Es dauerte nicht lange, bis Larissa Mühlhaus unter Beweis stellte, was sich Eintracht Frankfurt von ihrem Transfer versprochen hatte. Nicht einmal vier Minuten waren gegen Paris Saint-Germain gespielt, als Mühlhaus am gegnerischen Strafraum den Ball eroberte. Mit einem starken Gegenpressing hatte sie Anaïs Ebayilin überlistet, stürmte allein auf das Tor zu und traf im Fallen zum frühen 1:0. Schon beim Miniturnier, das zur Teilnahme an den Champions-League-Playoffs berechtigte, hatte Mühlhaus zwei Treffer erzielt.Eigentlich war es ein untypisches Tor für Mühlhaus, die meist außerhalb des Strafraums abschließt. Aber dass sie mehr kann, als aus der Distanz zu treffen, hatte sie schon in der Nationalmannschaft bewiesen. Nach zehn Einsätzen für die deutsche U23 debütierte sie Anfang März gegen Slowenien auch für die DFB-Frauen und erzielte wenige Minuten nach ihrer Einwechslung einen ähnlichen Treffer wie gegen PSG.Mühlhaus hat sich schnell eingespieltBundestrainer Christian Wück traut Mühlhaus zu, das Abschlussproblem seines Teams zu lösen. In Frankfurt soll die 23-Jährige die Lücke füllen, die durch die Abgänge von Nicole Anyomi (zu den London City Lionesses) und Géraldine Reuteler (zum FC Arsenal) entstanden ist. Mühlhaus ist allerdings mehr als eine Torjägerin: Sie ist spielintelligent, kann Bälle gut halten und verteilen und ist technisch versiert. So kann sie auf allen Positionen in der Offensive eingesetzt werden.Mühlhaus kam mit der Empfehlung von 17 Toren und sieben Vorlagen in 26 Bundesligaspielen nach Frankfurt. Keine Spielerin traf in der vergangenen Saison häufiger als sie, nur Pernille Harder vom FC Bayern (16 Tore/24 Spiele) kam auf eine bessere Quote. Schon in der Saison 2023/24 war Mühlhaus mit 20 Treffern die beste Torschützin in der zweiten Liga gewesen, damals für ihren Heimatverein Hamburger SV.Die 23-Jährige hat sich offenbar ohne lange Anlaufzeit in Frankfurt eingefunden. Schon bei Werder Bremen hatte sie maßgeblich zur positiven Entwicklung unter Trainerin Friederike Kromp beigetragen. Nach einer Saison, in der man zwischenzeitlich um die Champions League mitspielte und die der Verein am Ende auf dem sechsten Platz abschloss, sei für sie jedoch klar gewesen, dass sie den nächsten Schritt machen wolle. „Die Eintracht hat dafür die besten Bedingungen, ist ein Klub, der immer auch oben mitspielt“, sagte Mühlhaus, als ihr ablösefreier Transfer im April offiziell wurde.Im Gegensatz zu Bremen sei alles „ein bisschen professioneller, und dann kann ich auch meine Leistung besser zeigen“. Sie sei in Frankfurt gut aufgenommen worden, sagt Mühlhaus: „Ich fühle mich seit Tag eins sehr wohl.“ Die Spielerinnen würden in ihrer Freizeit viel unternehmen, das helfe ihnen auch dabei, auf dem Platz zusammenzufinden. „Ich mag es einfach, hier zu sein. Ich freue mich, für Frankfurt zu spielen, und bin gespannt, was möglich ist mit dem Verein.“Bangen um Champions-League-TeilnahmeIn Bremen wurde Mühlhaus von der Mittelstürmerin zur Zehnerin umfunktioniert. Davon profitiert auch Kapitänin Laura Freigang, die in dieser Saison deutlich offensiver eingesetzt wird. Die Idee von Trainer Niko Arnautis scheint aufzugehen: Die Variabilität, die die beiden Spielerinnen mitbringen, macht das Frankfurter Offensivspiel für die gegnerischen Mannschaften deutlich schwerer zu durchschauen.Dass die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt trotzdem um die Teilnahme an der Champions League bangen, lag daran, dass sie trotz der zweiten Halbzeit, in der sie die bessere Mannschaft waren, nicht über ein 1:1 hinauskamen. Naomie Feller erzielte noch in der Anfangsphase den Ausgleich (7. Minute). Hanna Bennison vergab die größte Chance des Spiels, als sie gleich doppelt am Pfosten scheiterte (49.). In der Schlussphase setzte sich Erëleta Memeti auf der rechten Außenbahn gegen mehrere Gegenspielerinnen durch, scheiterte aber an der Torhüterin der Französinnen.Nach dem Spiel fand auch Mühlhaus, dass für die Eintracht-Frauen mehr möglich gewesen wäre. „Wir waren gut im Spiel, haben aber leider viel zu schnell das Gegentor bekommen“, sagte Mühlhaus, die sich aber mit dem Unentschieden auch nicht unzufrieden zeigte. Für das Rückspiel am Mittwoch (18.30 Uhr) sieht sie vor allem in den Zweikämpfen Verbesserungspotential: „Vielleicht müssen wir noch näher an den Gegenspielerinnen dran sein, damit sie sich nicht aufdrehen können.“ Das hatte Mühlhaus bei ihrem Führungstreffer selbst vorgemacht.