von besonderer Bedeutung, weshalb sie es auf jeden Fall behalten wollten. Jetzt bekommt die Kulturwissenschaftlerin Zapf-Rodríguez, die am Freitag 35 Jahre alt geworden ist, ein weiteres Kernthema der Grünen hinzu: Sie übernimmt von der abgewählten Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg das Amt für Multikulturelle Angelegenheiten. Aber auch für die bisher beim Ordnungsdezernat angesiedelte Ausländerbehörde wird sie verantwortlich sein.Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD)Sylvia WeberMaximilian von LachnerEs gibt Schüler, die während ihrer gesamten bisherigen Schulzeit nur eine einzige Bildungsdezernentin erlebt haben. Sylvia Weber übt das Amt bereits seit 2016 aus. Zwischenzeitlich war sie Superdezernentin für Bildung und Bauen, baute das größte Dezernatsbüro des gesamten Magistrats auf. Der Schulbau, eine der wichtigsten Aufgaben der Stadt, sollte durch diese 2021 geschaffene Konstruktion beschleunigt werden. Jetzt gibt die Sozialdemokratin das 2017 gegründete Amt für Bau und Immobilien an den Grünen-Stadtrat Wolfgang Siefert ab. Wie die Zuständigkeiten künftig abgrenzt werden, ist noch offen. Weber kann sich jetzt wieder mehr auf Bildungsthemen konzentrieren. Die Amtszeit der 1963 geborenen Diplom-Kauffrau läuft noch bis 2028.Baudezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen)Wolfgang SiefertSamira SchulzAls es bei den Grünen um die Frage ging, welche ihrer Dezernenten abgewählt werden sollen, schien Wolfgang Siefert zunächst wenig Chancen zu haben. Das bisher von ihm geführte Verkehrsdezernat mussten die Grünen an die CDU abgeben, Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg und Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff schienen parteiintern die besseren Karten zu haben. Am Ende aber überlebte Siefert, er kann jetzt als Baudezernent weitermachen. Dem 56 Jahre alten Diplom-Kaufmann ist das Thema nicht fremd. In seiner Zeit als Stadtverordneter von 2011 bis 2021 war er Mitglied des Ausschusses für Planen und Bauen. Jetzt übernimmt er zahlreiche Baustellen im Amt für Bau und Immobilien, zudem ist er auch für die städtischen Kliniken zuständig.Mobilitätsdezernent Yannick Schwander (CDU)Yannick SchwanderLucas BäumlEs hätte alles anders kommen können. Yannick Schwander wäre heute Bundestagsabgeordneter, wäre nicht das Wahlrecht geändert worden, weshalb der 2025 direkt gewonnene Wahlkreis nicht für ein Mandat reichte. So kam es, dass die CDU den 38 Jahre alten Nieder-Erlenbacher für das Amt eines hauptamtlichen Stadtrats vorgeschlagen hat. Dass der Familienvater, der bisher Pressesprecher der Stadt Bad Vilbel war, im Magistrat das Mobilitätsressort übernimmt, ist nicht selbstverständlich, hat er sich doch bisher nur wenig mit Verkehrsthemen befasst. Für die CDU aber ist das Thema zentral, sie hat Kurskorrekturen versprochen. Einen radikalen Wechsel wird es nicht geben, was sich schon daran zeigt, dass Schwander wichtige Mitarbeiter seiner Vorgänger übernommen hat.
Frankfurt: Das sind die 12 Dezernenten im Magistrat
Mit dem Eintritt der CDU in die Frankfurter Stadtregierung ändert sich die Zusammensetzung des Magistrats. Wer sind die zwölf Männer und Frauen, die in Frankfurt künftig regieren?






