Zum ersten Mal hat ein Bundespräsident die Gamescom in Köln eröffnet und eine erwartbar langweilige Rede gehalten. Da wäre so viel mehr drin gewesen!

I ch hatte ja kurz die Hoffnung, dass der Bundespräsident als Druide auf die Gamescom kommt: in grauer Kutte, mit verschnörkeltem Stab, vielleicht ein bisschen wie der Mönch aus Lützerath.

In Games sind Drui­d:in­nen mächtige Figuren, die zaubern können. Mit seinen weißen Haaren, der runden Brille und der elaborierten Sprechweise wäre Frank-Walter Steinmeier perfekt für die Rolle.

Mit ihm hat am Donnerstag nicht nur ein Bundespräsident zum ersten Mal die weltweit größte Computer- und Videospielmesse besucht, sondern auch den sogenannten Gamescom Congress eröffnet, wo Bran­chen­ex­per­t:in­nen kluge Sachen sagen. Statt diese einmalige Cosplay-Chance zu nutzen, um vielleicht auch Game­r:in­nen als Zielgruppe zu erreichen, lieferte er ein perfektes Einschlafhörbuch.

„Ich befürchte, Sie sehen es mir an: In meiner Altersklasse gehöre ich nicht zum Kern der Gamer-Generation“, begann der Bundespräsident seine Jahrhundertrede, dann ging es vorhersehbar weiter: Er hob die Bedeutung der Branche und von Games hervor, die sowohl Kulturgut als auch Unterhaltung seien; thematisierte Cybergrooming, also die gezielte Kontaktaufnahme von Erwachsenen zu Minderjährigen über das Internet, und ging auf Computerspielsucht ein. Mit all den Themen hat der Mann recht. Nur: Das haben vor ihm schon zig andere Po­li­ti­ke­r:in­nen gesagt.