Berlin (dpa/bb) - In den Obdachlosenunterkünften in Berlin leben nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtverbands inzwischen fast zehnmal so viele Menschen wie noch 2012. Im Januar 2026 hätten rund 57.000 Menschen in einer sogenannten Asog-Wohnung gelebt, sagte Timothy Redfern, Referent für Armut und Wohnungsnotfallhilfe, bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit dem Verein für Straßensozialarbeit Gangway. Im Dezember 2012 waren es seinen Angaben nach noch 6.200 Menschen. Zusätzlich lebten derzeit rund 6.000 bis 7.000 Menschen auf der Straße, so Redfern.Asog steht für „Allgemeines Gesetzes zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ in Berlin. Es verpflichtet die Bezirksämter unter anderem, wohnungslose Menschen unterzubringen.Erheblicher Wohnungsmangel und hohe ArmutsquoteAls Hauptursache sehen die Sozialarbeiter den deutlichen Wohnungsmangel in Berlin. Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit entstünden nicht nur durch persönliche Schicksale der Betroffenen. „Sie sind die natürliche und strukturelle Folge eines unbezahlbaren Wohnungsmarktes, einer anhaltend hohen Armutsquote in Berlin und eines Unterbringungssystems, das einfach am Limit ist“, sagte Redfern und ergänzte: „Je teurer und knapper Wohnraum ist, desto mehr Menschen werden obdachlos.“ Ein weiterer Faktor seien persönliche Krisen, Krankheit, eine Trennung oder häusliche Gewalt.Mit Blick auf die Abgeordnetenhauswahl fordern Gangway und der Paritätische Wohlfahrtsverband bezahlbaren Wohnraum für alle. Wichtig sei es außerdem, niedrigschwellige Angebote für Wohnungslose auszubauen und Unterkünfte anders zu gestalten, sagte Streetworker Tino Kretschmann von Gangway. Die Menschen lebten teils über Jahre unter schwierigen Bedingungen in Mehrbettzimmern, Familien wohnten auf sehr engem Raum. Außerdem gebe es nicht überall eine reguläre Unterstützung durch Sozialarbeiter, so Kretschmann. Zudem wünschen sich die Streetworker mehr Empathie für Betroffene und dass Menschen in Berlin diese nicht als reinen Störfaktor sähen.© dpa-infocom, dpa:260826-930-584949/1
Verband: Zahl der Obdachlosen in Berlin fast verzehnfacht
Berlin (dpa/bb) - In den Obdachlosenunterkünften in Berlin leben nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtverbands inzwischen fast zehnmal so viele Menschen wie noch 2012. Im Januar 2026 hätten rund 57.000 Menschen in einer sogenannten Asog-Wohnung gelebt, sagte Timothy Redfern, Referent für Armut und Wohnungsnotfallhilfe, bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit dem Verein für Straßensozialarbeit Gangway. Im Dezember 2012 waren es seinen Angaben nach noch 6.200 Menschen. Zusätzlich lebten derzeit rund 6.000 bis 7.000 Menschen auf der Straße, so Redfern.Asog steht für „Allgemeines Gesetzes zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ in Berlin. Es verpflichtet die Bezirksämter unter anderem, wohnungslose Menschen unterzubringen.Erheblicher Wohnungsmangel und hohe ArmutsquoteAls Hauptursache sehen die Sozialarbeiter den deutlichen Wohnungsmangel in Berlin. Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit entstünden nicht nur durch persönliche Schicksale der Betroffenen. „Sie sind die natürliche und strukturelle Folge eines unbezahlbaren Wohnungsmarktes, einer anhaltend hohen Armutsquote in Berlin und eines Unterbringungssystems, das einfach am Limit ist“, sagte Redfern und ergänzte: „Je teurer und knapper Wohnraum ist, desto mehr Menschen werden obdachlos.“ Ein weiterer Faktor seien persönliche Krisen, Krankheit, eine Trennung oder häusliche Gewalt.Mit Blick auf die Abgeordnetenhauswahl fordern Gangway und der Paritätische Wohlfahrtsverband bezahlbaren Wohnraum für alle. Wichtig sei es außerdem, niedrigschwellige Angebote für Wohnungslose auszubauen und Unterkünfte anders zu gestalten, sagte Streetworker Tino Kretschmann von Gangway. Die Menschen lebten teils über Jahre unter schwierigen Bedingungen in Mehrbettzimmern, Familien wohnten auf sehr engem Raum. Außerdem gebe es nicht überall eine reguläre Unterstützung durch Sozialarbeiter, so Kretschmann. Zudem wünschen sich die Streetworker mehr Empathie für Betroffene und dass Menschen in Berlin diese nicht als reinen Störfaktor sähen.© dpa-infocom, dpa:260826-930-584949/1







