PfadnavigationHomeICONISTPartnerschaftFerres und Maschmeyer„Vertrauensvolle Freundschaft“ und „Dankbarkeit“ – so poetisch klingen Trennungen heuteStand: 13:01 UhrLesedauer: 4 MinutenCarsten Maschmeyer und Veronica Ferres vergangenes Jahr beim Filmball Quelle: Andreas Rentz/Getty ImagesDer öffentliche Rosenkrieg ist selten geworden – die Puderzuckernachricht zur Trennungsverkündung fast Standard. Auch Maschmeyer und Ferres bleiben „eng verbunden“. Über die Trennung als Freundschaftserklärung.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenAuch – oder gerade – für Fans des Paares Carsten Maschmeyer und Veronica Ferres kam die Nachricht von der Trennung der beiden recht überraschend. Noch im Juni sprach der Unternehmer in „Bunte“ von der Hochzeit mit der Schauspielerin als „Höhepunkt seines Lebens“, gratulierte ihr auf Instagram mit einem Pärchenfoto, das die beiden in enger Umarmung zeigt, und liebevollen Worten zum Geburtstag („Ich kenne kaum jemanden, der mit so viel Energie, Neugier und Herz durchs Leben geht wie Du“). Im „Stern“ verriet er ebenfalls noch 2026 das vermeintliche Geheimnis hinter ihrer 17 Jahre dauernden Beziehung: „Wir haben seit Jahren ein Ritual, das wir ‚Beziehungswartung‘ nennen. Einmal pro Woche haben wir eine Date-Night, ohne Handys, ohne Ablenkung, bei der wir uns gegenseitig drei Fragen stellen: Womit habe ich Dich positiv überrascht? Womit habe ich Dich enttäuscht? Was wünschst Du Dir, dass ich verändere?“ „Tiefe, vertrauensvolle Freundschaft“Hat wohl alles nichts geholfen, nun gehen die beiden getrennte Wege. Auf Instagram posteten sie eine Textkachel mit der Nachricht, die zeitgleich auch Familienanwalt Christian Schertz versendete. Sie liest sich ähnlich poetisch wie all die Social-Media-Posts, mit denen prominente Paare in dieser Zeit ihre Trennungen verkünden: „Mit der Zeit ist aus unserer Liebe eine tiefe, vertrauensvolle Freundschaft entstanden. Wir blicken mit großer Dankbarkeit auf unseren gemeinsamen Weg zurück und werden in Zukunft eng verbunden bleiben. Das Wohl unserer Familie steht für uns an erster Stelle. Für unsere jeweiligen Stiefkinder und unsere gesamte Familie sind und bleiben wir unverändert aus vollem Herzen da“.Es gibt noch extremere Beispiele aus den vergangenen Jahren: Schauspielerin Reese Witherspoon und Jim Toth verkündeten 2023, sie würden voll „tiefer Liebe, Güte und gegenseitigem Respekt“ auseinandergehen. Comedienne Chelsea Handler schrieb im Juli 2022, ihre Trennung von Jo Koy sei „kein Ende, sondern ein neuer Anfang. Es ist beruhigend zu wissen, dass ich diesen Mann immer noch liebe, wie die Sonne den Mond liebt und der Mond die Sonne“.Als Urmutter des Konzepts, sich nicht einfach schnöde zu trennen, sondern all das als bewusste Ent-Paarung bei angeblich gleichbleibender Liebe darzustellen, gilt Gwyneth Paltrow, die schon 2014 den Begriff „conscious uncoupling“ erfand und ihre Scheidung von Chris Martin als spirituelle, mentale Distanzierung framte.Lesen Sie auchFür Prominente ist der Vorteil dieser Postings klar: Sie behalten die Kontrolle über das Narrativ. Auch Maschmeyer und Ferres weisen darauf hin, dass es abseits dieser sorgfältig gewählten Worte keine weiteren Informationen geben soll. Was früher die „messy celebrity divorce“ mit öffentlicher Schlammschlacht war, ist heute das Puderzuckerposting. Man hat keinen Fehler gemacht, man war auch kein Fehler.Dorothea Behrmann ist Paartherapeutin und Trennungscoach. Sie begleitet Menschen, die verlassen wurden oder sich trennen wollen, durch die Phasen ihrer Trennung. Sie glaubt durchaus daran, dass man diese Lebenskrise „friedlich“ durchstehen kann – doch selbst Behrmann hält ganz grundsätzlich pauschale und zu voreilige „Best Friends“-Aussagen in solchen Postings für „nicht glaubwürdig“, wie sie anlässlich der Trennung von Kevin Costner erklärte: „Trennungen sind immer mit Kränkungen verbunden, ob prominent oder nicht, und es braucht eine Zeit der Trauer und auch der Wut, um von der anderen Person wirklich frei zu sein. Gleich nach einer Trennung von Freundschaft zu sprechen, halte ich für absolut unrealistisch.“ Lesen Sie auchDie Trennung von Maschmeyer und Ferres hätte laut Schertz „bereits vor längerer Zeit“ stattgefunden, eine Zeit, die es auch braucht, um absehen zu können, wie sich die Dinge in und nach so einer Trennung entwickeln. Bei manch einem Ex-Paar ändert sich die zunächst vielleicht noch harmonische Dynamik komplett, sobald einer einen neuen Partner hat oder es dann im Scheidungsprozess konkret an die Verteilung von Geld, Sorgerecht, Immobilien geht. Auch Supermodel Gisele Bündchen und Footballstar Tom Brady haben mit der Bekanntgabe ihrer Trennung erst einmal gewartet, so lange, bis alle finanziellen und sonstigen Fragen komplett geklärt waren, und schrieben erst dann: „Wir haben unsere Scheidung nach 13 Jahren Ehe abgeschlossen. Wir haben diese Entscheidung einvernehmlich und in Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit getroffen.“Geht es um „normale“ Paare, ist Expertin Behrmann komplett gegen weiterführende Erklärungen auf Social Media oder auch im persönlichen Umfeld. Man solle sich trennen, ohne viel preiszugeben: „Eine Trennung ist Privatsache, und die genauen Gründe gehen niemanden etwas an. Nicht einmal die Eltern, Geschwister, Freunde und Kollegen haben ein Anrecht zu erfahren, warum die Beziehung zerbrochen ist. Wenn ein Paar eine Trennung kommuniziert, dann reicht es zu sagen: Wir haben uns getrennt.“ Wer dann noch mag, könne einzelnen, vertrauten Menschen mehr Einzelheiten erzählen. „Aber auch hier gilt: Nicht zu viel erzählen, denn sonst gibt es auch im Familien- und Freundeskreis Loyalitätskonflikte.“