Es war ein Ende mit wenig Pathos. Am Dienstagabend trat Mazloum Abdi mit einer kurzen Rede im syrischen Staatsfernsehen auf und verkündete das Ende der von ihm geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), der Armee der lange Zeit autonomen kurdischen Region im Nordosten von Syrien. Diese hat ebenfalls aufgehört zu existieren und wurde komplett in den syrischen Staat eingegliedert.„Das Ende des Einsatzes“ sei gekommen, sagte Abdi erst auf Arabisch und dann auf Kurdisch. Mehr als 100 000 Kämpfer sollen die SDF auf ihrem Höhepunkt gehabt haben. Sie kämpften im syrischen Bürgerkrieg gegen Assad und für eine unabhängige kurdische Region, später waren sie die wichtigste Kraft im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) und wurden von den USA maßgeblich gestützt. Obwohl das, was die Kurden in ihrem „Rojava“ genannten Gebiet taten, in Washington als reinster Kommunismus wahrgenommen werden musste, eine fast utopische Gesellschaft von Gleichen, die vor allem unter Linken in Europa verklärt wurde und die bei näherer Betrachtung eine ziemlich triste bürokratische Veranstaltung war.Eine wichtige Rolle der Kurden hat an Bedeutung verloren: die Bewachung von IS-GefangenenZuletzt kämpften die Kurden vor allem mit der Bewachung von Zehntausenden Kämpfern und Angehörigen des IS, die in riesigen Lagern untergebracht waren – viele aus dem Ausland. Eine Bürde, aber auch ein Joker in Verhandlungen mit Geberländern, die diese Kämpfer ja lieber nicht zurückhaben wollten. Viele von ihnen wurden nun in den Irak transferiert, die Lager sind leerer geworden und die Rolle der Kurden nicht mehr so wichtig.Dass sich Institutionen selbst auflösen, kommt selten vor, und ohne Druck von außen geschieht es noch seltener. Abdi hatte nach dem Regimewechsel Ende 2024 zunächst keine großen Anstalten gemacht, seine SDF aufzulösen. Im März 2025 kündigte er zwar eine Integration in die Streitkräfte an, die dann aber nicht vollzogen wurde.Präsident Ahmed al-Sharaa (rechts) in Damaskus am 25. August im Gespräch mit dem SDF-Führer Mazloum Abdi (2. von links). BAKR ALKASEM/AFPErst als Präsident Ahmed al-Scharaa im Januar 2026 eine militärische Offensive gegen die Kurden startete, erklärten die sich tatsächlich zur Auflösung der SDF bereit. Viel bekommen haben sie dafür nicht. Was auch die anderen Minderheiten wie die Alawiten und Christen mit Sorge beobachten werden, die auf mehr Autonomie in Syrien gehofft hatten. Die Kurden bekamen zwar das Recht auf eine eigene Sprache, viel mehr aber nicht. Der ehemalige SDF-Chef Abdi darf sich nun zwar „Berater des Präsidenten“ nennen, was das aber in der Praxis bedeutet, ist völlig offen.Einige weibliche Einheiten der SDF sollen künftig in die Anti-Terror-Einheiten des Innenministeriums eingegliedert werden, andere Einheiten an die Grenzen stationiert werden. Wie viele SDF-Kämpfer einen Platz in der neuen syrischen Armee und Regierung finden, ist bislang unklar. Viel Verhandlungsspielraum hatten die Kurden aber nicht. Ihr Gebiet hatte zeitweise bis zu 40 Prozent Syriens betragen, was in den von ihnen dominierten arabischen Regionen aber zuletzt wenig Begeisterung auslöste.Eine andere Wahl blieb denn auch nicht. Vor allem, weil der wichtigste Verbündete, die USA, auch sehr gut mit Präsident al-Scharaa zurechtkommt, den Trump einen „großen Führer“ nannte. Ob die Auflösung der kurdischen Kräfte und Autonomieverwaltung tatsächlich eine endgültige ist, wird an al-Scharaa hängen und der Autonomie und der Anteile am Öl der Region, die er den Kurden zugesteht. Abdi sagte bereits: „Unser Kampf wird weitergehen, damit die Rechte unseres Volkes in der Verfassung festgehalten werden.“