Die Vorbereitungen auf die Macht sind längst angelaufen – teilweise auch im Verborgenen. Die AfD will im Herbst in Sachsen-Anhalt erstmals eine Regierung stellen. Das größere Ziel ist fest im Blick: die Machtübernahme im Bund. Und darauf will die AfD vorbereitet sein, personell und organisatorisch.Abseits der Öffentlichkeit schult die in Teilen rechtsextreme Partei in internen Akademien bereits künftige Führungskader, die im Staatsapparat für die praktische Umsetzung ihrer radikalen Ideen sorgen sollen.„Staatssteuerung“, so nennt das die AfD intern. Verfassungsschützer zeigen sich besorgt: Hier seien rechtsradikale Kaderschmieden im Entstehen. Spitzenfunktionäre der AfD gaben nun vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gegenüber der Nachrichtenagentur AFP einen Einblick in die internen Vorbereitungen. „Schwarz-Rot-Gold-Akademie“ in Berlin In Berlin besteht seit einem Jahr die „Schwarz-Rot-Gold-Akademie“ der Bundes-AfD. Und auf Landesebene hat die thüringische AfD eine „Politische Akademie“ gegründet, weitere Einrichtungen sind geplant. Die Akademien haben keine Internetauftritte, sie wenden sich nicht an die Öffentlichkeit. © dpa/Christoph Soeder Der Vorteil der Akademie ist, dass wir sehr schnell auf Bedürfnisse aus den Bundesländern sowie auf akute politische Veränderungen und Bedarfe reagieren können.Hannes Gnauck, AfD-Bundesschatzmeister„Wir als AfD wollen Regierungsverantwortung übernehmen, indem wir herausragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Akademie fachlich schon jetzt strukturiert weiter qualifizieren und so fit für die komplexen Aufgaben im Regierungsalltag machen“, sagt AfD-Bundesschatzmeister Hannes Gnauck. „Die Akademie umfasst Schulungen zu allen Bereichen, die für den Regierungsalltag relevant sind – also beispielsweise zu Abläufen in Ministerien oder im Parlament, aber natürlich auch zu all den juristischen Themen und Fallstricken.“Gnauck sitzt im Bundesvorstand der AfD, hat ein Bundestagsmandat und war letzter Chef der inzwischen aufgelösten Nachwuchsorganisation Junge Alternative, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wurde. Im Bundesvorstand ist er für Nachwuchsrekrutierung zuständig und für die „Schwarz-Rot-Gold-Akademie“. © IMAGO/Christian Spicker Eine relevante Gefahr für unsere Demokratie, unsere Sicherheit und Freiheit.Konstantin von Notz (Grüne) über die AfD-Akademien, die für ihn „rechtsradikale Kaderschmieden“ sind.Der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz spricht in diesem Zusammenhang von „rechtsradikalen Kaderschmieden“. Die AfD schaffe sich ein „Vorfeld“ aus „Instituten, Akademien und Verlagen, die ganz offen den Umsturz propagieren und eine relevante Gefahr für unsere Demokratie, unsere Sicherheit und Freiheit darstellen“, sagt der Geheimdienstexperte.„Die AfD greift nach der Macht“, warnt von Notz. „Mit Hilfe ihres Vorfeldes bereitet sie sich gezielt darauf vor, überhaupt ausreichend Personal für den Fall zu haben, in politische Verantwortung zu kommen.“ © WZB/David Ausserhofer Ich halte das für eine große Gefahr.Wolfgang Schroeder, Professor für das politische System der Bundesrepublik Deutschland an der Universität Kassel, über das AfD-Akademiesystem.Der Politikprofessor und AfD-Kenner Wolfgang Schroeder schätzt, dass die AfD nach einem Wahlsieg in einem Land wie Sachsen-Anhalt etwa 150 bis 250 Leute bräuchte, um zumindest die Leitungsebenen in Ministerien und Verwaltung zu besetzen.Für diese Spitzenposten könnte sie wohl jetzt schon genug Anwärter finden. Für eine tiefere Durchdringung des Apparats bräuchte sie aber mehr Personal - wofür nun diese Akademien sorgen sollen. „Ich halte das für eine große Gefahr“, sagt Schroeder.AfD-Vorstand Gnauck hält sich bedeckt, was die Lehrgänge, die Dozenten und die Kursteilnehmer angeht. Nur so viel: „Der Vorteil der Akademie ist, dass wir sehr schnell auf Bedürfnisse aus den Bundesländern sowie auf akute politische Veränderungen und Bedarfe reagieren können.“ © Andreas Klaer Im Mittelpunkt stehen der Aufbau und die gezielte Förderung von Führungspersönlichkeiten, die politische und staatliche Verantwortung übernehmen können.René Springer, AfD-Landesvorsitzender in BrandenburgKonkreter wird der brandenburgische AfD-Landesvorsitzende René Springer. In Brandenburg nimmt im September eine AfD-eigene „Politische Akademie“ den Lehrbetrieb auf, zunächst mit 50 Teilnehmern für einen zweijährigen Lehrgang. „Die AfD Brandenburg hat sich das klare Ziel gesetzt, Regierungsverantwortung zu übernehmen, die Akademie soll dieses Ziel unterstützen“, sagt Springer.„Im Mittelpunkt stehen der langfristige Aufbau und die gezielte Förderung von Führungspersönlichkeiten, die künftig politische und staatliche Verantwortung übernehmen können“, sagte der Landesvorsitzende. Inhaltlich gehe es um Themen wie Führung und Kommunikation, Medienkompetenz, Parteiorganisation, Koalitionsbildung sowie „Staatsleitung und -steuerung“.Verfassungsschützer sind längst aufmerksam geworden – etwa in Thüringen, wo es seit 2025 eine eigene AfD-Akademie gibt. Diese Akademie könne „der als rechtsextremistische Bestrebung eingestuften AfD Thüringen zugeordnet werden und ist ebenso zu bewerten“, erklärte der thüringische Landesverfassungsschutz. Dieser Bewertung als rechtsextremistisch komme „vor dem Hintergrund, dass die Einrichtung der Vorbereitung auf eine theoretische Regierungsübernahme durch die AfD dient, besondere Bedeutung zu“, betont der Verfassungsschutz.Der Grünen-Abgeordnete von Notz warnt, dass die Akademien ein Eigenleben entwickeln und die Radikalisierung der AfD – auch gegen den Kurs der Bundesspitze – vorantreiben könnten. Hier würden „Verbindungen zu organisierten Rechtsextremisten, selbst zu Rechtsterroristen“ gepflegt, sagt von Notz. „Alice Weidel und Tino Chrupalla sind Getriebene“, sagt er. „Längst haben sie es aufgegeben, sich gegen die immer weiter voranschreitenden Radikalisierung der eigenen Partei zu stellen.“ (AFP)
Vorbereitung auf die Macht: AfD schult ihren Führungsnachwuchs in eigenen Akademien
In Berlin, Thüringen und bald auch Brandenburg bildet die AfD Personal für Spitzenpositionen im Staatsapparat aus. Sie nennt es „Staatssteuerung“. Kritiker sprechen von rechtsradikalen Kaderschmieden.







