Die Facebook-Muttergesellschaft Meta hat sich mit Generalstaatsanwälten der meisten US-Bundesstaaten auf eine Zahlung von insgesamt 18 Milliarden Dollar und besondere Beschränkungen für die Nutzung der Medienplattformen Facebook und Instagram durch Minderjährige verständigt. Das zuständige Gericht in Kalifornien hat dem Vergleich bereits zugestimmt und damit eine der kostspieligsten Verbraucherschutz-Vergleiche abgesegnet. Die größte Auszahlung brachte ein Vergleich mit der Tabakindustrie in Höhen von mehr als 200 Milliarden Dollar im Jahr 1998.Die größere Wirkung des Vergleiches liegt aber in den Schutzregeln für Minderjährige, die zu einem Industriestandard werden könnten. Eine entsprechende Klausel enthält die Vereinbarung. 30 Prozent der Vergleichssumme kommen nur zur Auszahlung, wenn die konkurrierenden Plattformen Tiktok und Youtube (Google-Tochtergesellschaft) zusammen die gleiche Summe entrichten und die identischen Schutzregeln etablieren.Meta hatte für die Klausel gefochten angesichts der Realität, dass Kinder ihre erzwungene Auszeit auf Facebook nutzen würden, um auf die Plattformen der Konkurrenz zu springen. „Damit es wirklich vorangeht, fordern wir TikTok und YouTube auf, sich uns und den Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten anzuschließen und diesen neuen Standard zu übernehmen. So soll sichergestellt werden, dass Jugendliche soziale Medien gesund und verantwortungsvoll nutzen.“Die Zeitlimits sind weitreichendDie neuen Regeln sind weitreichend: Für Jugendliche gilt auf Facebook und Instagram zusammen standardmäßig ein tägliches Nutzungslimit von zwei Stunden. Dabei wird auch die Zeit auf mehreren erkannten Konten zusammengerechnet. Sie können dieses Zwei-Stunden-Limit nicht selbst abschalten ohne die ausdrückliche Zustimmung eines Elternteils. Nach jeweils 15 Minuten ununterbrochenem Scrollen müssen die Apps überdies zu einer Nutzungspause auffordern.Zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens Ortszeit haben Jugendkonten keinen Zugriff auf zentrale Funktionen wie Feed, Stories, Reels und Explore. Während der üblichen Schulzeiten werden Push-Nachrichten automatisch stummgeschaltet, ebenso zwischen 22 bis 7 Uhr. Bei Jugendlichen muss Meta überdies die Zahl der Likes und Reaktionen standardmäßig ausblenden – sowohl bei eigenen Beiträgen als auch bei Posts anderer. Damit soll der soziale Vergleichsdruck sinken. Meta muss Schönheitsfilter sperren, die verschönerte Gesichtszüge und digitales Make-up einfügen und damit unrealistische Schönheitsideale fördern - wenn damit das Körperbild negativ beeinflusst werden könnte. Strengere Inhaltsregeln: Meta muss seine Schutzmaßnahmen gegen Inhalte zu Selbstverletzung, Essstörungen und Cybermobbing beibehalten und weiter verschärfen.Der Vergleich geht damit auf Forderungen der Kläger ein. Kritiker werfen dem Unternehmen seit Jahren vor, die Plattformen gezielt so gestaltet zu haben, dass Minderjährige möglichst lange drauf den Plattformen bleiben. Funktionen wie endloses Scrollen und algorithmisch ausgewählte Inhalte sollen Jugendliche regelrecht fesseln und zu zwanghafter Nutzung verleiten, so der Vorwurf. Das hat nach ihrer Darstellung Depressionen, Ängste, Probleme mit dem eigenen Körperbild und Schlafmangel bei Teenagern ausgelöst. Überdies hätte die ihnen aus interner Forschung bekannten Risiken verschwiegen.Die frühere Facebook-Datenspezialistin Frances Haugen und andere Whistleblower hatten den Stein ins Rollen gebracht. Ihnen zufolge gab es durch die Nutzung von Instagram häufiger Suizidgedanken unter Teenagern.AFPEin Erfolg der WhistleblowerDie frühere Facebook-Datenspezialistin Frances Haugen und andere Whistleblower hatten den Stein ins Rollen gebracht, indem sie interne Studien öffentlich machten: Denen zufolge gaben beispielsweise 13,5 Prozent von befragten britischen Mädchen im Teenageralter an, seit der Nutzung von Instagram häufiger Suizidgedanken zu haben. Eine andere Studie kam zum Schluss, dass sich bei 17 Prozent der Mädchen im Teenageralter Essstörungen nach der Nutzung von Instagram verschlimmert hätten. Rund 32 Prozent der Mädchen sagten einer internen Facebook-Studie zufolge, Instagram verschlechtere ihr Gefühl für den eigenen Körper noch, wenn sie ohnehin unzufrieden mit ihm seien.Gesetzgeberische Initiativen zur Regulierung der Plattformen waren gescheitert. Für Meta sind trotz des Vergleiches die Probleme noch nicht zu Ende. Während der Außenseiter Texas dem Vergleich zustimmte und damit die Zahlung von 16,8 Milliarden auf 18 Milliarden Dollar hochschraubte, verweigert sich Florida: Dessen Generalstaatsanwalt James Uthmeier nannte den Vergleich „Peanuts“ und einen „Klaps auf die Finger“ für Meta. „Wir sehen uns vor Gericht“, schrieb er auf X. „Ein Jahrzehnt Schaden für die Jugend des Landes mit dem Cashflow eines einzigen Monats abgelten zu wollen, ist eine Beleidigung. Unternehmen wie Meta werden nichts daraus lernen, solange Gesetzesverstöße für sie keine wirklich spürbaren Kosten haben.“ Meta hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr 60 Milliarden Dollar Gewinn erzielt, die Zahlungen aus dem vereinbarten Vergleich erstrecken sich über zehn Jahre.Meta und Konkurrenten sind mit Klagen von tausenden Einzelpersonen und Schulbezirken konfrontiert. Meta erklärte am Mittwoch, diese Verfahren weiter ausfechten zu wollen. Bei einer Klage des Bundesstaates New Mexico ist das Unternehmen in Berufung gegangen.