Taxis ohne Fahrer gehören in elf US-amerikanischen Städten bereits zum Straßenbild. Ende 2027 will der Robotaxi-Dienst Waymo auch in München Fahrgäste mit autonomen Fahrzeugen durch die Stadt kutschieren. In den kommenden Wochen startet Waymo, das zum Alphabet-Konzern gehört und somit eine Schwestergesellschaft von Google ist, einen Testbetrieb mit Fahrern. Die entsprechende Genehmigung vom Kraftfahrtbundesamt liegt bereits vor.München ist die erste Stadt auf dem europäischen Festland, in der die fahrerlosen Taxis zum Einsatz kommen sollen. In Englands Hauptstadt London plant Waymo die Einführung noch dieses Jahr.Die Fahrzeuge kurven zunächst noch ohne Fahrgäste durch München, speziell geschultes Fachpersonal steuert die Autos dabei noch manuell. Bei den Testfahrten soll das Straßennetz kartiert werden. So möchte das Unternehmen sicherstellen, dass das autonome System „Waymo Driver“ bestmöglich auf die Besonderheiten des Münchner Verkehrs abgestimmt wird.Wie sich etwa in San Francisco beobachten lässt, fahren dort 1100 Waymo-Taxis längst so selbstverständlich durch die Stadt wie die bemannten Uber-Taxis. Sie geben Warnzeichen, wenn sie jemanden abholen, nehmen enge Kurven und parken rückwärts auf Parkplätzen ein.Auf dem Dach dreht sich dabei beständig ein runder, schwarzer Sensor. Der sogenannte Lidar sendet Laserlichtimpulse aus und erstellt aus den Ergebnissen eine „Punktwolke“, das ist ein dreidimensionales digitales Abbild der Umwelt. So weiß das System etwa, wo ein Auto ist, wie weit ein Fußgänger entfernt ist, wo der Bordstein beginnt und welche anderen Hindernisse im Weg sind. Insgesamt sind die Autos mit vier Lidar-Sensoren, 13 Kameras und sechs Radarsensoren ausgestattet. Bestellt wird der Wagen per App. Das Auto fährt dann selbständig vor, wird über die App identifiziert, und die Fahrt kann beginnen. Das Lenkrad dreht sich dabei wie von unsichtbarer Hand ganz von selbst.Die Fahrweise des autonomen Autos wurde in der Zwischenzeit nachprogrammiert: Erst fuhren die Robotaxis eher zögerlich, mittlerweile risikoreicher. Das Wall Street Journal verglich sie bereits mit den für ihre rabiate Fahrweise bekannten New Yorker Taxlern.Die Fahrten mit Waymo sind im Schnitt etwas teurer als Uber-Fahrten. Aber im technikverliebten San Francisco bevorzugen manche die fahrerlosen Fahrten, die ohne Smalltalk mit einem Taxifahrer auskommen – und auch ohne Trinkgeld.Noch dazu gelten die Fahrten mit Robotaxis als sicher: Laut einer unabhängigen Untersuchung des Insurance Institute for Highway Safety waren Waymo-Autos pro gefahrenem Kilometer 85 Prozent seltener in Unfälle mit nur einem beteiligten Fahrzeug verwickelt und 81 Prozent seltener in Unfälle mit Verletzten, als Fahrzeuge, die von Menschen gefahren wurden.Waymo ist zuversichtlich, dass es nächstes Jahr in München mit der Zulassung für den Taxibetrieb klappt. „München zählt weltweit zu den absoluten Top-Standorten für Mobilität und Technologie“, lässt Tekedra Mawakana, Co-Chefin von Waymo, mitteilen. „Dass wir nun Teil dieser Stadt werden, ist ein bedeutender Schritt beim Ausbau unserer weltweiten Präsenz.“In München sind für autonomes Fahren das Kreisverwaltungsreferat als örtliche Genehmigungsbehörde nach dem Personenbeförderungsgesetz und das Mobilitätsreferat für verkehrliche und strategische Belange zuständig. Aus Sicht des Mobilitätsreferats muss das Gesetz aber noch angepasst werden, da einige Punkte noch von der Anwesenheit von Fahrpersonal ausgingen.Ansonsten gibt sich das Referat aufgeschlossen. Robotaxis könnten den öffentlichen Nahverkehr ergänzen, wo er wirtschaftlich nicht sinnvoll umsetzbar sei, etwa in Stadtrandlagen, so eine Sprecherin.Positiv äußert sich auch die bayerische Staatsregierung: „Autonomes Fahren ist eine Schlüsseltechnologie für die Mobilität der Zukunft und für die Transformation unserer Automobilindustrie“, lässt Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) mitteilen. „Dass Waymo München für den Einstieg in den deutschen Markt und die Etablierung seines autonomen Fahrdienstes wählt, unterstreicht die Attraktivität unseres Hightech-Standorts“, so Herrmann. Jetzt müsse die Technologie schnell auf die Straße und in den Alltag integriert werden.