Der neue SBB-Präsident Wyss strebt einen Gewinn von 500 Millionen Franken bis 2030 anDer Verwaltungsratspräsident will, dass die Bahn nicht nur verlässlich, sondern auch finanzierbar bleibt.26.08.2026, 15.36 Uhr3 LeseminutenDer SBB-Präsident André Wyss leitete zuvor den Baukonzern Implenia.Claudio Thoma / KeystoneVor gut 100 Tagen hat André Wyss das Präsidium des SBB-Verwaltungsrats von Monika Ribar übernommen. Am Mittwoch trat er im Rahmen der Halbjahresbilanz zum ersten Mal vor den Medien auf, in der SBB-Werkstätte in Zürich-Altstetten. Er wolle dafür sorgen, dass die Bahn auch noch in 20 Jahren das Rückgrat einer nachhaltigen Mobilität sei, sagte Wyss.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Erste Priorität hat für den Präsidenten, die hohe Verlässlichkeit der SBB zu sichern. Zwar verzeichneten die SBB im ersten Halbjahr bei der Pünktlichkeit erneut Rekordwerte – und dies, obwohl sie vier Prozent mehr Passagiere beförderten. Eine Selbstverständlichkeit sei dies jedoch nicht, mahnte Wyss mit Blick auf den wachsenden Rückstand beim Substanzerhalt des Bahnnetzes. Der Unterhalt müsse an erster Stelle kommen.Neues Rollmaterial beschaffenEinen weiteren Fokus legt Wyss auf die Finanzen. Nur eine finanzierbare Bahn sei nachhaltig, sagte er. Die SBB beklagen seit Jahren eine ungenügende Ertragskraft, um die anstehenden Investitionen in neues Rollmaterial zu stemmen und die hohe Schuldenlast abzutragen. Bis zum Jahr 2030 sei ein Jahresgewinn von 500 Millionen Franken erforderlich, langfristig gar noch mehr, machte Wyss klar. Erreichen will er dies, indem er die Produktivität und die Erträge erhöht sowie das Kostenwachstum bremst.Das Ziel von 500 Millionen Franken bezeichnete Wyss als erreichbar. Die SBB sind davon noch weit entfernt, aber zumindest auf Kurs. So konnten sie den Gewinn im ersten Halbjahr 2026 auf 126 Millionen Franken steigern, von 48 Millionen Franken in der Vorjahresperiode. Dazu trugen die wachsende Nachfrage, das gute Ergebnis der Immobilien und der Güterverkehr bei, der im Inland erstmals seit Jahren ein ausgeglichenes Ergebnis erzielte. Neben höheren Preisen und eigenen Anstrengungen der SBB ist dies den Fördergeldern für den Wagenladungsverkehr zu verdanken, die der Bund neu ausgezahlt hat.Die Probleme im Güterverkehr bleiben jedoch gross. SBB Cargo International konnte zwar zulegen, unter anderem mit neuen Zügen des kombinierten Verkehrs von und nach Frankreich. Im Inland sind die transportierten Mengen aber rückläufig. Bei Teilen der Kundschaft wächst die Unzufriedenheit. Die Zukunft des Güterverkehrs bemesse sich nicht allein an der Erfolgsrechnung von SBB Cargo, teilte der Verband der Verladenden Wirtschaft (VAP) mit. Die Attraktivität habe spürbar gelitten. Als Ursachen nennt der VAP den Abbau von Bedienpunkten, reduzierte Rangierleistungen, teils massive höhere Preise und eine geringere Kundenorientierung.SBB halten sich bei Ausbaudebatte zurückVage äusserte sich der frühere Implenia-Chef Wyss zum weiteren Bahnausbau, der sich ebenfalls auf den Geschäftsgang der SBB auswirkt. Ein beträchtliches Potenzial sieht er in der optimierten Nutzung der bestehenden Infrastruktur, etwa durch die Digitalisierung der Stellwerke. Der Ausbau bleibe angesichts der steigenden Nachfrage wichtig, müsse sich jedoch am Kundennutzen orientieren. Der Bund und das Parlament müssten entscheiden, wie der Bahnausbau auszugestalten sei. Die SBB würden sich in der Vernehmlassung zu «Verkehr ’45» einbringen und Empfehlungen abgeben, aber nicht entscheiden.Die Vorlage «Verkehr ’45», die zahlreiche Ausbauprojekte bis zum Jahr 2045 umfasst, ist bis im Oktober in der Vernehmlassung. Der Bundesrat sieht mehrere neue unterirdische Strecken und Bahnhöfe vor, die teilweise etappiert über mehrere Jahrzehnte realisiert werden sollen.Der frühere Bahnchef Benedikt Weibel kritisierte die Zurückhaltung der SBB wiederholt. Diese müssten die Notbremse ziehen und dem Bund und der Politik klarmachen, dass das Verhältnis zwischen Ausbau und Unterhalt nicht mehr stimme, sagte er der NZZ. Der amtierende SBB-Chef Vincent Ducrot, der im kommenden Jahr in Pension geht, verwies demgegenüber auf die veränderten Spielregeln. Seit der Schaffung des Bahninfrastrukturfonds im Jahr 2014 bestimme das Parlament über den Ausbau.Passend zum Artikel
SBB-Präsident Wyss will bis 2030 500-Millionen-Gewinn erreichen
Der Verwaltungsratspräsident will, dass die Bahn nicht nur verlässlich, sondern auch finanzierbar bleibt.






