Auf der Ruhmesleiter hat die Ostmoderne eine weitere Stufe erklommen. Am Donnerstag eröffnet die Berlinische Galerie die Ausstellung „Josef Kaiser. Bauen für die DDR“.Für die West-Gründung, die seit mehr als 50 Jahren Ehrenhalle der von dieser Metropole inspirierten Kunst sein will, ist es die erste ausgewachsene Werkschau eines an Ost-Berlin arbeitenden Architekten. Leben und Werk des Architekten wurden zwar hin und wieder verhandelt – aber immer nur „unter anderem“. Das ändert sich jetzt.Die Präsentation ist opulent: Pläne, Modelle, Nutzererfahrungen, fünf künstlerische Auseinandersetzungen, neue Fotografien und die suggestiven Original-Illustrationen von Dieter Urbach. Letztere sind auch der Grund, warum Kaisers Nachlass vor 14 Monaten bei der Berlinischen Galerie landete. Das Kuratorium hatte sich bereits vor mehr als zehn Jahren durch das Familienarchiv gewühlt.

Luxus vor der Haustür

Kaisers Wollen verdeutlicht sein Hauptwerk. Das Westende der Karl-Marx-Allee designte er zwischen Ende der 50er- und den 60er-Jahren – vom Städtebau bis ins Detail. Mit Maschinenhilfe entstanden gut 4500 hocheffiziente, vorgefertigte Wohnungen. Jede ließ sich mit zwei Jahresdurchschnittsgehältern errichten und ist mühelos in Schuss zu halten.Der eigentliche Luxus liegt vor der Haustür: Grün, so weit das Auge reicht; kaum Verkehr außer bei Paraden; wohlproportionierte Geschäfte, Gast- und Kulturstätten direkt auf dem Bürgersteig. Der International Style, der aus jeder Pore dringt, könnte nicht weltoffener sein.Besonders bemerkenswert ist die Zugänglichkeit. Beim Kino International führen Trottoir, Steigstraße und künstlicher Sternenhimmel auch ohne Ticket zu einem Vorfilm: dem lederbestuhlten Ausguck auf das reale Leben. Kaiser machte aus dem „ersten sozialistischen Wohnkomplex“ die wohl beste Siedlung ihrer Zeit. Hier wurden Habenichtse zu Kosmopoliten.