Wir Freunde der Kulturproduktion wissen: Fortsetzungen können ganz, ganz schlimm sein. Der weiße Hai 2, Police Academy 6, Das Vermächtnis der Wanderhure – alles Mist. Bevor wir aber dazu kommen, nehmen wir nervös zur Kenntnis, was Alexandria Ocasio-Cortez neulich in einem Interview sagte. Die Frau, die zumindest nicht ausschließt, die erste Präsidentin der USA werden zu wollen, zitierte einen Parteikollegen mit den Worten: »Woke 1 was crazy.« Und nun gibt es Aufregung.

Mit »Woke 1« ist jene maximalistische Phase der politischen Linken vor und während der Pandemiejahre gemeint, die von dem abgewürgt wurde, was Medien zuletzt sehr beharrlich als »Vibe-Shift« bezeichneten – die Übernahme von Zeitgeist und politischer Macht durch reaktionäre Kräfte. Was mit »crazy« gemeint ist: dass es ebendiese Linke ganz schön übertrieben hat mit ihren Forderungen, Polizei, Gefängnisse und Thanksgiving abzuschaffen. Wirklich entschuldigt hat sich Ocasio-Cortez für nichts. Trotzdem werfen ihr, die als Vertreterin des Plastikkonzepts »Wokeness« gilt, sowohl Anhänger als auch Gegner Opportunismus vor, und den mag keiner. Dabei hat Ocasio-Cortez mit der Platzierung dieses Zitats vor allem ein Türchen geöffnet. Wenn es »Woke 1« gab, kann es folglich »Woke 2« geben, die Fortsetzung nach dem ersten Teil, der viele ratlos zurückgelassen hat. Bevor wir nun dieses Sequel nach dem bekannten Muster besetzen (Ricarda Lang als Hafermilch, Wolfgang Kubicki als Dieselmotor, Zohran Mamdani als Gendersternchen), schreiben wir doch ein paar versöhnliche Worte ins Skript. Halten wir ungekränkt, aber ohne Triumphgesicht fest, dass etwa manche Sensibilität und Sprachregelungsfixierung vielleicht drüber war. Es ist ja so, dass Maximalforderungen, zumal solche nach Gerechtigkeit, wichtig sind, um sich sinnvoll über Fortschritt zu unterhalten. Man kann jene Forderungen, die sich als nicht zielführend erweisen, aber auch anpassen, ohne sich pauschal vorwerfen lassen zu müssen, vor irgendwem einzuknicken.