Schon Ende 2027 will die Google-Schwesterfirma Waymo fahrerlose Taxis in München anbieten. Demnächst startet das US-amerikanische Unternehmen eine Testphase, bei der die Waymo-Autos noch von Fahrern durch die Stadt gelenkt werden, um so das Straßennetz zu kartieren. Die Politik und auch das Münchner Mobilitätsreferat zeigen sich aufgeschlossen gegenüber der neuen Technologie. Und auch die Taxibranche verwehre sich nicht gegen autonome Fahrdienste, sagt Gregor Beiner.Beiner ist Münchner Taxiunternehmer und Präsident des Bundesverbands Taxi. Dass er neuen Technologien eine Chance gibt, hat er schon vor einigen Jahren gezeigt, als er als einer der ersten Unternehmer vollelektrische Fahrzeuge in seine Flotte aufgenommen hat. In der Taxibranche sei das autonome Fahren schon seit längerer Zeit ein Thema, sagt Beiner. „Wir sind daran interessiert, Protagonisten dieser Entwicklung zu werden.“Im Vergleich zu den USA ist Deutschland beim Thema autonomes Fahren noch ein Entwicklungsland. Während in elf US-Städten bereits fahrerlose Waymo-Taxis durch die Straßen kurven und das Unternehmen in seinem Heimatland eine größere Expansion plant, soll München die erste Stadt in der Europäischen Union werden, wo Waymo seine Dienste anbieten will. Deutschland hat 2021 als erstes Land der Welt einen nationalen Rechtsrahmen für autonomes Fahren ohne Sicherheitsfahrer geschaffen, in anderen Ländern wie den USA, wo autonomes Fahren schon früher getestet und realisiert wurde, gelten regionale Regelungen.Beiner kann sich dabei gut vorstellen, dass auch Münchner Taxiunternehmer als operative Betreiber von Waymo-Fahrzeugen auftreten, nach dem Prinzip: Die Amerikaner stellen die Technologie, die Münchner kümmern sich um alles andere, also die Wartung und Reinigung der Fahrzeuge und alles Weitere, was zum Betrieb eines Fahrdienstes gehört. Nur eben ohne Fahrpersonal. Das könnte in den nächsten Jahren ohnehin zur Mangelware werden, vermutet Beiner. Andererseits werde seiner Einschätzung nach auch in Zukunft Fahrpersonal gebraucht, und zwar dann, wenn es zum Beispiel um Hilfestellung für Menschen mit Behinderungen geht oder um Serviceleistungen, etwa wenn ein Taxifahrer oder eine Fahrerin einem Fahrgast beim Tragen von schweren Einkäufen oder beim Ausladen des Gepäcks hilft.Das gehört schon immer zur Taxibranche. „Diese Serviceleistungen werden immer mehr in den Fokus rücken“, prognostiziert der Verbandschef. Es werde immer Menschen geben, die einen persönlichen Kontakt und Service wünschten.Der Taxisprecher fordert eine Regulierung für autonome FahrdiensteAls Konkurrenz sieht Beiner die Robotaxis deshalb nicht, eher als Ergänzung, „solange man es richtig macht“. Wie es falsch laufen könnte, hätte vor einigen Jahren die Einführung des Leihradanbieters Obike gezeigt, der ohne Regulierung die Stadt mit seinen Rädern derart flutete, dass sich die Abneigung einiger Münchner in Vandalismus gegen die Velos äußerte: Sie landeten in der Isar und auf Bäumen oder wurden einfach kaputt getreten.Auch die Einführung der E-Scooter, so Beiner, sei in München zunächst misslungen, weil die Stadt nicht von Beginn an regulierend eingegriffen habe, was die Regeln und die Anzahl der Leihroller angeht. Erst nach massiven Beschwerden aus der Bürgerschaft und Behindertenverbänden wegen wild auf Gehwegen abgestellter Scooter schärfte die Stadt bei den Regeln nach und führte verpflichtende Parkzonen für die Scooter ein, zunächst innerhalb des Altstadtrings, dann auch in mehreren Wohnquartieren. Nachjustieren, so Beiner, sei aber ein langwieriger Prozess, wie das Beispiel lehre.Deshalb brauche es von Anfang an eine Regulierung für autonome Fahrdienste, fordert der Taxiunternehmer. Die Stadt dürfe nicht die Kontrolle verlieren, sonst fluteten eines Tages Robotaxi-Dienste ebenso die Straßen und verstopften diese zusätzlich zum ohnehin schon starken Verkehrsaufkommen.Wie ein fahrerloser Fahrdienst in München mit seinen vielen Baustellen und engen Straßen funktionieren kann, werde sich zeigen müssen, so Beiner. Die Straßenverhältnisse in vielen US-Städten, wo die Robotaxis gut funktionieren, sind übersichtlicher, die Fahrbahnen breiter.Auch der Fahrdienstvermittler Uber hat Anfang Juni dieses Jahres angekündigt, in Kooperation mit dem israelischen Unternehmen Autobrains schon nächstes Jahr in München autonomes Fahren testen zu wollen. München könnte sich also zur deutschen Robotaxi-Hauptstadt mausern. Ob die Fahrzeuge dann tatsächlich „Taxi“ heißen und ob dann die Regeln für die Taxibranche oder für Mietwagen gelten werden, ist noch offen. Noch sei die kommerzielle Personenbeförderung mit fahrerlosen Wagen nicht geregelt, sagt Beiner. Auch das Mobilitätsreferat verweist darauf, dass eine regulatorische Anpassung des Personenbeförderungsgesetzes notwendig sei, „um die Potenziale autonomer Robotaxis auch jenseits von Pilotbetrieben erfolgreich nutzen zu können“.Waymo geht davon aus, dass dies klappt. Das Unternehmen erklärte am Dienstag, man arbeite eng mit dem Kraftfahrt-Bundesamt, den zuständigen Landesbehörden und den „kommunalen Verantwortlichen“ in München zusammen, um die erforderlichen Genehmigungen für vollständig autonome Fahrten im Jahr 2027 zu erhalten.