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Arbeitsmarkt: Unternehmen in Deutschland bauen weniger Personal ab Die Anzeichen mehren sich, dass sich der Arbeitsmarkt stabilisiert. Weniger Beschäftigte werden entlassen. Firmen stellen jedoch nicht signifikant mehr Menschen ein.

Beschäftigter im Maschinenbau: Weniger Entlassungen in der Industrie. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpaBerlin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat „Wachstum und Beschäftigung“ nach seinem Sommerurlaub erneut zu seiner Priorität erklärt. Die jüngsten Daten vom Arbeitsmarkt weisen zumindest in diese Richtung: Es mehren sich Anzeichen für eine Stabilisierung.Das zeigen die August-Daten des Beschäftigungsbarometers, das das Münchener Wirtschaftsinstitut Ifo monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Demnach wollen die Unternehmen zwar weiterhin Stellen abbauen, allerdings weniger stark als zuvor. Konkret erreichte das Barometer einen Wert von 94 – das ist der höchste Stand seit Mai vergangenen Jahres. Die Marke von 100 Punkten würde eine neutrale Entwicklung bedeuten.„Die Unternehmen treten beim Stellenabbau zunehmend auf die Bremse“, sagte Klaus Wohlrabe, Chefstatistiker des Ifo-Instituts, dem Handelsblatt. „Von einer Einstellungswelle kann allerdings noch keine Rede sein.“Der Wert basiert auf monatlichen Umfragen des Ifo-Instituts unter etwa 9000 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistung, Handel und Bau. Die August-Umfrage zeige, dass die konjunkturelle Stabilisierung langsam am Arbeitsmarkt ankomme, sagte Wohlrabe. „Noch reicht sie aber nicht aus, um die Beschäftigung wieder wachsen zu lassen.“Nachdem seit mehreren Jahren vor allem Industrieunternehmen Arbeitsplätze abgebaut haben, schneidet im August erstmals der Handel deutlich schlechter ab. Die Bereiche Bau und Dienstleistungen sind nur minimal negativ.Einen kleinen Beitrag zum leichten Aufwärtstrend liefert die Rüstungsindustrie: Nach Daten des Personalforschungsunternehmens Index schrieb sie im ersten Halbjahr deutschlandweit rund 4700 Stellen aus, das waren 22 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025.Hintergrund sind etwas bessere Konjunkturdaten: Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich. Das Statistische Bundesamt hat das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das zweite Quartal 2026 um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal nach oben revidiert. Treiber ist der Export. Der stieg um zwei Prozent. Investitionen und Konsum hinken hingegen deutlich nach. Belastet wird die Erholung durch den anhaltenden Irankrieg, hohe Ölpreise und ein erneutes Rhein-Niedrigwasser. Von der Bundesbank heißt es deshalb, das dritte Quartal werde „allenfalls noch leicht zulegen“.Konjunktur Ifo-Geschäftsklima steigt vierten Monat in Folge Das Ifo-Geschäftsklima stieg im August derweil überraschend stark auf 88,8 Punkte – der vierte Anstieg in Folge, deutlich über der Analystenerwartung von 87,2. Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte: „Die Zuversicht unter den Unternehmen in Deutschland hat zugenommen.“ Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleister zogen gemeinsam an. Auch die Kaufkraft verbessert sich: Tariflöhne dürften 2026 stärker steigen als die Preise – ein potenzieller Konsumimpuls, der bislang aber nicht in den Ausgabedaten ankam.Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juli 2026 rund drei Millionen Arbeitslose. Das sind zwar gut 70.000 mehr als im Juni, doch dieser Anstieg gilt als üblich im Sommer. Im Jahresvergleich sank die Zahl um knapp 28.000 Personen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 11,4 Prozent, im Vorjahr waren es 11,8 Prozent.Die Gesamtbeschäftigung in Deutschland ist nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in den vergangenen Jahren trotz schwachen Wirtschaftswachstums stabil geblieben. Im verarbeitenden Gewerbe ist sie hingegen seit 2022 kontinuierlich gesunken.Als Ursachen gelten die Energiekrise ab 2022, verschärft durch den Irankrieg, und der rapide technologische Wandel mit dem Bedeutungsverlust des Verbrennungsmotors. Dazu kommen der immer stärker geführte weltweite Wettbewerb, vor allem durch China, und die Zollpolitik der USA.Kreditkosten als Faktor für JobabbauEin weiterer Faktor sind höhere Kreditkosten in der Euro-Zone durch die straffere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Nach einer Studie des IAB zeigen sich die Beschäftigungsrückgänge vor allem in den Industriebranchen, die einen hohen Verschuldungsgrad haben und von Fremdfinanzierung abhängig sind. Verwandte Themen DeutschlandEZBArbeitsmarktEuropäische UnionDer Effekt der Zinskosten auf die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe zeige sich auch dann, wenn andere relevante Faktoren wie Energieintensität und Beschäftigungstrends vor der Coronakrise berücksichtigt würden. „Ein um zehn Prozentpunkte erhöhter Verschuldungsgrad geht mit einem Beschäftigungsrückgang um 5,4 Prozent einher“, schreiben die IAB‑Experten Ahmet Ali Taskin und Enzo Weber.Zwischen 2022 und 2025 fiel der Beschäftigungsrückgang in den höher verschuldeten Branchen um 4,7 Prozentpunkte stärker aus als in den geringer verschuldeten. Davon ließen sich 3,3 Prozentpunkte oder 107.000 Stellen auf den Verschuldungsgrad selbst zurückführen. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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