PfadnavigationHomePanoramaSorge vor russischem Angriff„Schlag um Schlag einstecken“ – Zahl der Patriot-Raketen offenbar „jenseits des kritischen Bereichs“Stand: 19:39 UhrLesedauer: 3 MinutenPatriot-Abwehrsystem in PolenQuelle: AP Photo/Evan VucciDem US-Militär in Europa fehlt nach AP-Informationen eine drastische Zahl an Patriot-Raketen. Deutschland befindet sich nach Aussage eines Militärexperten in einer „lächerlichen“ Position.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenDas US-Militär in Europa leidet nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP unter einem gravierenden Mangel an Patriot-Raketen, der „jenseits des kritischen“ Bereichs liegt. Das sagten ein US-Verteidigungsvertreter in Europa und ein Nato-Vertreter der AP; beide sprachen unter der Bedingung der Anonymität, weil es um sensible militärische Fragen geht. Hauptursache ist demnach der Krieg von Präsident Donald Trump gegen den Iran. Bei einem russischen Angriff etwa auf ein Hauptquartier oder ein Kraftwerk könnte das Bündnis in eine ähnliche Lage geraten wie die Ukraine und gezwungen sein, „Schlag um Schlag ins Gesicht einzustecken“, sagte der US‑Vertreter. Für eine anhaltende Angriffsserie habe das amerikanische Militär in Europa „definitiv“ nicht genug Patriot-Raketen, gegen einen einzelnen Treffer oder eine vom Kurs abgekommene russische Rakete seien die Möglichkeiten „sehr begrenzt“.Der Krieg gegen den Iran dauert an diesem Freitag sechs Monate. US-Raketenbestände aus Europa wurden in den Nahen Osten verlegt, wo amerikanische Truppen und Verbündete am Golf große Mengen an Abfangraketen gegen iranische Drohnen und Raketen abgefeuert haben. Lesen Sie auchNach Angaben des Washingtoner Thinktanks CSIS verbrauchte der Iran-Krieg 65 Prozent der amerikanischen Patriot-Raketen, rund 1500 von 2330 Stück. Unter dem damaligen US‑Präsidenten Joe Biden lieferten die USA zudem etwa 600 Abfangraketen an die Ukraine, sagte Mark Cancian, früherer Oberst der US-Marineinfanterie und heute Berater bei CSIS. Die Lieferungen an Kiew seien geplant und dosiert gewesen, der Iran-Krieg aber der Kipppunkt, sagte Ed Arnold vom Londoner Militär-Thinktank Rusi.Nato-Sprecher dementiert geringe BeständeDas Pentagon erklärte, es äußere sich aus Sicherheitsgründen nicht zu Munitionsbeständen. Oberst Martin O'Donnell, ranghoher Militärsprecher der Nato, sagte, es sei „schlicht nicht der Fall“, dass die Zahl der Patriot-Raketen in Europa jenseits des kritischen Bereichs liege. Das Bündnis könne „Schläge abblocken“ und verfüge über genug Flugabwehrmunition, um sich selbst zu verteidigen und zugleich die Ukraine zu beliefern. Das Bundesverteidigungsministerium teilte mit, es kommentiere Bestände nicht.Ein unmittelbar bevorstehender russischer Angriff auf Nato-Staaten wird zwar nicht erwartet. CIA-Direktor John Ratcliffe aber reiste dem „Wall Street Journal“ zufolge in dieser Woche deshalb nach Moskau, um Russland vor einem Angriff zu warnen. Trump spielte die Bedeutung der ungewöhnlichen und geheim gehaltenen Reise herunter, sie sei „so etwas wie halb routinemäßig“ gewesen. Lesen Sie auchAlternativen für Abwehrsysteme sind knapp. Infrage kommt vor allem das neue französisch-italienische System SAMP/T NG, das Frankreich beschleunigt an die Ukraine liefern will. Die neue Version ist allerdings noch nicht im Gefecht erprobt, die bisherige hat eine geringere Reichweite als Patriot. Auch beim Army Tactical Missile System (Atacms) meldet das US-Militär in Europa nach Angaben der beiden Vertreter kritische Engpässe. Bei Angriffswaffen ist die Lage weniger angespannt, weil mehrere europäische Armeen über eigene Marschflugkörper wie Taurus und Storm Shadow verfügen.In diesem Jahr sollen rund 600 Patriot-Raketen gefertigt werden, von 2030 an sind 2000 pro Jahr geplant. Nach Nato-Angaben soll im September in Deutschland die erste europäische Produktionsstätte für Patriot-Raketen eröffnen, erste Lieferungen könnten Anfang kommenden Jahres beginnen. Sie sollen zunächst an Staaten gehen, die bereits bestellt haben, darunter Deutschland, die Niederlande, Rumänien und Spanien. Bis dahin hätten Länder wie Deutschland teure Systeme gekauft, seien aber in der „lächerlichen“ Lage, keine Munition dafür zu haben, sagte Arnold.Moskau dürfte nach Einschätzung des Rusi-Experten kaum in der Lage sein, einen anhaltenden Luftangriff auf ein Nato-Ziel zu führen, solange es die Ukraine fast allnächtlich beschießt. Ukrainische Angriffe auf russisches Gebiet legten zudem Schwächen der russischen Luftverteidigung offen. „Die unbequeme Wahrheit ist: Die möglicherweise beste Luftverteidigung, die wir haben, sind Russlands eigene Beschränkungen“, sagte Arnold.rct/AP
Zahl der Patriot-Raketen offenbar „jenseits des kritischen Bereichs“ – „Schlag um Schlag einstecken“ - WELT
US- und Nato-Vertreter berichten von kritisch niedrigen Patriot-Beständen in Europa. Der Konflikt mit dem Iran hat zu massiven Verlegungen geführt. Produktion soll bis 2030 deutlich gesteigert werden.













